Eine saubere Sache: Hygienetipps für die Spieler der Basketball-Bundesliga. dpa
+
Eine saubere Sache: Hygienetipps für die Spieler der Basketball-Bundesliga. dpa

Basketball

„Es geht weniger darum, wer Meister wird“

  • vonPatrick Reichelt
    schließen

Der einstige Meistercoach Dirk Bauermann spricht über das Finalturnier der Basketball-Bundesliga, Außenseiter und ein wichtiges Signal.

Dirk Bauermann (62) ist seit Februar Trainer des Basketball-Zweitligisten Seawolves Rostock. Gleichzeitig trainiert er die Nationalmannschaft Tunesiens. Bauermann gilt als einer der erfolgreichsten deutschen Basketballtrainer: Das deutsche Nationalteam um Dirk Nowitzki führte er 2005 zu EM-Silber, zwei Jahre später auf den fünften Platz. 

Als Chefcoach gewann er neun Meistertitel. Seine erfolgreichste Zeit hatte Bauermann in Leverkusen: Dort holte er zwischen 1990 und 1996 sieben Deutsche Meisterschaften, vier Pokalsiege und wurde zwei Mal als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Mit Bamberg wurde er 2005 und 2007 erneut Meister. Eine Station bei Bayern München endete 2012 in Streit mit Präsident Uli Hoeneß. 

Am Samstag beginnt in München das BBL-Finalturnier. Wäre man da als Trainer gerne dabei – oder ist man in der derzeitigen Situation ganz froh, nicht dabei zu sein?

Ich wäre da schon sehr gerne dabei. Ich glaube, das gilt für jeden Trainer. Kürzlich habe ich mit Denis Wucherer gesprochen (Trainer in Würzburg, Anm. d. Red.), der wäre unglaublich gerne dabei gewesen und dort hätte man das auch sehr verdient gehabt. Aber nein, ich finde dieses Turnier eine ganz wunderbare Idee. Die auch überzeugend umgesetzt ist. Toll, dass die BBL das mit München hinbekommen hat.

Sie wurden selbst neunmal Meister. Wie viel wird der Titel wert sein, der nun vergeben wird?

Naja, der hat diesmal sicher eine andere Wertigkeit, als eine Meisterschaft über 34 Spiele und die anschließenden Playoffs. Aber dieses Mal geht es sicher weniger darum, wer Meister wird als darum, dass die Sportart das hinbekommen hat, die Saison zu Ende zu bringen. Das ist ein Zeichen für eine funktionierende Liga. Auf jeden Fall ein Sieg für den Basketball.

Die Verantwortlichen hoffen ja darauf, dass das Turnier durch die Sonderstellung neben dem Fußball dem Basketball Schwung geben wird. Ist das realistisch?

Wie nachhaltig das sein wird, da muss man sicher abwarten. Ich für meinen Teil bin da eher skeptisch, denn da hat in der Vergangenheit auch manch ein erfolgreiches Turnier der Nationalmannschaft wenig ausrichten können. Natürlich ist es immer gut, in den Medien präsent zu sein. Und es ist sicher auch ein Signal an Sponsoren, die sehen, ‚Hey, der Basketball bekommt das hin‘. Aber dass es im größeren Stil nachwirkt – da bin ich eher skeptisch.

Was erwarten Sie sportlich?

Dirk Bauermann.

Es hat sich schon einiges bewegt. Bei Bayern sind Djedovic oder Monroe nicht dabei. Berlin ist vollzählig. Vechta kommt nur mit zehn Spielern. Dafür gab es einige Nachverpflichtungen aus der BBL oder dem europäischen Ausland. Dazu kommt, dass die Mannschaften unterschiedlich trainiert haben. Das ist schon eine andere Situation als noch vor einigen Wochen. Es ähnelt ein bisschen einer Mischung aus Playoffs und einem internationalen Turnier mit dem Leben im Hotel und dem sehr dichten Spielplan. Nur dass der Zeitraum noch etwas länger ist.

Gerade der Spielplan ist bei vielen Spielern im Vorfeld auf Skepsis gestoßen. Nachvollziehbar?

Das kann man absolut nachvollziehen. Die Belastung ist schon sehr hoch. Und da ist es auch ganz egal, wie jetzt trainiert wurde – Spiele sind immer etwas anderes. Natürlich kannst du dich auch in den Playoffs verletzen, aber die Verletzungsgefahr ist jetzt sicher noch höher. Zumal es praktisch keine Regeneration gibt. Umso wichtiger wird das Zeitmanagement der Trainer. Es macht unter den Umständen natürlich keinen Sinn, einen Spieler 35 Minuten reinzuwerfen. Da sind die Mannschaften mit tieferem Kader natürlich im Vorteil, ganz klar.

Ist das System auch eine Chance für Außenseiter?

Es ist bei so einem Turnier ja so, dass du nicht viele Chancen hast, in den Rhythmus zu finden. Wer gut startet und das Momentum findet, der kann sicher viel erreichen. Umso mehr in der besonderen Situation, dass es keinen wirklichen Heimvorteil gibt. Ludwigsburg wäre für mich so ein Geheimtipp, wenn man nach Kandidaten neben Bayern oder Berlin sucht.

Mit der aktuellen Meisterschaft jährt sich auch ihr erster Titelgewinn mit Bayer Leverkusen zum 30. Mal. Kommen die Bilder von damals zum Geburtstag wieder hoch?

Ganz klar. Ich war vor ein paar Tagen bei Otto Reintjes, unserem damaligen Manager. Da haben wir natürlich auch viel über damals gesprochen. Da kommen schon viele tolle Erinnrungen hoch.

Viele sprechen heute ja von einer neuen Zeitrechnung, etwa weil die Liga NBA-Profis anlockt. Sie standen schon vor 30 Jahren etwa knapp vor einer Verpflichtung von Steve Kerr, dem späteren Erfolgscoach der Golden State Warriors. Waren Sie Ihrer Zeit voraus?

Ach, Bayreuth etwa hatte damals auch eine sehr gute Mannschaft. Oder Berlin hatte in den Jahren, in denen sie dominant waren, eine tolle Mannschaft. Wir waren unserer Zeit ein bisschen voraus, weil wir mit anderen Inhalten gearbeitet haben. Weil wir anders gespielt haben, schneller gespielt haben. Klar, und wir hatten eine Mannschaft, die auch heutigen modernen Kriterien gerecht geworden wäre. Und nicht nur auf den Ausländerpositionen, von denen es damals ja nur zwei gab.

Kann man die Meister von damals mit denen von heute vergleichen?

Ich glaube, mit dieser Mannschaft, mit Leuten wie Christian Welp, Kannard oder John Johnson und all den anderen – wenn man die heute ins Rennen schicken würde, dann könnte man auch Bayern oder Berlin eine echte Aufgabe stellen.

Interview: Patrick Reichelt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare