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Mag nichts vom Kuchen abgeben: Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge.

Kommentar

Zwei harte Hunde

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Die Alphatiere Rummenigge und Watzke sind sich einig, dass sie sich der Forderung nach einer gleichmäßigeren Verteilung der TV-Gelder mit Vehemenz entgegenstellen werden. Ein Kommentar.

Sie sind nicht immer pfleglich miteinander umgegangen, die Herren Aki Watzke (Dortmund) und Kalle Rummenigge (München). Ein Beispiel: Beim BVB war man hochgradig verstimmt, als die Bayern den Borussen Mario Götze wegschnappten und dabei noch so unfreundlich waren, den bevorstehenden Wechsel unmittelbar vorm Dortmunder Champions League-Halbfinale gegen Real Madrid bekanntzugeben.

Die Eiszeit ist längst vorbei. Dieser Tage verstanden sich die beiden Alphatiere im gemeinsamen digitalen „Sportbild“-Interview vor dem Gipfeltreffen am Samstagabend allerbestens. Eine Quintessenz des interessanten Gesprächs: Man sei nicht weit weg von einer echten Männerfreundschaft. Eine weitere: Die Fast-Männerfreunde sind sich einig, dass sie sich der Forderung weniger gut betuchter Klubs und führender Fangruppen nach einer gleichmäßigeren Verteilung der TV-Gelder mit Vehemenz entgegenstellen werden. „Absolut inakzeptabel“ bellt Rummenigge, „hier wedelt der Schwanz mit dem Hund.“ Watzke wufft: „Wenn man versucht, die Zugpferde der Liga zu schwächen, dann schwächt man die ganze Liga,“

Der Verteilungskampf der beiden harten Hunde, noch unterstützt von ein paar Doggen aus den Top sechs, sieben oder acht der Liga, gegen die lange brav bei Fuß gelaufenen Dackel aus der letzten Reihe ist bereits im vollen Gange. Noch in diesem Jahr soll eine Einigung her, die Beißhemmung ist geringer als bei ähnlichen Debatten der Vergangenheit. Auch deshalb, weil die Corona-Pandemie den Knochen, um im Hundebild zu bleiben, so ungeniert abgenagt hat. Die finanziellen Sorgen sind nicht nur bei Mainz 05 und Eintracht Frankfurt, sondern selbst bei Bayern und Borussen riesengroß. Und zwar weitgehend unverschuldet durch das Virus. Das macht den Verteilungsstreit um rund 1,3 Milliarden Euro pro Saison so unerbittlich wie nie zuvor. Denn es geht ja nicht um das jahrzehntelang gewohnte Mehr in den Fleischnäpfen, sondern bloß noch um einen Hundekuchen mit Geschmacksverdünner.

Hinzu kommt, dass dieser Kampf vor den Augen einer Öffentlichkeit ausgetragen wird, die die Beißreflexe der Branche zunehmend weniger versteht und außerdem vor sehr gut informierten Fanvertretern, die die Mechanismen des Hundekampfs durchschauen und der Rottweiler-Kultur keinen Welpenschutz mehr schenken. Die Angelegenheit wird garantiert kein Leckerli.

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