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Von: Jana Ballweber

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Fußballtraining für die Kleinen. Foto: Michael Schick
Fußballtraining für die Kleinen. Foto: Michael Schick © Michael Schick

Der DFB reformiert den Kinderfußball, macht das Tor und Mannschaften kleiner und hofft auf mehr Mädchen.

Noch sind nicht alle ganz sattelfest, was die neuen Regeln angeht. Denn plötzlich steht einer zu viel auf dem Spielfeld. Drei gegen drei sollte es eigentlich heißen. Es dauert eine Weile, bis die vier F-Jugendkicker der SG Oberliederbach ausbaldowert haben, wer erstmal am Spielfeldrand Platz nehmen soll. Ein enttäuschtes Gesicht, die drei anderen legen los.

Situationen wie diese beim Kinderfußballfestival auf dem DFB-Campus sollen die neuen Spielformen im Kinderfußball eigentlich verhindern. Ab 2024 sollen sie verpflichtend für alle Landesverbände gelten. Kleinere Mannschaften, kleinere Spielfelder, kleinere Tore. Das Ziel: „Mehr von allem, was den Fußball auszeichnet“, hofft Meikel Schönweitz, Cheftrainer der U-Nationalmannschaften beim DFB. „Wenn die Kinder in der F-Jugend schon sieben gegen sieben spielen, teilt sich der Ball unter 14 Kindern auf. Jeder hat nur wenige Ballkontakte. Außerdem sitzt die Hälfte der Kinder einen Großteil der Zeit auf der Bank und kommt kaum zum Zug.“

Das soll sich mit den neuen Regeln ändern. Bis zur F-Jugend spielen maximal drei Kinder in einer Mannschaft. Einen Torwart gibt es nicht, genauso wenig wie einen Schiedsrichter. Die Tore werden deutlich kleiner, dafür gibt es bis zu vier davon auf dem Spielfeld. Statt in einer Meisterschaftsrunde messen sich die Nachwuchskicker in kleineren Teams bei Spielenachmittagen und Fußballfestivals, bei denen es zwar auch um Siege geht, aber der Spaß im Vordergrund stehen soll.

Was sagen die Experten dazu? Jonte ist acht Jahre alt und will später mal Torwart werden. Dass er das nach den neuen Regeln noch nicht kann, findet er doof. Aber weil er Tore schießen eigentlich auch ganz gut findet, freut er sich, dass es mit weniger Kindern jetzt mehr Platz auf dem Feld gibt und die kleinen Tore ihn zwingen, besser zu zielen.

Lange muss Jonte auch nicht mehr warten, bis er seinen Platz im Tor einnehmen kann. Denn Spielfelder, Mannschaftsgrößen und Tore sollen mit den Kindern gemeinsam wachsen. Schon ab der E-Jugend kann auf die größeren Tore gespielt werden und ein Torwart zwischen den Pfosten stehen.

Sorgen, dass die Nachwuchsförderung im deutschen Fußball unter den neuen Spielformen leidet, macht man sich beim DFB nicht. Im Gegenteil: „Die Kinder lernen so die Basis des Fußballs viel besser. Sie gehen viel mehr ins Eins-gegen-Eins, das Spiel ist weniger gesteuert und die Spieler treffen mehr eigene Entscheidungen“, freut sich U21-Nationalcoach Antonio di Salvo.

Viele Eltern hätten Sorgen, weil es eine andere Art von Fußball sei, die ihre Kinder künftig spielen sollen. „Aber wenn wir mal ehrlich sind, haben wir früher auf der Straße um die Ecke gespielt, das Tor markierten zwei Schulranzen. Mit der Reform bringen wir die Ungezwungenheit des Bolzplatzes ein Stück weit zurück“, sagt Nachwuchstrainer Schönweitz.

Der DFB verbindet mit der Reform einen weiteren Wunsch. „Wir hoffen, dass mit den neuen Spielformen die Hemmschwelle für Mädchen sinkt, mit dem Fußball anzufangen“, sagt Lena Lotzen, ehemalige Nationalspielerin und Co-Trainerin der U16-Nationalmannschaft. „Die Mädchen können so den Fußball von klein auf lieben lernen, ohne frustriert auf der Bank sitzen zu müssen, während die Jungs auf dem Platz stehen.“ Die Hoffnung: Mädchen bleiben eher am Ball, spielen länger mit den Jungs zusammen und werden selbstbewusster auf dem Platz.

Ob der Plan aufgeht, kann nur die Zukunft zeigen. Denn beim Kinderfußballfestival des DFB war noch kein einziges Mädchen auf dem Platz zu finden.

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