Ein Hauch von Wimbledon in Bad Homburg: Mit einem Show-Doppel wurde der Rasenplatz in der Kurstadt eröffnet.
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Ein Hauch von Wimbledon in Bad Homburg: Mit einem Show-Doppel wurde der Rasenplatz in der Kurstadt eröffnet.

Wie gehts weiter im Tennis?

Gratwanderung am Netz

  • Jakob Böllhoff
    vonJakob Böllhoff
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Im Tennis ist weiter unklar, wie der Re-Start gelingen kann. Lässt Kerber die US Open aus?

Gewiss ist in der Tenniswelt zurzeit nur die Ungewissheit. Und so wachsen stetig die Zweifel daran, dass der Sport den Re-Start nach der Corona-Pause wie geplant durchführen kann. „Es stehen noch so viele Fragen im Raum, die noch nicht beantwortet wurden“, sagte Daviscup-Kapitän Kohlmann am Samstag am Rande der Centre-Court-Eröffnung der Bad Homburg Open.

In der Kurstadt war der 46-Jährige auf dem neuen Rasenplatz in einem Show-Doppel an der Seite von Nachwuchstalent Mara Guth auf Angelique Kerber und Rainer Schüttler getroffen, dem Fedcup-Kapitän. Auf dem Court herrschte prächtige Stimmung, neben dem gelben Filzball flogen auch immer wieder Frotzeleien übers Netz, aber später, als das Brimborium um die Platzeröffnung beendet war – inklusive der Segnung des Rasens durch zwei Bad Homburger Pfarrer – saßen Kohlmann und Schüttler in einer kleinen Presserunde, und die beiden Bundestrainer sahen etwas zerknirscht aus ob der Lage der Dinge. „Es ist ein schwieriger Moment“, sagte Schüttler, 44, und zuckte mit den Schultern. Die geplanten Ansetzungen im August hält der Australian-Open-Finalist von 2003 für „sehr früh“.

Die Frauen starten ab dem 3. August im italienischen Palermo wieder in die WTA-Tour. Bei den Männer soll es laut Planung ab dem 14. August in Washington wieder losgehen in der ATP-Tour. Erstes Highlight sind die US Open in New York (31. August bis zum 13. September), und die French Open als Höhepunkt der Sandplatzsaison stehen bereits ab dem 27. September (bis 11. Oktober) auf dem Programm.

Doch ob es wirklich so kommt, ist völlig offen. Vor allem die Situation in den USA mit hohen und weiter steigenden Infektionszahlen. In Deutschland gibt es eine Reisewarnung für das Land. „Und da stellen sich dann natürlich einige Fragen, die noch nicht geklärt sind“, sagt Kohlmann und führt aus: „Was passiert mit einem Profi, der positiv getestet wird? Was ist, wenn die Spieler aus den USA zurückkommen, müssen die dann zwei Wochen in Quarantäne? Es ist ja alles unheimlich eng getaktet. Nach den USA geht es sofort in Madrid weiter, dann kommt Rom, Paris. Ich bin da noch sehr skeptisch.“

Zverev fällt aus der Zeit

Die Idee eines sofortigen Saisonabbruches, der Klarheit wegen, sieht Fedcup-Kapitän Rainer Schüttler indes differenziert. „Es ist eine Gratwanderung, die Gesundheit geht immer vor“, so der gebürtige Korbacher: „Aber wenn man sieht, wie die Nummer 200 der Welt mit dem Geld da steht ohne Turniereinnahmen, weiß man auch, dass es in der jetzigen Situation kein richtig und kein falsch gibt.“

So kämpfen alle im Profitennis mit den Auswirkungen von Corona, jeder auf seine Weise. Topspielerin Angelique Kerber kokettiert offen damit, die US Open auszulassen: „Die Sicherheit geht vor. Ich habe die Verantwortung für mich und mein Team“, sagte sie in Bad Homburg. Ohnehin fokussiert sich bei der 32-Jährigen alles auf die French Open, das einzige Grand-Slam-Turnier, das Kerber noch in ihrer Titelsammlung fehlt.

Sorgen, die Alexander Zverev gerne hätte. Der 23-Jährige aus Hamburg, zurzeit die Nummer sieben in der Weltrangliste, hat immer noch den Ärger rund um Novak Djokovics umstrittene Adria-Tour an der Backe, bei der sich mehrere Spieler wie Organisator Novak Djokovic nach rauschenden Partys mit dem Coronavirus infiziert hatten. Wenig später tauchte erneut ein Video mit Zverev auf, das ihn beim Feiern zeigte – obwohl dieser versichert hatte, sich in Selbstisolation zu begeben. Michael Kohlmann äußerte sich in Bad Homburg leicht irritiert über Zverevs Verhalten: „Das ist keine gute Sache für den Sport. Es ist eine negative Wahrnehmung entstanden, die auch bei Leuten angekommen ist, die nicht so viel mit Tennis zu tun haben.“ Dass die Partybilder „nicht in diese Zeit passten“, finden sowohl Kohlmann als auch Schüttler. Immerhin das ist gewiss.

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