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Gegen den alten Fluch

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Von: Katja Sturm

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Goldritt von Tokio: lJulia Krajewski. Foto: Imago images
Goldritt von Tokio: lJulia Krajewski. © Imago

Julia Krajewski kehrt mit Goldstute Amande beim Pfingst-Reitturnier in Wiesbaden in ihr Metier zurück.

Wer im Internet nach Julia Krajewski sucht, dem prangt es gleich entgegen: „Die erste Frau, die die Goldmedaille in der Vielseitigkeit bei Olympischen Spielen gewann“, heißt es auf der Website der Reiterin. Der heute 33-Jährigen war diese Besonderheit ihres Einzelsieges gar nicht bewusst gewesen, als sie in Tokio ganz oben stand. Später meinte sie, dieser Durchbruch einer Amazone im olympischen Dreikampf der Pferdesportler passe in die Zeit.

Zehn Monate sind seitdem vergangen. Amande de B’Neville, die Stute, mit der Krajewski dieses Kunststück gelang, hat seitdem keinen kompletten Mehrkampf mehr bestritten. An diesem Wochenende, beim Pfingstturnier in Wiesbaden, kehrt die Zwölfjährige in ihr Metier zurück. Gleich zum Auftakt des viertägigen Events, das in den vergangenen beiden Jahren erst der Corona-Pandemie und dann dem für die Pferde hochgefährlichen Herpes-Virus zum Opfer gefallen war, galoppieren die Allrounder an diesem Freitag zum ersten Akt ihrer Performance durch das Dressurviereck vor dem Biebricher Schloss.

„Viel und nichts“ habe sich verändert seit diesem Sommertag in Japan, sagt Krajewski. Einerseits erhalte sie mehr Aufmerksamkeit, habe mehr zu tun und werde von höheren Erwartungen begleitet. Doch ihr Tagesgeschäft und ihr Alltag in Warendorf, wo die Niedersächsin seit dem Abitur lebt, seien gleich geblieben. An den Sitz des nationalen Dachverbandes war Krajewski, die schon als Ponyreiterin mit neun oder zehn Jahren zur Vielseitigkeit fand, umgezogen, weil sie für sich, die nicht aus einer Reiterfamilie stammt, dort die besten Möglichkeiten sah, ihrer Leidenschaft nachzugehen. Parallel zu ihrer sportlichen Karriere studierte die Pferdewirtschaftsmeisterin an der Trainerakademie in Köln. Seit 2016 war sie Bundestrainerin für die Junioren, jetzt betreut sie unter dem neuen Chefcoach Peter Thomsen die U 25 der Buschreiter.

Obwohl Krajewski bereits 2010 ihr erstes Championat für Deutschland absolvierte, schien bei den Großereignissen lange ein Fluch auf ihr zu lasten. Bei den Spielen in Rio, wo sie erst vor Ort in die Equipe nachgerückt war, verweigerte ihr Wallach Samourai du Thot im Gelände dreimal, und das Paar schied aus. Bei den Europameisterschaften ein Jahr später in Polen wurde bei dem Pferd die verbotene Substanz Firocoxib nachgewiesen, wodurch das deutsche Team Silber verlor. Bei der WM 2018 in den USA kostete ein Vorbeiläufer mit ihrem damaligen Toppferd Chipmunk die Mannschaft Edelmetall.

Das jüngste Olympiajahr hatte tragisch angefangen: Krajewskis Vater starb. Samourai verlor durch einen Infekt ein Auge und musste in Rente gehen. Da Chipmunk an Nationalteamkollege Michael Jung verkauft war, rückte Amande in den Fokus. Die Stute sei damals keineswegs „aus dem Nichts gekommen“, flog für viele jedoch noch unter dem Radar. Die Ausbilderin spürte, dass ihre Begleiterin reif für die ganz großen Sprünge war. „Sie gibt immer 120 Prozent.“ Die Energie musste nur in die richtigen Bahnen gelenkt werden.

Aufgeben gilt nicht

Daran, dass sie irgendwann mal Glück haben würde bei einem Championat, zweifelte Krajewski nie. Zwischen den Höhepunkten lieferte sie Erfolge ab. Zu ihren Stärken gehört Beharrlichkeit. „Ich bin stur“, gibt die gebürtige Langenhagenerin zu. „Es liegt mir nicht aufzugeben.“

Nach Wiesbaden kehrt sie gerne zurück. Hier gewann sie 2015 mit Samourai ihre erste Drei-Sterne-Prüfung. Zudem ist die Vielseitigkeit unter dem Namen der Familie von Prof. Bernd Heicke ausgeschrieben. Dem Mitbesitzer der Stute würde ein weiterer Triumph der Frauen sicher gefallen.

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