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Vereint im Angriff, aber nicht in der Leistung: Leroy Sané, Serge Gnabry und Timo Werner (von links).
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Vereint im Angriff, aber nicht in der Leistung: Leroy Sané, Serge Gnabry und Timo Werner (von links). Imago Images

DFB-Team in der Offensive

Zwischen Lust und Frust

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Dem deutschen Hochgeschwindigkeitssturm Werner, Sané und Gnabry mangelt es mitunter an Spielintelligenz, Trainer Flick formuliert die Ansprüche klar.

Zwischen dem mit viel Anstrengung erlaufenen 2:1-Sieg gegen Rumänien am Freitag und der geplanten-WM-Qualifikation am Montag in Nordmazedonien (20.45 Uhr/RTL) mussten sich einige deutsche Fußball-Nationalspieler in ihrer Freizeitgestaltung im notorisch sonnigen Hamburg einschränken. Unangekündigte Dopingkontrolle im Hotel statt Kaffeetrinken in Ottensen.

Auch der Trainingsbetrieb wurde ein wenig gestört, da Stammtorwart Manuel Neuer mit Leistenbeschwerden noch unpässlich war. Schlecht für Neuer, gut für Daniel Heuer Fernandes. Der Zweitligakeeper des Hamburger SV durfte kurzfristig den deutschen Kapitän im Trainingsbetrieb der Besten des Landes ersetzen. Die Freude bei Heuer Fernandes war entsprechend groß.

Ein meinungsfreudiger Besucher der Partie im Hamburger Volksparkstadion hatte tags zuvor per Plakatwerbung kundgetan, dass er gern den vormaligen HSV-Mittelstürmer Simon Terodde, inzwischen Zweitliga-Rekordtorjäger bei Schalke 04, im Nationalteam begutachtet hätte. Der gute Mann musste sich mit Timo Werner, Leroy Sané, Serge Gnabry und später Thomas Müller zufriedengeben. Alle vier haben eine EM zum Vergessen erlebt.

Im neuen Deutschland unter Flick sind Sané, Gnabry und Müller wieder in die Spur gekommen. Timo Werner fahndet noch nach seiner Form. Er wurde nach 67 Minuten für den späteren Siegtorschützen Müller vom Feld geholt. Flick hatte am Freitag auf Nachfrage noch eine interessante Mischung aus öffentlich zurückhaltend formulierter Unterstützung und offenkundiger Kritik an Werner präsentiert. Der Bundestrainer rüffelte den Angreifer für dessen oft unergründliche Laufwege sehr konkret: „Er hat zu nah am Tor agiert. Das kann er besser machen, mehr abwarten und in den Ball reinstarten, das erwarten wir auch von ihm.“

Zwei Tage später, nach medialen Gewittern, die über Werner niedergegangen waren, garnierte Flick das Saure für den Sorgenmann mit Süßstoff. Er habe Werner „explizit vor der Mannschaft gelobt für sein Engagement“. Dass ein Fußballtrainer das öffentlich unterstreichen muss, zeigt, dass Flick sich um Werner sorgt. Dazu passt der Appell an die Medien, „unsere Nationalspieler mehr zu unterstützen“.

Wahr ist aber auch: Timo Werner muss also noch Grundzüge der Fußball-Arithmetik lernen. Das ist bemerkenswert. Denn der 25-Jährige ist ja kein Nachwuchsspieler mehr, sondern ein 53-Millionen-Euro-Mann des Champions League-Siegers FC Chelsea. Es ist bei Werner, der sonst ein kluger Mensch ist, auch eine Frage der Spielintelligenz.

Diese Spielintelligenz fordert Flick auch von Werners Mitspielern stärker ein: „Vorne vielleicht nochmal den Kopf hochnehmen, bevor ich den Pass spiele. Und auch den Rückraum sehen. Das sind die Dinge, die wir besser machen müssen.“ Es ist interessant, dass Flick derartige Einfachheiten in seine Mängelliste aufnehmen muss bei einem Team, das sich laut Neuer stark genug fühlt, Weltmeister 2022 zu werden.

Auch Leroy Sané dürfte sich von Flick angesprochen fühlen. Dem im Sommer bei der Europameisterschaft arg gescholtenen Münchner sind vermehrte Anstrengungen wahrlich nicht abzusprechen. Ständig bot er sich in der Tiefe an, ständig wagte er Dribblings, ständig setzte er bei Ballverlusten fleißig nach. Der hohe Aufwand brachte insgesamt zu wenig Ertrag, weil am Ende seiner Aktionen oft die Präzision fehlte oder eine falsche Entscheidung getroffen wurde. Dennoch ist bei Sané unübersehbar, dass er unter Flick einen Schub erfahren hat. Der Bundestrainer sieht den Linksfuß - anders als Vorgänger Joachim Löw - auf der linken Angriffsseite besser aufgehoben. Dort, wo Sané unter Pep Guardiola bei Manchester City im Meisterjahr 2017/18 so gut spielte, dass er zum besten Nachwuchsspieler der Premier League gewählt wurde. „Leroy kommt mit der ersten Ballberührung hinter die Abwehrreihe“, hat Flick erkannt.

Das ist auch eine Fähigkeit, die Rechtsaußen Gnabry auszeichnet, der im deutschen Hochgeschwindigkeitssturm derzeit die größte Torgefahr entwickelt. Gnabry, bei der EM wahrscheinlich der enttäuschendste aller deutschen Underperformer, ist schwungvoll in die neue Saison gestartet, sowohl im Klub als auch im Nationalteam. Der 26-Jährige führt das auch darauf zurück, dass er mit gut bekannten Trainern zusammenarbeitet (Bayern-Trainer Julian Nagelsmann coachte ihn schon vor vier Jahren in Hoffenheim, Flick zuletzt in München) und deshalb weiß, was von ihm gefordert wird. Zudem habe er es sich angewöhnt, nach dem Mannschaftstraining noch individuell Abschlüsse zu üben. Der gegen Rumänien am Freitag zum 1:1-Ausgleich war sehenswert in Technik, Präzision und Schusshärte. Auch Gnabry sah sich am Sonntag in der offiziellen Pressekonferenz veranlasst, Sturmpartner Werner beiseite zu kommen. „Wir stehen alle hinter ihm, und wenn ich ihn in der zweiten Halbzeit besser anspiele, macht er die Bude.“

Die machte dann erst eine Viertelstunde später Thomas Müller. Es war das erste Müller-Pflichtspieltor für Deutschland seit viereinhalb Jahren. Es war wichtig für Flick, weil er mit Müller den Sieg eingewechselt hatte. Es war wichtig für den Torschützen, weil er nach der missratenen EM als Joker funktioniert hatte. Es war wichtig für die WM-Qualifikation, weil drei Punkte Richtung Katar deuten, und es war wichtig für die Aussöhnung mit den Fans, die wieder zu Freunden des DFB-Teams werden sollen. In Hamburg blieb die Unterstützung nie aus. Das ist nach der am Ende bleiernen Zeit, ehe Flick übernehmen durfte, neu. „Wir sind ein geiler Haufen“, befand Müller, er habe „eine die Verbindung gespürt“ zwischen Tribüne und Spielfeld. Die Fans schenken der Mannschaft wieder mehr Geduld.

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