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Zwei auf der Kippe

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Von: Jan Christian Müller

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Gescheitert, nach weniger als einem Jahr: Donata Hopfen. Foto: dpa
Gescheitert, nach weniger als einem Jahr: Donata Hopfen. Foto: dpa © dpa

In dieser Woche stellt der deutsche Fußball personelle Weichen. Und das Machtzentrum befindet sich nicht mehr in Frankfurt, sondern in Dortmund. Ein Kommentar.

Es steht gerade nicht gut um den deutschen Fußball. Die große Geschichte ist jene, die in der Wüste Katars vor den Augen der Weltöffentlichkeit begann und am Mittwoch in Deutschland hinter verschlossenen Türen fortgesetzt wird. Es geht in einer Vier-Männer-Runde um die Zukunft der Nationalmannschaft. Es geht darum, herauszufinden, ob der Deutsche Fußball-Bund sein Eliteteam nach 18 Jahren an führender Position noch von Oliver Bierhoff gemanagt wissen will und nach 18 Monaten im Amt noch von Hansi Flick. Beide sehen sich durch ihre Performance bei der WM und durch die fordernde Worte ihres Präsidenten in die Defensive gedrängt. Aber sie haben immerhin noch die Chance – Flick viel mehr als Bierhoff – sich klug aus der Abwehr herauszuspielen.

Liga-Aufsichtsratsboss Hans-Joachim Watzke wird darüber noch mehr als Verbandschef Bernd Neuendorf wachen, ehe am Freitag in einer Präsidiumssitzung über deren Urteil beraten wird. Tendenz: Es wird eng für Bierhoff. Dem Geschäftsführer mit Vertrag bis 2024 könnte nahegelegt werden, sich weiterhin um die strategischen Linien in der neuen Akademie zu kümmern, aber das Management der Nationalmannschaft an jemand anders zu übertragen. Auch als Zeichen dafür, dass er die politische Verantwortung für das Darben des vormaligen Aushängeschilds des deutschen Fußballs übernimmt.

Das wäre, nüchtern betrachtet, ein nachvollziehbarer Schritt. Aber würde Bierhoff diesen Gesichtsverlust so akzeptieren? Wohl kaum! Wird Watzke ein „Weiter-So“ genehmigen? Nahezu unvorstellbar! Deshalb spricht viel für eine Trennung. Das könnte auch bedeuten, dass Bierhoffs Akademieleiter Tobias Haupt keine Zukunft mehr im Verband hätte.

Hopfen blieb fremd

Die kleine Geschichte hinter der großen Geschichte ist in Wahrheit die viel gewichtigere. Es geht dabei nicht nur um eine Mannschaft, die alle paar Jahre Bedeutung erlangt und viel von ihrer gesellschaftlichen Anerkennung verloren hat. Sondern um die ganze Bundesliga, um 36 Klubs der ersten und zweiten Spielklasse, um vier bis fünf Milliarden Euro Umsatz pro Saison.

Es steht zu erwarten, dass noch in dieser Woche nicht nur die höchstrangige operative DFB-Führungskraft Bierhoff geht, sondern auch die Chefin der Deutschen Fußball-Liga ihren Schreibtisch räumen muss. Nach weniger als einem Jahr im Job. Der DFL-Aufsichtsrat tagt ebenfalls Mittwoch.

An dessen Vorsitzendem Watzke – vor dreieinhalb Jahren noch entnervt vorzeitig von der Ligaversammlung aus Berlin abgereist, weil ihm ein Sitz im Präsidium verwehrt blieb – geht keine große Entscheidung mehr vorbei. Das Epizentrum des deutschen Fußballs sitzt nicht mehr in München oder Frankfurt, sondern in Dortmund.

Die vormalige Springer-Frau Donata Hopfen wurde noch von Watzkes Vorgänger Peter Peters rekrutiert. Das ist jener Mann, der in diesen Wochen als Fifa-Regierungsmitglied auf den weichen Sesseln zwischen den Scheichs hockt. Das Verhältnis zum DFB und dessen Präsidenten Neuendorf, dem Peters im März in einer Kampfabstimmung unterlag, könnte schlechter kaum sein.

Alphatier Watzke, 63, stellte bald fest, dass die Neue der großen Aufgabe als Nachfolgerin von Christian Seifert nicht gewachsen ist. Ihr erstes großes Interview geriet zur Peinlichkeit, als die 46-Jährige einen Bundesliga-Supercup in Saudi-Arabien nicht von vorne herein ausschloss. Watzke musste da schon Scherben zusammenkehren. Ihr Verhältnis zu Mitarbeitenden und Medien begann verkrampft und blieb verkrampft, Führungskräfte verließen die DFL, es mangelt der Digitalexpertin an Fußballkompetenz, eine Kommunikationsstrategie ist nicht erkennbar. Sie schien sich fremd zu fühlen im Männerbund, dem auch sie fremdblieb. Ihr WM-Besuch in Katar: kurz und nahezu geheim. Die dürre Botschaft: Der Sport müsse im Mittelpunkt stehen.

In die Gespräche mit Flick und Bierhoff wurde sie schon nicht mehr eingebunden. Die Personalie ist längst zum beidseitigen Missverständnis geworden. Hopfen hinterlässt keine Lücke. Einer notwendigen Entwicklung von Frauen in Führungspositionen des deutschen Fußballs hat ihre bald verkürzte Amtsperiode einen Bärendienst erwiesen.

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