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Für die scheinbar Großen wie HSV, Stuttgart oder Hannover soll die Zweite Liga eigentlich nur ein eiskaltes Auffangbecken sein. Doch so einfach ist das nicht.

Zweite Fußball-Bundesliga

Eiskaltes Auffangbecken

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An diesem Freitag beginnt die Saison im Unterhaus, aus dem einige arg gerupfte Großstadtklubs so fix wie möglich wieder rauswollen. Der Kommentar zum Zweitligastart.

Freitagabend geht die neue Saison in der Zweiten Fußball-Bundesliga los. Damit sich niemand langweilt, hat die Deutsche Fußball-Liga die Partie der beiden gerupften Absteiger VfB Stuttgart und Hannover 96 an den Anfang gesetzt. Exklusiv allerdings nur im Bezahlsender Sky zu verfolgen, was bedauerlich ist, weil so statt der möglichen sechs, sieben, acht Millionen Leute nur eine besonders interessierte, zahlungskräftige Kundschaft live dabei ist. Dabei hätte das deutsche Fußball-Unterhaus einen Big Bang zum Auftakt ebenso verdient wie nötig. Die erste Liga macht es zwei Wochen später besser: Das Auftaktspiel der Bayern am 16. August gegen Hertha BSC zeigt neben dem neuen DAZN-Bundesligastream auch das ZDF im guten alten Fernsehen.

Die Fachpresse hat sich derweil bei den Trainern und Anhängern aller Zweitligisten umgehört, sowohl die Fußballlehrer als auch die Fans sind sich einig: Der VfB Stuttgart wird sich zurück ins Oberhaus kicken, auch dem Hamburger SV, Hannover 96 und dem 1. FC Nürnberg trauen viele viel zu. Wenn also alles so kommt wie erwartet, wird es ein Vierkampf um die drei Plätze, die direkt (eins und zwei) oder indirekt über die Relegation (Platz drei) in die höchste Spielklasse führen.

Stuttgart, HSV, Hannover, Nürnberg – diese Namen mit Strahlkraft aus Städten mit jeweils mehr als einer halben Million Einwohner hätten die Vermarkter der ersten Liga lieber bei sich als Union Berlin, Paderborn, den FC Augsburg oder Mainz 05. Aber diese relativ Kleinen haben zuletzt viel mehr richtig gemacht als diejenigen Scheinriesen, für die die zweite Liga bloß ein eiskaltes Auffangbecken sein soll, um sich danach eiligst zurück in die wärmeren Gefilde der deutschen Eliteklasse zu bewegen.

Sich dort dann aber wieder fest zu etablieren, ist ähnlich schwierig wie der Aufstieg an sich. Es ist ja kein Zufall, dass der VfB Stuttgart 2017 abgestiegen ist, Hannover 96 2016 und Nürnberg 2014. Klubs in dieser Größenordnung kostet ein Jahr zweite Liga inzwischen rund 50 Millionen Euro – so viel Geld verlieren sie an TV-Erträgen, Sponsoringgeldern, Merchandising und Spieltagseinnahmen. Entsprechend geschwächt kehren sie zurück in die erste Liga und laufen dort dann Gefahr, nicht stabil genug aufgestellt zu sein und prompt wieder nach unten durchgereicht zu werden. Wenn dieses Spielchen so einmal begonnen hat, hört es so schnell nicht wieder auf. Auch Großstadtklubs wie der 1. Köln oder Fortuna Düsseldorf haben das oft genug erlebt.

So kommt es, dass sich in den vergangenen zehn, elf Jahren lediglich Hoffenheim (Aufstieg 2008), Augsburg (2011) und Leipzig (2016) neu in der Bundesliga etabliert haben. Es ist sicher kein Zufall, dass dabei jeweils mehr (Hoffenheim, Leipzig) oder weniger (Augsburg) erhebliche Finanzspritzen eine entscheidende Rolle spielten. Alle anderen Neulinge wurden bald wieder zurück nach unten geschickt, weil sie sich als zu schwach auf der Brust erwiesen haben. 

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