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Handball-EM: Corona wird zum unsichtbaren Gegner

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Von: Jörg Hanau

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Alles im Griff: Bundestrainer Alfred Gislason an der Seitenlinie.
Alles im Griff: Bundestrainer Alfred Gislason an der Seitenlinie. © dpa

Nach einem Corona-Ausbruch muss der Handball-Bundestrainer mit einem zusammengewürfelten Haufen bei der EM antreten. Eine Prognose fällt schwer. Der Kommentar.

Sechs Jahre ist es nun her. Damals im kalten Krakau gelang dem deutschen Handball der letzte große Wurf. Ein Handballfest, ein wahres Wintermärchen. Nicht mal als Außenseiter in die EM 2016 in Polen gestartet, glückte dem damaligen Bundestrainer Dagur Sigurdsson mit seinen vielen Rookies das schier Unglauliche.

Seine Mannschaft der Namenlosen rockte die kontinentalen Handballspiele. Corona kannten die deutschen Spieler allenfalls als Bier. Sinnbild für den nicht mal im Ansatz erwarteten Triumph war seinerzeit Andreas Wolff, der bärenstarke Torwart. In Polen ging sein Stern auf, im Finale gegen Spanien war es an ihm, die Iberer in den Wahnsinn zu treiben.

Es herrscht Schockzustand im deutschen Lager

Sechs Jahre später ist der mittlerweile 30 Jahre alte Keeper immer noch das Gesicht des deutschen Handballs. Nur wird man dieses zumindest in den kommenden fünf Tagen bei der EM in Bratislava nicht mehr zu sehen bekommen: Wolff, die Rückraumspieler Kai Häfner und Luca Witzke sowie die Außen Timo Kastening und Lukas Mertens haben sich mit dem Coronavirus infiziert. Im deutschen Lager herrscht Schockzustand. Denn damit erhöht sich die Zahl der Betroffenen auf sieben. Zuvor waren bereits Julius Kühn und Nachrücker Hendrik Wagner positiv getestet worden.

Gegen diesen unsichtbaren Gegner hilft keine offensive Abwehrreihe, kein Schlagwurf aus dem Rückraum und auch kein überragender Torwart. Dass ohnehin aus vielen Neulingen bestehende deutsche Team bricht in sich zusammen. Vor der Partie am Dienstag gegen Polen stehen Gislason - stand jetzt- nur noch elf gesunde Spieler zu Verfügung. Zwar hat Gislason bereits nachnominieren. Die Zeit bis zum letzten Gruppenspiel wird aber knapp.

Es kommt einige Erfahrung dazu

Die EM-Verantwortlichen werden sich nun Fragen zu den Hygieneregeln gefallen lassen müssen. Auf den ersten Blick scheint allerdings alles dafür getan worden zu sein: Im Mannschaftshotel blockte der Deutsche Handballbund zwei Etagen, alle Nationalspieler bewohnen Einzelzimmer. Aber Handball ist eben auch ein Kontaktsport. Wo sich die Betroffenen angesteckt haben, wird vermutlich nur schwer - wenn überhaupt - zu detektieren sein.

Nach den begeisternden Siegen dieser unbekümmert aufspielenden deutschen Mannschaft gegen Belarus und Österreich tritt Gislason nun mit einem zusammengewürfelten Haufen an. Die deutschen Handballer sind in der neuen Konstellation - gespickt mit mehr Erfahrung als zuvor - nun noch mehr eine Wundertüte.

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