Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Fritz Keller, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), am Freitag in der DFB-Zentrale.
+
Fritz Keller, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), am Freitag in der DFB-Zentrale.

Machtkampf

Gefährliche Selbstlähmung

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
    schließen
  • Frank Hellmann
    Frank Hellmann
    schließen

Die Pattsituation im DFB zwischen den Streithähnen Fritz Keller und Friedrich Curtius ist schädlich für den deutschen Fußball.

Es steht nicht gut um den deutschen Fußball. Zwar schaffen es die Profis, abgekoppelt von allen Inzidenzzahlen und Beschränkungen für die Bevölkerung, den Spielbetrieb weitgehend störungsfrei aufrechtzuerhalten, aber bei den Amateuren mehren sich die Nöte. Mehr als die Hälfte der Klubs fürchtet sich nach einer jüngsten Umfrage des Bayrischen Fußball-Verbandes vor nachhaltigen Schäden durch die Pandemie. Arbeit gäbe es also genug für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) als Dachverband für seine rund 25 000 Vereine, deshalb mutet es geradezu grotesk an, dass sich der größte deutsche Einzelsportverband auf höchster Ebene blockiert hat.

Zwischen Präsident Fritz Keller und Generalsekretär Friedrich Curtius ist nach der mehr als sechsstündigen DFB-Präsidiumssitzung am Freitag eine Pattsituation entstanden, die unweigerlich zu Lähmungserscheinungen führt. Dass die Streithähne „letztmalig“ einen Versuch unternehmen, gedeihlich miteinander auszukommen – oder wie es in der kurzen Pressemitteilung hieß, „Regeln und Rolle für eine künftige gemeinsame professionelle Zusammenarbeit zu diskutieren und festzulegen“ -, zeigt eigentlich nur, wie verfahren die Situation ist. Ein Waffenstillstand auf Zeit. Es ist schlicht nicht vorstellbar, dass der Bruch zwischen den zerstrittenen Charakteren wirklich zu kitten ist, zumal die Corona-Kontaktbeschränkungen eine persönliche Überzeugungsarbeit selbst im eigenen Hause erschweren.

Der mitunter hemdsärmelige Gastronom Keller, 63, konnte sich mit seiner Forderung nach einem Untersuchungsausschuss nicht durchsetzen, denn der gewiefte Jurist Curtius, 44, hat sich einmal mehr erfolgreich verteidigt. Wie die „Bild“-Zeitung berichtete, konnte kein Beweis für Kellers Hauptvorwurf erbracht werden: Dass der gut bezahlte und seit langem für die DFB-Granden tätige PR-Berater Kurt Diekmann über Curtius oder Vizepräsident Rainer Koch ausgewählten Medien brisante Interna zugespielt hat. Ohnehin hatte die Deutsche Fußball-Liga (DFL), die Curtius des mehrfachen Vertrauensbruchs zeihte, öffentlich nie konkret benannt, was genau die Kritikpunkte sind.

Der bestens vernetzte Koch, 62, stand zu Beginn von Kellers Amtszeit mitunter wie ein Aufpasser an der Seite des neuen Präsidenten, dann kam es auch zwischen diesen beiden Protagonisten wiederholt zu Reibereien. Der für die Amateure zuständige Vizepräsident und der Generalsekretär bilden längst die Gegenfront zum Verbandschef.

Dass die DFL entschieden hat, Curtius von allen Sitzungen auszusperren und dies - ein Schelm, wer Böses dabei denkt - genau einen Tag vor der brisanten Sitzung öffentlich machte, könnte Kellers Kontrahenten sogar geholfen haben. Denn nichts hassen manche DFB-Funktionäre mehr, als eine besserwisserisch wirkende Einmischung der DFL-Vertreter. Vielleicht hätte Curtius ohne diese Solidarisierungseffekte den Showdown nicht überstanden, doch Details des Sitzungsverlaufs gab der Verband nicht bekannt. So bleiben wichtige Fragen offen: Hat der von der DFL kritisch beäugte Kommunikationsberater sechsstellige Beträge für fragwürdige Dienstleistungen bekommen? Hat der Generalsekretär Kosten von 20 000 Euro verursacht, um seinen Eintrag im Online-Lexikon Wikipedia gut aussehen zu lassen?

Mit der Dauerfehde der wichtigsten Würdenträger werden auch die Trennlinien zwischen DFB und DFL wieder schärfer, nachdem sich beide Institutionen nach der vermasselten WM 2018 im Sinne des deutschen Fußballs zusammengerauft und über das „Projekt Zukunft“ einige gemeinsame Maßnahmen zur besseren Talentförderung angestoßen hatten. Die schwerwiegenden Dissonanzen auf höchster Ebene erzeugen ein Klima des Misstrauens. „Das Bild ist insgesamt nicht gut für den deutschen Fußball“, fasste Jörg Schmadtke, Geschäftsführer des VfL Wolfsburg, im ZDF-Sportstudio zusammen. „Der DFB spielt gerade eine sehr unglückliche Rolle. Aber der DFB ist auch ein schwieriges Konstrukt. Es gibt die Landesfürsten, es gibt die Nationalmannschaft.“ Da seien „sehr unterschiedliche Interessen“ unter einen Hut zu bringen.

Und dann sind da noch Spitzenfunktionäre, die ihr eigenes Süppchen kochen: Der bereits zwei Mal interimsweise mit Reinhard Rauball an der Verbandsspitze stehende Koch, der Mann der Amateure, möchte bald für weitere vier Jahre ins Uefa-Exekutivkomitee gewählt werden, worüber im April beim nächsten Kongress abgestimmt wird. Gleichzeitig will der Multifunktionär Peter Peters, ein Mann der Profis, für den Fifa-Rat kandidieren.

Zunächst holt den DFB noch einmal die unrühmliche Vergangenheit ein, wenn das Beratungsunternehmen Esecon Ende Januar die neuerlichen externen Ermittlungen zum Sommermärchen-Skandal vorstellt. Es wäre mittlerweile eine große Überraschung, sollte der Intrigenstadl im Frankfurter Stadtwald wirklich mal einen Sachverhalt aufklären. Dass Präsident Keller in diesem Zusammenhang die zentrale Figur des Sommermärchen-Skandals, Franz Beckenbauer, schon mal en passant vorab öffentlich aus der Schusslinie nahm, hat viele irritiert. Ebenso wie die Brutalität, mit der die Keller-DFL-Seite Curtius pünktlich zur Sitzung über geballte Medienpower aus dem Amt des Generalsekretärs drängen wollte. Aber Curtius sollte einer interessierten Öffentlichkeit schon noch erklären, was es mit den Vorwürfen auf sich hat. Die Messlatte liegt ein wenig höher als in der freien Wirtschaft. Der DFB ist schließlich ein gemeinnütziger Verband.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare