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Kein Hygieneabstand möglich: Pekeler (links) und Gensheimer nehmen es mit drei Bosniern auf.

Handball

Großes Magengrummeln

Nach dem erfolgreichen Debüt-Lehrgang mit Alfred Gislason blicken die deutschen Handballer mit gemischten Gefühlen gen WM.

Sein schmerzliches „Mitbringsel“ einer verrückten Länderspielreise trug Hendrik Pekeler unterm linken Auge. „Narben erzählen ja auch irgendwie Geschichten“, sagte der Kreisläufer der deutschen Handballer über den genähten Cut auf seiner Wange: „Und wenn diese Geschichte meine Covid-Geschichte ist, bin ich damit zufrieden.“

Am Ende einer nervenaufreibenden Woche war nicht bloß Pekeler spürbar erleichtert. Sportlich sorgten die beiden Siege in der EM-Qualifikation zum Einstand von Bundestrainer Alfred Gislason für ein gutes Gefühl. Abseits des Feldes fielen sämtliche Coronatests im deutschen Team negativ aus, so dass der nahtlosen Rückkehr in den Ligabetrieb ab Mittwoch nichts im Wege steht.

Vollkommen sorgenfrei sind Pekeler und Co. aber keineswegs. Vor allem vor dem Hintergrund der nahenden WM sorgt die angespannte Corona-Situation für Magengrummeln. „Es ist nicht ganz leicht, weil man nicht weiß, was einen erwarten wird“, sagte Toptorjäger Julius Kühn und sprach von einer „besonderen Woche“. Man habe in der EM-Quali gesehen, dass einige Spiele abgesagt oder verlegt werden mussten, „damit müssen wir vielleicht rechnen. Ich würde mich trotzdem freuen, wenn man das im Januar auf die Beine stellen kann.“

Pekeler, zuletzt so etwas wie der Corona-Sprecher in Reihen der Spieler, betonte nach dem abschließenden 35:23-Erfolg in Tallinn gegen Estland noch einmal, dass es den Profis nicht leicht falle, sich auf Handball zu konzentrieren. Das Team mache sich momentan vor allem Gedanken darüber, „dass wir gesund hier durchkommen“.

Besonders die zwischenzeitliche, fast 24-stündige Isolation vor dem Estland-Spiel hatte den deutschen Cracks auf den Magen geschlagen. „Ich hoffe, es bleibt bei dieser einmaligen Sache“, sagte Pekeler im ZDF. Das Team sei froh gewesen, gespielt zu haben. „Aber den ganzen Tag auf dem Zimmer eingesperrt zu sein und zu hoffen, dass alle negativ sind und wir dann wieder raus dürfen, ist schon ein bisschen schwierig“, erläuterte Pekeler.

Coach Gislason zeigte Verständnis für die Sorgen seiner Spieler. „Natürlich freut sich da keiner drüber, dass man in der Bubble lebt und fast wie in Quarantäne ist“, sagte der Isländer. Auch er sprach von einer schwierigen Woche „mit wenig Training und den Corona-Umständen“ – und doch verabschiedete er sich mit einem „sehr guten Gefühl“ von seinem Team.

„Die Lust auf mehr ist gewachsen“, sagte Gislason. Auf den beiden Auftritten könne man „sehr viel aufbauen“. Natürlich gebe es „noch viele Baustellen“, aber trotz der kurzen Vorbereitungszeit Anfang Januar versprühte Gislason Optimismus: „Für mich war das ganz wichtig. Ich habe viele wichtige Infos bekommen, wo ich ansetzen kann.“ (sid)

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