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Allein in den Alpen: Stefan Luitz in Sölden.

Ski-Alpin-Auftakt in Sölden

Trauriges Idyll

Stefan Luitz rast beim Weltcup in Sölden auf einen recht enttäuschenden 14. Rang. Dabei hatte er sich zuvor ungewohnt forsch geäußert.

Ein wenig kam sich Wolfgang Maier beim alpinen Weltcup-Auftakt am Wochenende vor wie derzeit die Fußballtrainer bei den Spielen ihrer Mannschaft, „Jedes Wort hat man auf der Piste gehört“, sagte der Alpinchef des Deutschen Skiverbandes, „so wie zuletzt in den Fußballstadien.“ Das Klatschen nur handverlesenen Zuschauern auf der Tribüne klang fast etwas bizarr in der sonst beim Alpinstart mit 20 000 Zuschauern gefüllten Söldener Skiarena. Es sei schon „ein bisschen eine traurige Stimmung, wenn man weiß, was das hier immer für ein cooles Skifest war“, sagt Maier.

Stefan Luitz hat „dieses Drumherum“ bei diesem unter verschärften Corona-Auflagen stattfindenden Riesenslalom am Sonntag nicht interessiert. Sagt er zumindest. Allerdings vermittelte er gerade im ersten Durchgang den Eindruck, etwas gehemmt den Steilhang hinunterzucarven. Da habe er „einfach nicht die Lockerheit gefunden“, gibt er zu. Das gelang ihm im Finale besser, viel besser. „Da habe ich wieder versucht, normal Skizufahren“. Er verbesserte sich vom 22. auf den 14. Platz und landete damit direkt vor seinem Teamkollegen Alexander Schmid. Immerhin: so gut war Luitz noch nie gewesen auf dem Weltcup-Hang in Sölden.

Resultate jenseits der besten Zehn sind allerdings nicht der Anspruch von Luitz. In den Tagen vor dem Auftakt war der Allgäuer für seine Verhältnisse erstaunlich forsch aufgetreten und wirkte ziemlich entspannt. Die Aussage, er wolle wieder „ein bisschen die Drecksau sein“, fand er nach kurzer Überlegung fast wieder ein bisschen übertrieben. Damit sei ja nur sein Fahrstil gemeint, berichtigte er. Die Vorsicht des 28-Jährigen vom SC Bolsterlang ist auch mit Ereignissen in der Vergangenheit zu erklären, die nicht ohne Spuren blieben. Zwei Kreuzbandrisse, kuriose Pannen, die ihn schon in frühen Jahren den einen oder anderen Erfolg kosteten und dann zwar endlich in Beaver Creek ein Sieg, aber der wurde ihm erst einmal wieder entrissen, wegen einer Sauerstoffeinnahme, die der Weltverband FIS verboten hatte, die Welt-Antidopingagentur Wada hingegen nicht. Er erstritt sich den ersten Platz zurück vor Gericht am Ende jener Saison 2018/2019. Das das Hickhack hatte ihn sportlich jedoch bereits aus dem Tritt geraten.

Das, was Luitz früher zwar fehleranfällig aber eben doch auch schnell gemacht hatte, war weg. „Ein bisschen zäh“ sei es in der vergangene Saison gewesen, zumindest in seiner Paradedisziplin Riesenslalom. Der zweite Platz im Parallelrennen in Alta Badia war ein Ausreißer nach oben. Er habe gemerkt, er hatte diese Altlasten „doch noch nicht so verarbeitet, wie ich es gewollt hätte“. Am Ende des vergangenen Winters begann sich Luitz zu befreien, auch von der eigenen Erwartung, in die Fußstapfen von Felix Neureuther treten zu müssen. Die Plätze acht und neun in Hinterstoder und Garmisch-Partenkirchen „gingen in die richtige Richtung“, fand er.

In der Vorbereitung unternahm er wieder den Versuch, endgültig alles hinter sich zu lassen, arbeitete an einer frechen Linie, auch mit Hilfe des Super-G, bei dem es mehr noch als im Riesenslalom auf das richtige Timing am Schwungansatz an. Bei den paar Trainingstagen hat er Gefallen gefunden an der zweitschnellsten Disziplin – und will deshalb womöglich bei dem einen oder anderen Super-G-Rennen in diesen Winter starten. Vielleicht bleibt es aber doch beim Slalom als zweites Standbein. Bei Stefan Luitz ist eben immer noch viel in Bewegung.

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