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GestillteSehnsucht

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Der deutschen Mannschaft fehlte die englische Sehnsucht nach genau diesem Sieg. Deren Freude darüber nach 25 Jahren des Wartens war mitreißend.

Vielleicht kann man das deutsche Aus im Wembley-Stadion ja auch von einer ganz anderen Seite betrachten. Nicht mit dem bösen Tunnelblick auf vermeintliches Komplettversagen von deutschem Trainer und Team, sondern mit der beschwingten Sicht auf die siegreichen Engländer. Deren Sehnsucht nach einem Triumph über Deutschland hätte nicht größer sein können. Sie hätte die englische Mannschaft auch erdrücken können, aber das ist nicht passiert.

Wer die kollektive Ekstase dieser mit Fußballkultur aufgepumpten Nation am Abend des 2:0 im EM-Achtelfinale gegen Deutschland vor Ort erlebt hat, der konnte sich mitfreuen mit begeisterten und entgeisterten Menschen. Das hatten die meisten England nicht zugetraut. Umso irrer gerieten die Jubelarien, umso enger die Verbrüderungsszenen, ganz so, als sei Corona im Land der aggressiven Variante schon so endgültig besiegt wie Deutschland im Fußball..

Diese Europameisterschaft hat sich zu einem Turnier entwickelt, in dem die Mannschaften sich durchsetzen konnten, die die größere Energie auf den Platz bekommen haben. Das ist den Engländern gegen zu verzagte Deutsche in der besonderen Atmosphäre von Wembley gelungen. Sie haben in den entscheidenden Momenten, als sie den Gegner ungeordnet antrafen, einen Instinkt und eine Wucht entwickelt, mit der das DFB-Team wie durch eine Planierraupe überrollt wurde.

25 Jahre nach dem demoralisierenden EM-Halbfinalaus im Elfmeterschießen gegen Deutschland an gleicher Stätte haben die beiden Tore in der Schlussphase zumindest für eine Nacht ein gespaltenes Land geeint. Die Power des Fußballs wirkt in dessen Mutterland England noch viel stärker als überall sonst auf der Welt.

Als Manuel Neuer vergeblich hechtete und Stürmer Raheem Sterling den Ball mit allem Willen eine Viertelstunde vor Schluss zum 1:0 ins Tor presste, brach es aus 40 000 Menschen im Stadion und Millionen in den Pubs und vor Großbildleinwänden heraus wie aus einer 25 Jahre lang kräftig geschüttelten Champagnerflasche, und kurz schien es, als würde das Monstrum Wembley wanken. Oder abheben in den Londoner Abendhimmel. Dieser kollektiven Kraft hatte Deutschland am letzten Abend von Joachim Löw in leitender DFB-Funktion nicht genug entgegenzusetzen.

Dazu fehlte es einer gemeinsam mit ihrem Trainer erschöpften Nationalmannschaft an Phantasie, Leidenschaft und Widerstandsfähigkeit. Dazu fehlte ihr die englische Sehnsucht auf einen epochalen Sieg nach einem Vierteljahrhundert des Wartens.

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