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Mag den Nervenkitzel: Marcel Schiller bei der EM-Qualifikation gegen Estland. Tom Weller/dpa
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Mag den Nervenkitzel: Marcel Schiller bei der EM-Qualifikation gegen Estland. Tom Weller/dpa

Aufsteiger des Jahres

Handball-Nationalspieler Marcel Schiller: „Mein bestes Jahr“

  • VonPatrick Reichelt
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Der deutsche Handball-Nationalspieler Marcel Schiller spricht im Interview über Olympia in Tokio und sein großes Vorbild.

Herr Schiller, Sie bewegten sich lange Jahre unter dem Radar. Jetzt sind Sie einer der Top-Torjäger der Bundesliga, WM-Teilnehmer und heißer Kandidat für die Olympischen Spiele. Was ist passiert?

Das Komische ist: Ich mache zwar viele Tore, aber ich bin gar nicht zu hundert Prozent mit meinem Spiel zufrieden. Meine Konstanz ist sicher gestiegen. Aber ich verwerfe immer noch zu viele einfache Bälle. Aber es stimmt schon, gerade in Kombination mit der Nationalmannschaft ist das wahrscheinlich mein bestes Jahr.

In dem Sie spätestens mit Ihrem Tor in den Schlusssekunden der Olympia-Qualifikation gegen Schweden auch weniger eingefleischte Handballfans kennengelernt haben. Das war kühl für einen Mann mit gerade einer Handvoll Länderspiele auf dem Buckel.

Klar war das ein wichtiger Wurf, zumal es die Qualifikation am Ende leichter gemacht hat. Aber für mich macht es in diesem Moment keinen Unterschied, ob es für die Nationalmannschaft ist oder im Verein. Oder ob wir mitten im Spiel oder in den Schlusssekunden sind. Ich stelle mich solchen Herausforderungen. Auch wenn ich mal einen wichtigen Wurf vergebe. So habe ich das schon immer gehalten. Ich mag den Kitzel, deshalb bin ich auch der Letzte, der sagen würde: Den Wurf nehme ich nicht.

Gleiches galt natürlich auch für den früheren NBA-Star Kobe Bryant, den Sie bewunderten.

Eine Besonderheit bei ihm ist vor allem seine Herangehensweise an den Sport. Von den körperlichen Voraussetzungen her waren ihm andere voraus. Aber die Liebe zum Sport, der Ehrgeiz und die Arbeitsbereitschaft haben ihn Besonders gemacht. Man weiß, dass er nach einem Scheißabend schon mal bis zwei Uhr Nachts in die Halle gegangen ist und Würfe trainiert hat. So bin ich auch. Wenn es in einem Spiel nicht gelaufen ist, würde ich am liebsten auch gleich wieder in die Halle gehen.

Was ist Ihr NBA-Titel? Die Olympia-Teilnahme?

Es wäre auf jeden Fall ein Kindheitstraum wenn das wirklich klappt für mich. Das ist etwas, das kann dir keiner mehr nehmen. Ich werde alles dafür tun, aber ich versuche da noch nicht zu viel daran zu denken.

Zur Person

Marcel Schiller ist einer der großen Gewinner des Handball-Jahres. Ob bei der WM in Ägypten, der Olympia-Qualifikation oder zuletzt auch bei den EM-Qualifikationen in Bosnien und gegen Estland – der Linksaußen vom Bundesligisten aus Göppingen hat in der DHB-Auswahl sogar Ex-Welthandballer Uwe Gensheimer den Rang streitig gemacht. Später Lohn für den 29-jährigen Göppinger, der einem prominenten Vorbild folgt. (FR)

Haben Sie noch ernsthafte Zweifel?

Ach, es gibt noch 13 Bundesligaspiele davor. Da spielen so viele Faktoren mit. Das Dumme ist auch: Bei einer WM stehen 16 Spieler im Kader, bei Olympia nur 14. Und da geht es schon darum: Fahren zwei oder doch nur ein Außenspieler mit. Und du musst gesund bleiben.

Es trifft sich natürlich gut, dass Ihre Mannschaft eine starke Saison spielt. Sie gehören zu den ersten Verfolgern des Spitzenduos aus Flensburg und Kiel.

Ja, das stimmt. Wir haben einige große Spiele gewonnen. Zum Beispiel gleich zweimal gegen die Rhein-Neckar Löwen. Das tut schon gut. Du weißt einfach: Wenn wir gut spielen, dann haben wir auch gegen große Teams unsere Chance. Aber vor allem haben wir unsere Hausaufgaben gegen die schwächeren Teams ganz gut gemacht.

Welchen Einfluss haben die Umstände der Pandemie?

Prinzipiell hat man sich an die Umstände ja gewöhnt. Maske trägst du ohnehin, dreimal die Woche wird getestet, das macht bei uns der dafür geschulte Physio, das ist schon in Routine übergegangen. Du tust ja auch privat alles was geht, um den Virus nicht zu bekommen. Und was die Zuschauer betrifft,so merkt man es inzwischen gar nicht mehr so extrem dass keine da sind. Wenn du gegen Kiel in der 55. Minute bis auf ein Tor rankommst, dann denkst du dir schon: Jetzt unser Heimpublikum im Rücken... Aber wir haben da eine ganz gute Herangehensweise gefunden um das zu kompensieren. Wir sind sehr emotional, sehr laut. Das braucht man auch. Du brauchst 1,2,3 Spieler, die den Kopf ausschalten und Gas geben.

Fällt das reduzierte Leben in der vertrauten Umgebung leichter? Mit 29 Jahren haben Sie gerade einmal zwei Profistationen in der Vita, beide in ihrer schwäbischen Heimat. Seit dem Jahr 2013 spielen Sie bei Frisch Auf Göppingen.

Ja, das kann schon sein. Das Gute bei mir war, dass es für mich immer perfekt gepasst hat. Und es gab ja auch Erfolg. Mit Neuhausen bin ich in die Bundesliga aufgestiegen, mit Göppingen haben wir gleich zweimal den EHF-Pokal gewonnen. Aber mir ist schon auch die Familie sehr wichtig, gerade jetzt habe ich auch noch zwei Söhne mit zweieinhalb Jahren und vier Monaten. Da überlegst du dir jeden Schritt zweimal. Ich habe jetzt meinen Vertrag noch einmal um zwei Jahre verlängert.Was nicht heißt, das ich mir nicht vorstellen kann, auch einmal noch weiter weg zu spielen. Aber da müsste jetzt schon ein ganz besonderes Angebot kommen um mich ins Überlegen zu bringen.

Interview: Patrick Reichelt

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