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Gina Lückenkemper: „Noch schneller!“

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Von: Jörg Hanau

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Hat gut Lachen: Doppel-Europameisterin Gina Lückenkemper.
Hat gut Lachen: Doppel-Europameisterin Gina Lückenkemper. © dpa

Die „Sportlerin des Jahres“, Sprinterin Gina Lückenkemper, denkt bereits an die WM 2023.

Der Abend des 16. August war ein denkwürdiger und das Münchner Olympiastadion Schauplatz eines epischen Stücks Sportgeschichte. Es war vermutlich der Sportmoment des Jahres, als Gina Lückenkemper nach 100 Metern ins Ziel stürzte und damit in diesem Wimpernschlagfinale mit 10,99 Sekunden zu Gold geflogen war. „Ich hatte überhaupt keine Ahnung bei der Ziellinie, wo ich gelegen habe“, erinnert sich Lückenkemper unlängst in einem RTL-Interview, wohl aber an ihre letzten Gedanken auf ihrem rasanten Weg zur europäischen Sprintkönigin: „Ich habe zwei Schritte vor der Ziellinie gemerkt: Du hast da eine 50:50-Chance, dass du dich auf die Nase legst. Da wusste ich schon, dass ich hinfallen werde.“ Und dann sei sie eben all-in gegangen. Eine goldrichtige Entscheidung.

Doch zunächst war Lückenkemper am Boden der Tartanbahn um Orientierung bemüht. Ihr ahnungsloser Blick auf die Anzeigetafel wurde aber alsbald vom ohrenbetäubenden Geschrei der deutschen Leichtathletik-Fans begleitet. Das Publikum sei komplett ausgerastet, für alle im Stadion sei klar gewesen, dass es eine Medaille ist, „nur für mich mal wieder nicht“, erzählt die Sportlerin des Jahres 2022 und lacht - so wie eigentlich immer, seit sie vor sechs Jahren in Amsterdam über 200 Meter mit EM-Bronze erstmals ins Rampenlicht der Öffentlichkeit gesprintet war. Zwei Jahre später gewann sie in Berlin EM-Silber über 100 Meter.

Vollgepumpt mit Adrenalin spürte Lückenkemper zunächst nicht, dass sie sich bei ihrem Zielsturz „übel verletzt“ hatte - mit ihren eigenen Spikes. „Ich hatte so viel Adrenalin im Körper nach diesem Finale, dass ich es erst gemerkt, habe als Blut am Schienbein heruntergelaufen ist – und ich mich gefragt habe: Warum fühlt sich das so nass an? Ich habe runtergeguckt und dann in mein Knie hineingeschaut und gedacht: ‚Oh, das sollte eigentlich nicht so sein.‘“ Im Krankenhaus wurde das aufgeschlitzte Bein noch am selben Abend mit acht Stichen genäht. Ein kleiner Schock am Ende eines großen Abends. Die bange Frage: Würde sie nun fünf Tage später für die Staffel ausfallen?

Vier Tage diskutierte Sport-Deutschland, ob es ihr gelingen mag. Und ja, zum Abschluss der Heim-EM führte sie als Schlussläuferin - mit viel schwarzem Tape an den Beinen - die deutsche Staffel nach dem Gewinn der Bronzemedaille bei der WM in Eugene nun zu EM-Gold in München.

Das darf nun auch so weitergehen. Ihr Ziel für 2023: „Schnell rennen!“ Noch schneller, noch erfolgreicher. Die Weltmeisterschaft in Budapest (19. - 27. August) ist für die in Florida trainierende Lückenkemper das große Saisonhighlight und die nächste Gelegenheit, ein weiteres episches Stück Sportgeschichte zu schreiben.

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