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Jung und frech: Ansu Fati (oben) jubelt nach einem Treffer mit Teamkollege Jean-Clair Todibo.

Jüngster Torschütze der Königsklasse

Ansu Fati: Gelebte Utopie

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Der 17-jährige Ansu Fati schreibt für den FC Barcelona beim 2:1-Sieg in Mailand Geschichte.

Alles begann in einer selbsterklärten kommunistischen Utopie. Einem Dorf im Schatten Sevillas mit 2800 Einwohner, die allesamt in identischen Häusern leben, selbst gebaut, und einem Bürgermeister, der Che Guevaras Grundsatz folgt: Nur diejenigen, die träumen, werden eines Tages erleben, wie ihre Träume wahr werden.

Ansu Fati war sechs Jahre alt, als er mit seinen Eltern und seinen beiden Brüdern nach Marinaleda kam, aus dem bettelarmen Guinea-Bissau, Westafrika. Jetzt ist er 17 Jahre alt und ein paar Tage, und seine Träume werden gerade sehr schnell außerordentlich wahr. Am Mittwochabend schoss Fati den 2:1-Siegtreffer für den FC Barcelona im Champions-League-Spiel bei Inter Mailand, er ist damit der jüngste Torschütze in der Geschichte des Wettbewerbs.

Ansu Fati: „Alles geschieht so schnell“

„Man denkt: Was habe ich da gerade getan?“, sagte er im Giuseppe-Meazza-Stadion. „Ich bin sehr glücklich. Alles geschieht so schnell.“

Der Titel „Jüngster Torschütze der Champions-League-Geschichte“ alleine taugt nicht als Versprechen für die Zukunft. Fatis Vorgänger, der Ghanaer Peter Ofori-Quaye, war ein Vierteljahr älter, als er 1997 für Olympiacos Piräus in der Königsklasse ein Tor schoss. Was folgte, war eine Karriere in den Untiefen des griechischen Profifußballs. Ansu Fati aber wird das eher nicht passieren. Er hat fraglos das Potenzial, irgendwann zu den ganz Großen des Weltfußballs zu gehören.

Ansu Fati: Von den Besten lernen

„Ich muss weiter hart arbeiten und von den Besten lernen“, sagte er in Mailand, und vorher hatte er gezeigt, was es heißt, wenn man vom Allerbesten lernt; sein Treffer, 86. Spielminute, fünf Minuten nach seiner Einwechselung, wirkte wie ausgeliehen von Lionel Messi. Doppelpass mit Luis Suarez im engsten Getümmel der Inter-Abwehr, dann ein klinischer Abschluss, ohne jede Abwehrchance für den Mailänder Torwart Samir Handanovic.

„Er ist ein geborener Torjäger“, sagt Barcelonas Trainer Ernesto Valverde. Bei Barça sind sie darauf Bedacht, das brillante Talent, das auch schon in der spanischen U21-Nationalmannschaft debütierte, vorsichtig an den Profifußball zu gewöhnen. Der Dribbler wird in der Liga nur dosiert eingesetzt, in neun Spielen gelangen Fati zwei Tore und eine Vorlage, und ein paar Mal ist er auch einfach ausgefallen. Der Grund: Wachstumsschmerzen.

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