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Entsetzt: Barcelonas Mittelfeldspieler Riqui Puig.
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Entsetzt: Barcelonas Mittelfeldspieler Riqui Puig.

Niedergang eines Weltklubs

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  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Der nahezu bankrotte FC Barcelona steckt nicht erst nach dem Aus in der Königsklasse in der tiefsten Krise seit 20 Jahren.

Malik Tilmann ist bestimmt ein sehr talentierter Stürmer, ganz bestimmt, sonst ergattert man keinen Profivertrag beim glorreichen FC Bayern. Tilmann ist 19, er spielt seit 2015 bei den Münchnern, zuletzt in der vierten Liga, Bayern II, Regionalliga Süd, acht Einsätze bislang in dieser Runde, zwei Tore, gegen TSV Buchbach und Schweinfurt 05. Naja. Auffällig ist vielmehr: Der Junge, in Nürnberg geboren und fußballerisch geschult im NLZ der SpVgg Greuther Fürth, hat bislang mehr Einsätze in der Champions League auf dem schmalen Buckel als in der Bundesliga, dort spielte er bisher keine einzige Sekunde.

Am Mittwochabend wurde er eine Viertelstunde vor Schluss in der Königsklasse eingewechselt, Robert Lewandowski verließ für ihn den Platz. Der Gegner: FC Barcelona - oder was davon übrig geblieben ist.

Wenig mehr verdeutlicht den „Untergang“ (Marca) des einstmals strahlenden Weltklubs als dieser Wechsel. Die Partie war ja längst entschieden, Barca taumelte von einer Verlegenheit in die nächste, 0:3 stand es, das war das Gute aus Sicht der Spanier. Zuvor hatte Bayern-Trainer Julian Nagelsmann schon Tanguay Nianzou gebracht, Omar Richards, Bouna Sarr, Marc Roca, Spieler, deren Namen außerhalb des Weißwurstäquators kaum geläufig sind. Aber der Coach wollte etablierte Profis schonen, am Samstag gegen Mainz 05 werden sie mit Sicherheit mehr gefordert.

Es war ein Trauerspiel, was da zuschauerlos aufgeführt wurde in Fröttmaning. Und allen, die sich noch an das wunderschöne Barca-Tiki-Taka erinnern, diesem Gesamtkunstwerk an fußballerischer Qualität und perfekter Raumaufteilung, müssen die Tränen in die Augen schießen nach diesem saft- und kraftlosen Auftritt einer ehedem eine Ära prägende Mannschaft. Dieses Barca ist nur noch ein Spottbild seiner selbst, es wirkt wie eine alternde Diva, die nicht bemerkt hat, dass der Vorhang längst gefallen, die Vorstellung schon aus ist. Es war Thomas Müller, der als erster Deutscher sein 50. Tor in der Champions League erzielte, der, sicherlich ungewollt, das vernichtendste Urteil fällte: „Ich habe das Gefühl, dass sie die Intensität, die momentan im Fußball herrscht, einfach nicht mitgehen können.“ Der FC Barcelona als eine müde, ausgelaugte Alt-Herren-Mannschaft? Die fertig ist, abgewirtschaftet, von Fehlern der jüngeren Vergangenheit ausgehöhlt, inzwischen nicht mehr state of the art? Eine Mannschaft, die viele, viele Jahre in Europa Tempo und Rhythmus bestimmte, stilprägend war, ja Epochen begründete?

Wer den Trainer Xavi Hernandez an diesem tristen Abend im leeren Stadion im Schneeflockenregen gesehen hat, hilflos mit den Armen rudernd, noch kleiner als ohnehin wirkend, kann nur mit Mühe Hoffnung aufbringen auf eine schnelle Genesung. „Wir fange bei Null an“, stieß er dann mühsam hervor, als definitiv feststand, dass nach dieser 0:3-Niederlage der FC Barcelona das erste Mal seit langen 21 Jahren nicht mehr in der Champions League spielen darf, sondern „leider“ in der Europa League sein Glück versuchen muss. „Das ist nicht der richtige Ort für uns“, sagte der 41 Jahre alte einstige Weltklassespieler, vor vier Wochen aus Katar zu seinem Herzensklub als vermeintlicher Retter zurückgeholt. Doch, muss man hinzufügen, das ist genau der Ort, zu dem ein Team gehört, das in einer machbaren Gruppe mit Benfica Lissabon und Dynamo Kiew sieben Punkte geholt und ganze zwei (!) Tore erzielt hat. Tabellen lügen nicht, in Spanien belegen die Katalanen Platz sieben, bei erstaunlichen 16 Punkten Rückstand auf den Ersten Real Madrid. Selbst auf Torwart Marc-André ter Stegen ist kein Verlass mehr, das 0:2 durch einen Fernschuss von Leroy Sané ließ er lächerlich einfach passieren.

Natürlich hat der Niedergang Gründe: „Es ist“, wie „Mundo Deportivo“ titelte, „die Chronik eines angekündigten Todes“: Durch den Abgang von Lionel Messi und Antoine Griezmann fehlen 60 Tore, das Team hat einen umfänglichem Umbruch verpasst, dazu drücken unfassbare 1,35 Milliarden Euro Schulden. Das Aus in der Champions League kostet weitere 20 Millionen. Und es sind Managementfehler gemacht worden, Kapitän Sergio Busquets deutete dies an: „Um an so einen Punkt zu kommen, muss man viel falsch machen.“ Vermutlich meint er etwa auch den Verkauf von Superstar Neymar für 220 Millionen Euro. Dieses Geld wurde aber für Ousmane Dembelé und Couthino komplett aufgebraucht. 

Immerhin wird nichts beschönigt. „Es tut weh und verletzt unseren Stolz“, sagt Busquets, der mit Xavi noch die goldenen Zeiten erlebte. Vorbei. Barca liegt am Boden. Das ist die Realität.

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