In Elversberg durften sie noch mit den mitgereisten Fans jubeln: Die Spieler von Kickers Offenbach.
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In Elversberg durften sie noch mit den mitgereisten Fans jubeln: Die Spieler von Kickers Offenbach.

Kickers Offenbach

Geisterspiele bis Karfreitag

  • Timur Tinç
    vonTimur Tinç
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  • Christian Düncher
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Regionalligist Kickers Offenbach muss die nächsten Heimspiele ohne Zuschauer bestreiten. Der Hessische Fußball-Verband setzt den Spielbetrieb komplett aus.

Das Stadtoberhaupt und das Vereinsoberhaupt verstehen sich gut und telefonieren regelmäßig. Am Mittwoch allerdings hatte Offenbachs Oberbürgermeister Felix Schwenke für Kickers Offenbachs Präsidenten Joachim Wagner keine positive Nachricht parat. „Er hat ja öfter einen langen Arbeitstag und rief mich spät an“, berichtet der OFC-Boss, der darüber informiert wurde, dass wegen der Coronavirus-Pandemie bis Karfreitag in Offenbach keine Freiluftveranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern stattfinden dürfen. Für die Kickers bedeutet das, dass mindestens die Heimspiele gegen den FC Homburg (Samstag, 14 Uhr), den TSV Steinbach-Haiger (27.3.) und den FSV Frankfurt (4.4.) zu Geisterspielen werden. Die Bornheimer spielen am Samstag in Ulm ebenfalls vor leeren Zuschauerrängen.

Eine weitaus gravierendere Entscheidung traf der Hessische Fußball-Verband am Donnerstag. Der HFV entschied, den kompletten Spielbetrieb von der Hessenliga bis in die untersten Klassen bis Karfreitag ruhen zu lassen. „Der Hessische Fußball-Verband hat sich zu dieser drastischen Maßnahme entschieden, um konsequent im Sinne unserer gesellschaftlichen Verantwortung handeln“, sagte HFV-Präsident Stefan Reuß. Er hoffen, dass nach der genannten Zeitspanne die Saison mithilfe von Nachholspielen regulär zu Ende gebracht werden könne. Zahlreiche Vereine sagten bis auf Weiteres alle Trainingseinheiten ab und wiesen ihre Spieler an, daheim zu bleiben.

In Offenbach zeigte Wagner für die Entscheidung des OB grundsätzlich Verständnis. „Felix Schwenke musste eine Entscheidung treffen. Er steht in der Verantwortung und die Situation ändert sich jeden Tag massiv“, sagt der Vereinsboss, betont aber auch: „Für Regionalligisten ist so etwas hart. Und für uns ist es sogar sehr hart. Wir leben wie fast kein anderer Klub vom Support der Fans, die Heimspiele zu einem echten Vorteil machen. Diesem Vorteil wurden wir nun beraubt.“

Hinzu gesellen sich gravierende finanzielle Nachteile. „Zuschauereinnahmen sind für Regionalligisten extrem wichtig“, stellt Wagner klar. „Erst- und Zweitligisten erhalten hohe Fernsehgelder, wir nicht. Die Kosten laufen aber weiter.“ Auch für das Stadion. „Und die sind bei uns nicht die geringsten“, stellt Wagner klar. Die Miete muss beispielsweise auch bei einem Geisterspiel gezahlt werden. Und niemand weiß, wie lange dieser Zustand anhält. „Erst mal bis Karfreitag. Aber wie geht es danach weiter?“

Geisterkarten zum Verkauf?

Den Präsidenten beschäftigen aber noch andere Themen. So habe er zum Beispiel mit Blick auf die rund 3500 Dauerkarten-Inhaber „ein ungutes Gefühl. Denn wir haben etwas verkauft, was wir nicht bieten können“. Wagner geht jedoch davon aus, dass die Anhänger Verständnis für die Situation zeigen. „Unsere Fans sind intelligent und erkennen, welche Folgen Geisterspiele für uns haben. Ich glaube, dass wir von ihnen eine große Hilfsbereitschaft erwarten können.“ Zum Beispiel durch den Kauf von „Geisterkarten“ für die Geisterspiele? „Das fände ich toll. Wir haben beim OFC ja grundsätzlich eine große Solidarität“, so der Präsident. Davon, sich am Spieltag vor dem Stadion zu versammeln und von dort aus Stimmung zu machen, rät Wagner aber ab: „Das würde den Sinn verfehlen. Man sollte die Entscheidung akzeptieren. Es geht nicht um die jungen Leute, sondern um die alten und kranken.“

Dem Vereinsboss ist durchaus bewusst, dass die Hilfsbereitschaft der Anhänger wohl nicht genügen wird, um die finanziellen Ausfälle zu kompensieren. „Uns trifft es potenziell am härtesten“, sagt er. Zu möglichen Hilfsfonds (zum Beispiel vom DFB oder aus der Politik) wollte er sich nicht äußern: „Das wäre jetzt zu viel Aktionismus.“ Die Kickers werden die Angelegenheit jedoch juristisch prüfen lassen. „Der OFC hat ja nicht entschieden, dass ohne Zuschauer gespielt wird. Es wurde uns untersagt. Uns trifft da keine Schuld. Aber das ist ein sehr komplexes Thema“, erklärt Kickers-Geschäftsführer Thomas Sobotzik.

Die Ausnahmesituation hat dem 45-Jährigen aufs Gemüt geschlagen. „Ich bin mitgenommen. Es fällt mir schwer, mich aufs Wesentlich zu konzentrieren.“ Zumal die sportlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen „dramatisch“ seien, so Sobotzik. „Wir sind ein Verein, der von den Fans lebt, für die Fans arbeitet und von den Fans finanziert wird. Aber ich bin überzeugt, dass der Klub stark genug ist, das mit seinen Fans uns Partnern zu meistern.“

Bis auf die zwei Mannschaften und deren Betreuerstab dürfen „nur einige wenige Leute“ am Samstag gegen Homburg ins Stadion, darunter Klub-Offizielle wie Präsident und Geschäftsführer und vereinzelte Journalisten. Auch bei Angehörigen der Spieler gibt es keine Ausnahmen. Die Begegnung findet zudem ohne Balljungen statt.

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