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Die neuen Zuarbeiter für den Bundestrainer Hansi Flick: Mads Buttgereit, Danny Röhl, Marcus Sorg und Andreas Kronenberg (von li.).
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Die neuen Zuarbeiter für den Bundestrainer Hansi Flick: Mads Buttgereit, Danny Röhl, Marcus Sorg und Andreas Kronenberg (von li.).

Deutsche Nationalmannschaft

Hansis Helfer

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Flicks erneuerter Trainerstab steht für Innovation, Internationalität und Selbstbewusstsein. Was Danny Röhl, Mads Buttgereit und Andreas Kronenberg beim DFB-Team bewirken können.

Der Regen prasselt in einer Wucht auf Stuttgart herunter, als wolle er alles wegspülen, was bisher war. Aber es ist natürlich noch zu früh zu beurteilen, wie viele Spurenelemente aus der bedeutenden Ära des Fußball-Ex-Bundestrainers Joachim Löw übrig bleiben werden in der Epoche, die von nun an durch Nachfolger Hansi Flick bestimmt wird. Die Wasserkaskaden aus den tief hängen Wolken sind an diesem trüben August-Montag beträchtlich, die Innovationsfreude des neuen Bundestrainers ist es auch. Am Nachmittag hat der 56-Jährige erstmals in seinem Leben als höchstrangiger Chefcoach deutsche Nationalspieler zur Vorbereitung auf drei WM-Qualifikationsspiele zum Training gebeten. Zuvor schon demonstrierte die Auswahl der Gesprächspartner für die erstmals seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie wieder persönlich geladenen Medien, wie Flick seine Aufgabe anzugehen gedenkt: als ausgewiesener Teamplayer, der Vertrauen schenkt und Aufgaben delegiert.

Er hat sich dafür drei neue Fachleute an seine Seite geholt: einen Assistenztrainer, Danny Röhl (32), der vor allem der bei den beiden letzten großen Turnieren lahmenden Offensive neuen Schwung verleihen soll; einen Standardcoach, Mads Buttgereit (36), der bei Freistößen, Ecken und sogar Einwürfen neue Ideen und Techniken entwickeln soll; und einen Torwarttrainer, Andreas Kronenberg (46), der sich als Nachfolger von Andreas Köpke fortan um die Keeper kümmert.

Ein paar alte Fahrensmänner bleiben im Team: Marcus Sorg (55) als Co-Trainer, Team-Internist Tim Meyer (53), der international hochgeachtete Sportmediziner, oder Hans-Dieter Hermann, der Psychologe, der ebenfalls eine Kapazität auf seinem Gebiet ist.

Ganz ähnlich ist Flick auch bei der Auswahl des fußballspielenden Personals vorgegangen: Alte Haudegen wie Manuel Neuer (35), Marco Reus (32) oder Thomas Müller (31) wurden wie selbstverständlich eingeladen, um gegen Liechtenstein (Donnerstag 20.45 Uhr/RTL), Armenien (Sonntag 20.45 Uhr/ RTL) und Island (8.9) die dringlich nötigen Punkte auf dem nicht ganz unbeschwerlichen Weg nach Katar zu sammeln. Aber auch noch ziemlich unbekannte Perspektivspieler wie Karim Adeyemi (19), Nico Schlotterbeck (21) und David Raum (23) durften ins Waldhotel anreisen. Zum Schnuppern.

Die neuen Spezialisten Röhl, Buttgereit und Kronenberg können getrost als Versprechen auf die Zukunft angesehen werden. Flick lüftet einmal kräftig durch. Das ist keine Überraschung, sondern eine pure Notwendigkeit nach einer zuvor anderthalb Jahrzehnte währenden Dienstzeit von Löw, in der Großes entwickelt wurde, die zum Ende hin aber zusehends an Dynamik verlor.

Besonderen Einfluss auf den Bundestrainer und die Mannschaft dürfte der gebürtige Zwickauer Röhl entwickeln. An Selbstvertrauen, Überzeugungskraft und Fachkunde scheint es dem noch sehr jungen Mann nicht zu mangeln. Der Absolvent der Uni Leipzig (Bachelor) und Sporthochschule Köln (Master in Spielanalyse und Scouting) wurde durch einen Kreuzbandriss schon im Alter von 20 Jahren aus einer eher mittelmäßigen Fußballerkarriere gerissen und konzentrierte sich fortan auf seine Trainerlaufbahn.

Bei Bayern München arbeitete er bereits an der Seite von Niko Kovac und Flick, zuvor in Leipzig und Southampton für Ralph Hasenhüttl, davor in Leipzig für Ralf Rangnick, bei dem er sich ausdrücklich öffentlich bedankte: „Er hat meinen Weg entscheidend geprägt.“ Von Rangnick sei ihm „konsequent vermittelt worden, wie man eine Spielidee umsetzen kann“. Daran will sich Röhl nun auch im DFB-Team machen: „Wir wollen Tempo und Intensität reinbekommen. Wir wollen das Pressing entschlossener aktivieren.“ Es sind also vor allem Rangnick-Elemente, die Philosophie jenes Mannes also, den der DFB im Original nicht haben wollte, wohl aber dessen Gedankengut. Ein Ansatz, den auch Flick beim FC Bayern erfolgreich vermittelt hat.

Als bedeutend hat es der neue Bundestrainer auch in den längst vergangenen Zeiten als Assistent von Joachim Löw angesehen, das Einüben von Standardsituationen zu intensivieren. Deshalb ist es nur logisch, dass Flick Wert auf die Verpflichtung des auf diesem Gebiet sehr angesehenen Dänen Buttgereit legte. Der Spezialtrainer, Vater Deutscher, will sich bei seiner Arbeit nicht nur auf seine Beobachtung oder herkömmliche Videoüberwachung verlassen, sondern ein modernes System nutzen: den sogenannten Trackman.

Dabei handelt es sich um ein bis zu 25 000 Euro teures, mit entsprechender Software ausgerüstetes Gerät, das vor allem im Golf, aber auch im American Football und Baseball eingesetzt wird. Mit dem Trackman, erklärt Buttgereit, werde etwa im Golf die Schwungtechnik präzise analysiert, das Programm könnte auch auf die Analyse der Schusstechnik bei Freistoß- oder Eckballschützen im Fußball übertragen werden: „Zu hart, zu weich oder mit dem verkehrten Spin, das ist ein sehr gutes Hilfsmittel.“ Buttgereit, bei der EM für die dänische Nationalmannschaft tätig, will „an allen kleinen Rädchen versuchen zu drehen“. Er habe die Erfahrung gemacht, dass Weltklassespieler „nach jedem einzelnen Prozent suchen, um sich zu verbessern“.

Der neue Torwarttrainer Kronenberg, gleichzeitig weiter für die Überraschungsmannschaft SC Freiburg in der Bundesliga tätig, glaubt, dass es in Zusammenarbeit mit dem alten und neuen Kapitän „auch für Manuel Neuer möglich ist, auf ein neues Level zu kommen“. Der Schweizer lässt keinen Zweifel, dass er bei den Keepern Freund einer „klaren Rollenverteilung“ ist. Manuel Neuer muss sich also wenig Sorgen machen, das auch im fortgeschrittenen Torwartalter an seinem Thron gerüttelt wird.

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