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Ironman-Boss Stefan Petschnig. Foto.dpa

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Geld statt Gesundheit

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Ironman verschiebt 14 Rennen, darunter auch Frankfurt – dahinter steckt nur wenig Einsicht

Erst einmal virtuelle Wettkämpfe gründen, dafür namhafte Partner locken, sich dann den eigentlichen Rennen widmen: Unter diesem Motto ist Organisation Ironman verfahren, die in den vergangenen Tagen merkwürdige Prioritäten gesetzt hat. Die Sportwelt sagt Sommer-Ereignisse wie Fußball-Europameisterschaft, Wimbledon oder Olympische Spiele ab, nur Triathlon-Rennen der wichtigsten Dachmarke standen offiziell noch im Kalender, weil offenbar erst eine Ersatzbefriedigung in der digitalen Welt für die zahlungskräftige Triathlon-Kundschaft installiert werden sollte.

Am Montagabend wurde endlich verkündet, was unausweichlich war: Insgesamt 14 Rennen aus der Event-Serie in Europa und Südafrika aus dem Juni werden auf unbestimmte Zeit verschoben. Darunter befinden sich mit dem Ironman 70.3 im Kraichgau (7. Juni), dem Ironman Hamburg (21. Juni) und Ironman Frankfurt (28. Juni) drei deutsche Rennen.

Die Verschiebung der Europameisterschaft in der Mainmetropole war überfällig, nachdem auch Frankfurt-Begründer Kurt Denk in der FR laute Zweifel an einer Massenveranstaltung angemeldet hatte, der ein „reiner Durchlauferhitzer für Viren“ gewesen wäre.

Auch in einschlägigen Triathlon-Foren war die Kritik zuletzt schärfer artikuliert worden, schließlich erfordert die Strapaze über 3,8 Kilometer Radfahren, 180 Kilometer Radfahren in der Wetterau und 42 Kilometer Laufen am Mainufer ein monatelanges Vorbereitungsprogramm, das die meisten Altersklassenathleten zuletzt nur eingeschränkt absolvieren konnten. Der für Europa, den Nahen Osten und Afrika zuständige Stefan Petschnig hatte zuletzt in einer Video-Pressekonferenz erläutert, dass seine Organisation nicht alleine entscheiden könne.

Der Österreicher setzt für Frankfurt angeblich weiter auf eine Verschiebung in den September oder Oktober. Eigentlich ist in dieser Phase der für den 10. Oktober angesetzte Ironman Hawaii der eigentliche Höhepunkt aller Eisenmänner, von denen viele Ende Juni am Römer die WM-Qualifikation ergattern wollte. Sollte der Ironman Frankfurt tatsächlich im Herbst stattfinden können, wäre für einen Teil der 3000 Altersklassenathleten der eigentliche Teilnahmegrund obsolet.

Die haben jeweils 630 Euro Startgeld gezahlt. Damit vereinnahmt der Veranstalter 1,9 Millionen Euro, weitere 320 000 Euro Zuschuss kommen von der Stadt Frankfurt, 210 000 Euro vom Titelsponsor Mainova. Ironman teilte nur wenig Konkretes zu Ersatzterminen mit: „Wir haben die Anweisungen und Empfehlungen der Gesundheitsbehörden und der lokalen Behörden stets befolgt und werden diese auch weiterhin befolgen. Wir arbeiten unermüdlich daran, Ersatztermine und Optionen zu prüfen.“ Eine entsprechende FR-Anfrage für einen Ausweichtermin für Frankfurt blieb am Montagabend unbeantwortet. Alle Athleten würden 50 Tage vor ihrem geplanten Renntermin ein Update erhalten, hieß es in der Pressemitteilung nur allgemein.

Nach FR-Informationen stecken hinter dem Eiertanz handfeste wirtschaftliche Interessen: Nachdem der chinesische Konzern Wanda erst am 26. März die gesamte Ironman-Sparte an die US-amerikanischen Investorenfirmen Advance und Orkila für einen dreistelligen Millionenbetrag verkauft hat, fällt die Corona-Krise mitten in die Phase von Unterschrift (Signing) und Zahlung (Clearing). In diesem Zeitraum darf der Käufer den vereinbarten Kaufpreis noch senken, wenn sich der eigentliche Wert drastisch minimieren sollte – was jetzt durch die Pandemie passiert. Würden jetzt viele Rennen im Vorlauf absagt, hätte der alte Eigentümer deutlich weniger Werte in der Büchern stehen. Daher wird auch so ausdauernd das Thema der Rückerstattung der Startgelder umschifft.

Nachdem die Konkurrenzserie Challenge das ursprünglich für den 5. Juli geplante Highlight in Roth abgesagt hatte, wurde das Startgeld bis auf eine Bearbeitungsgebühr auf Wunsch zurückerstattet. Bei Ironman ist diese Option bislang nicht explizit vorgesehen. Petschnig sprach nebulös von „individuellen Regelungen“. An die Aktiven erging ein allgemeines Schreiben, in denen auf die Rückerstattung nicht eingegangen wurde. Und zum weiteren Vorgehen bei der Suche nach neuen Terminen hieß es lediglich: „Während dieses Prozesses gibt es viele Faktoren, die wir berücksichtigen müssen.“ Vor allem das Geld und längst nicht die Gesundheit scheint dabei entgegen allen Beteuerungen beim Ironman gerade oberste Prämisse.

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