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Niklas Kaul trainiert in Zeiten der Isolation zu Hause weiter.

Zehnkampf-Weltmeister in der Corona-Krise

Fit halten, irgendwie

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Niklas Kaul hat aufgrund der Corona-Krise das Trainingslager in Südafrika abbrechen müssen, nun hält er sich zu Hause Nahe Mainz fit, bei seinen Eltern. Dass Olympia in diesem Jahr stattfindet, glaubt er nicht.

Eigentlich wollte Niklas Kaul noch eine Woche länger in Stellenbosch bleiben, am Kap der guten Hoffnung. Es ist dort ja auch wirklich angenehm derzeit, 26 Grad warm und sonnig. Vor zwei Wochen war der Zehnkampf-Weltmeister mit dem Mehrkampfkader des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) nach Südafrika ins Trainingslager gereist, auch die Frankfurter Siebenkämpferin Carolin Schäfer war mit dabei, sie ist ja ohnehin Kauls Trainingspartnerin. Allerdings: Vor wenigen Tagen meldete sich der Deutsche Olympische Sportbund und empfahl den Athleten angesichts der Corona-Pandemie, zurück nach Deutschland zu kommen. „Es sind ja schon einige deutsche Touristen irgendwo gestrandet. Das wollten wir so gut es geht vermeiden“, berichtet Kaul im Gespräch mit der FR. Er ist seit Samstag wieder in Mainz, seiner Heimatstadt. Sonst hätte er riskiert, dass keine Flüge mehr zurück gehen. Am Dienstag kam zudem die Nachricht, dass Südafrika alle Sportstätten schließt. „Dann bin ich am Ende doch lieber daheim“, sagt Kaul.

Kein Wettkampftermin in Sicht

Für den 22-Jährigen geht es jetzt darum, irgendwie fit zu bleiben. Er hat zwar zu Hause einen Fahrrad- und Ruder-Ergometer, Medizinbälle und Gewichte, „aber es hat eigentlich nichts mit Training zu tun, wie es in der Vor-Wettkampfphase sein müsste“, sagt der 1,90 Meter große Modellathlet. Es sei ohnehin die große Frage, ob eine Saison überhaupt stattfindet. Laut Plan wäre der erste Wettkampf im österreichischen Götzis am 30. und 31. Mai – nicht gerade wahrscheinlich, dass dann wirklich geworfen, gesprungen und gerannt wird. „Es geht aber im Moment nicht darum, die Top-Trainingsbedingungen herzustellen, sondern den Virus einzudämmen“, findet Kaul.

Er geht auch nicht davon aus, dass die Olympischen Spiele (24. Juli bis 9. August) über die Bühne gehen können. „Ich glaube, dass eine Verschiebung auf nächstes Jahr der einzige Weg ist, Olympia auszurichten. Alles andere ist viel zu gefährlich für die Weltgesundheit. Es ist eigentlich gar nicht machbar“, sagt der Mehrkämpfer angesichts der Prognosen, dass das Virus zwischen Mai und Juli seine Hochphase haben wird. Das Internationale Olympische Komitee ermutigt die Sportlerinnen und Sportler dennoch dazu, sich weiterhin bestmögliche auf mögliche Spiele in Tokio vorzubereiten. Nur wie? Kaul, der durchaus als Trainingsjunkie bezeichnet werden kann, der aktuell eigentlich morgens Technikeinheiten (Stabhochsprung, Hürdenlauf et cetera) sowie abends noch Kraftübungen absolvieren würde, der normalerweise in wöchentlichen Blöcken all seine zehn Teildisziplinen einmal proben würde, muss seine Füße stillhalten und abwarten.

Kein Platz fürs Training

Bevor er nach Südafrika geflogen ist, war das Coronavirus in Deutschland noch kaum ein Thema. Dass keine Desinfektionsmittel mehr aufzutreiben waren, war das einzige Anzeichen. „In Südafrika haben wir nichts von Panik gegenüber dem Virus mitbekommen. Da war alles sehr normal, aber das ist natürlich immer auch die Frage, wo man sich bewegt“, erzählt Kaul. Bis zu 50 Leute – Athleten aus verschiedenen Disziplinen, Trainer und Betreuer – waren gleichzeitig in Stellenbosch. Das Training konnte er ganz normal durchziehen. „Wir dachten die ganze Zeit, besser als in Südafrika geht es nicht.“ Gerade in warmen Regionen fühlen sich Viren schließlich nicht wohl. „Aber wir haben jetzt natürlich nochmal eine ganz andere Situation“, so Kaul.

In Mainz gibt es nun keinen Platz und keine Halle, wo er sein Trainingsprogramm abspulen kann. Deswegen wird er in den nächsten Tagen seine Zwei-Zimmer-Wohnung, wo er mit seiner Freundin, der Siebenkämpferin Mareike Rösing, verlassen, und sich im Elternhaus in Saulheim in der Nähe von Mainz einquartieren. „Da kann ich wenigstens im Garten trainieren“, sagt Kaul, dessen Eltern Michael und Stefanie ihn anleiten.

Es gehe nun für ihn darum, in irgendeiner Weise die Form zu halten und die Langeweile zu bekämpfen. Lesen, Serien schauen, „die Zeit werde ich nicht anders verbringen als alle anderen auch“ sagt Kaul, der an der Universität in Mainz Sport und Physik auf Lehramt studiert. Er könnte sich also gewiss auch Unistoff aneignen, „wobei ich da ehrlicherweise nicht der konsequenteste Typ bin.“ Der Semesterstart wurde sowieso erstmal auf den 20. April verschoben. „Ich kann mir gut vorstellen, dass man da viel Online machen kann oder auch Hausarbeiten. Das wird schon funktionieren“, ist der 22-Jährige optimistisch. Genauso geht er auch das Thema Ernährung an. „Wenn ich mal zwei Tage keine Nudeln essen kann, geht davon die Welt auch nicht unter.“

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