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Hatten Antworten auf des Gegners Taktikkniffe: RB-Trainer Nagelsmann (li.) und Bayern-Coach Flick. 

Leipzig - Bayern

Zwei Tüftler an der Seitenlinie

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Bayern-Trainer Flick und Leipzig-Coach Nagelsmann probieren viel und erreichen wenig – das Unentschieden im Topspiel stimmt sie aber doch zufrieden.

Er hat es wieder getan: Der Leipziger Fußballlehrer Julian Nagelsmann stellte im Bundesliga-Topspiel mit ein paar personellen Verschiebungen den FC Bayern in der zweiten Hälfte vor große Probleme. Genau wie im Hinspiel in Leipzig. Auch hier dominierten die Münchner die ersten 45 Minuten fast nach Belieben, aber Nagelsmann veränderte nach der Pause seine Aufreihung der Mittelfeldzentrale und zog dem damaligen Bayern-Coach Niko Kovac damit den Zahn. Am Sonntagabend ein erstaunlich ähnliches Bild.

Formstarke Bayern drücken den Tabellenzweiten fast die gesamte erste Hälfte tief in die eigene Hälfte. Die Führung lag in der Luft – sie schien nur eine Frage der Zeit. Leipzig rettete sich jedoch ohne Gegentor in die Kabine und kam wie verwandelt wieder heraus. RB-Coach Nagelsmann setzte eine offensive Dreierkette auf die Bayern-Verteidiger im Spielaufbau an und schob seine Mannschaft weiter nach vorne. So bot er dem Rekordmeister zwar mehr Platz in der Offensive, durch das aggressivere Zweikampfverhalten seiner Spieler konnte die Mannschaft von Trainer Hansi Flick diesen Freiraum aber kaum noch nutzen.

Es wäre allerdings zu einfach, Nagelsmann als klaren Taktiksieger im Trainerduell beim 0:0 auszurufen. Auch Flick zeigte, dass er in der Lage ist, ein Spiel zu lesen und sofort zu reagieren. Anders als sein Vorgänger Kovac im Hinspiel. Kovac konnte beim 1:1 in Leipzig die Nagelsmann’sche Neuausrichtung in Halbzeit zwei nicht mehr kontern. Flick dagegen schon.

Als RB immer häufiger nach langen Bällen über die linke Bayern-Abwehrseite mit den sprintstarken Timo Werner und Christopher Nkunku durchkam, nahm Flick umgehend Jerome Boateng vom Platz und brachte dafür den wieder genesenen Lucas Hernandez als Linksverteidiger. Zudem beorderte er David Alaba auf die für ihn ungewohnte rechte Abwehrseite. Hier konnte der sprintstarke Österreicher die Leipziger Geschwindigkeitsüberfälle eindämmen. „Das ist mit Sicherheit nicht meine Lieblingsposition, war in diesem Moment aber wichtig, um der Mannschaft zu helfen“, kommentierte Alaba.

„Es bleibt spannend“

Taktiktüftler Nagelsmann gab indes nach dem Spiel zu, dass die vergangenen Wochen voller Rückschläge auch Spuren beim jüngsten Bundesligatrainer hinterlassen haben: „Geduld ist nicht meine größte Stärke. Wir haben herausragende Spiele gemacht. Dann hast du automatisch das Gefühl, das sollte so bleiben, und dann schwankt doch wieder alles. Auch ich muss lernen, damit umzugehen“, sagte der 32-Jährige zu seiner persönlichen Lernkurve nach Pokalaus und Ligapleiten.

Gegenüber Flick lies bei seiner Analyse durchblicken, dass er im Spitzenspiel nicht alles auf eine Karte setzen wollte, sondern durch den Spielverlauf lieber den einen Punkt mitgenommen hat und damit Platz eins verteidigen konnte: „Wir wissen, dass es noch ein harter Weg ist. Es sind noch 13 Spieltage. Das ist doch das, was alle wollen. Es bleibt spannend. Dortmund hat hervorragend gespielt, aber den Sack nicht zugemacht. Sie hätten gewinnen müssen.“

Ein böses Erwachen wie der Herausforderer aus Dortmund in Leverkusen wollte der Bayern-Trainer unter allen Umständen verhindern. So endete auch das Duell Flick gegen Nagelsmann unentschieden.

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