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Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg hält nichts von rigoroser Abschottung.

Deutsches WM-Team

Zurück in den Kampf

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Die DFB-Fußballerinnen entspannen sich in Montpellier, wollen aber alles für den Gruppensieg tun.

Am Wochenende sind von der deutschen Frauen-Nationalmannschaft viele schöne Bilder entstanden, die in jedes Urlaubsalbum passen würden. Vom Spaziergang durch die Altstadt von Montpellier, einem Essen im Feinschmeckerrestaurant oder beim Besuch des Badeortes La Grande-Motte. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg hält nichts von rigoroser Abschottung; auch wenn gerade eine WM gespielt wird, sollen ihre Akteure schon mitbekommen, was ein Spielort an Vorzügen zu bieten hat. Gerade wenn er unweit vom Mittelmeer liegt. Doch niemand solle bitte aus diesen Impressionen, bereitwillig in den sozialen Netzwerken ausgestellt, für das dritte Gruppenspiel gegen Südafrika (Montag 18 Uhr/ARD) die falschen Schlüsse ableiten.

„Wir haben das gemacht, nachdem wir auf dem Trainingsplatz gepowert haben. Wir können beides.“ Es sei nun einmal wunderschön in Montpellier und Umgebung, „das wollen wir positiv für uns nutzen.“ Entscheidend sei die Balance: „Wir haben den Kopf freibekommen, aber ich habe keine Sorgen, dass die Spielerinnen nicht wissen, was gegen Südafrika auf uns zukommt.“ Ein Gegner, der zunächst einmal wieder mit seiner Körperlichkeit beeindrucken wird. Ergo müssen die DFB-Frauen wieder vom Entspannungs- in den „Kampfmodus“ schalten, wie die Trainerin die Haltung beschrieb, die im Stade de la Mosson gefragt sein wird.

Dass in der Heimat vermutlich wieder mehr als sechs Millionen Menschen den Fernseher einschalten, findet Voss-Tecklenburg „toll für den Frauenfußball, wir können uns positiv darstellen“. Einerseits. Andererseits „löst das auch ein bisschen Druck aus“, sagte die 51-Jährige, die aus ihrer Erfahrung als Trainerin und Spielerin das „besser beiseite schieben“ kann als ihr Team. „Die WM löst etwas aus, wir spüren, dass viele Spielerinnen, auch von den älteren, das erste Mal dabei sind.“ Ein Thema, dem sich die für die Öffentlichkeit nur beim Torwarttraining sichtbare Teampsychologin Birgit Prinz hinter den Kulissen annehmen dürfte.

Der fußballerische Steigerungsbedarf ist trotz der vorzeitigen Qualifikation nach den zähen Auftaktsiegen gegen China und Spanien (je 1:0) fürs Achtelfinale unbestritten. „Wir sind selbst noch nicht zufrieden. Wir machen uns den Druck selbst, um den Frauenfußball besser zu repräsentieren“, hat Torhüterin Almuth Schult am Samstag gesagt. Die 28-Jährige sparte sich auch den Strandausflug, um statt dessen auf dem Trainingsplatz mit Torwarttrainer Michael Fuchs noch eine Zusatzschicht einzulegen. Sich den Gruppensieg mit einem Remis oder Sieg zu sichern, wäre auch beim Blick aufs Turniertableau sehr wichtig. Sollten Weltmeister USA und Gastgeber Frankreich sich nämlich als Gruppenerste durchsetzen, würden sich zwei Favoriten bereits im Viertelfinale duellieren – Deutschland wäre demnach in der anderen Turnierhälfte.

Schult hat vor vier Jahren in Kanada immer wieder alle möglichen Konstellationen durchgerechnet, bis ihre damalige Zimmerpartnerin Tabea Kemme irgendwann genervt aufbegehrte: Man sei schließlich nicht auf einer Mathe-Olympiade. „Almuth hatte deshalb jetzt ja auch ein Einzelzimmer“, verriet Mittelfeldspielerin Linda Dallmann und sorgte damit am Sonntag für den Lacher auf der Pressekonferenz.

Zum Spiel gegen Südafrika

Südafrika: Swart – Ramalepe, Van Wyk, Matlou, Holweni – Mbane - Kgatlana, Makhabane, Biyana, Jane – Fulutudilu

Deutschland: Schult (VfL Wolfsburg) – Maier (FC Bayern München), Hegering (SGS Essen), Elsig (Turbine Potsdam), Simon (Olympique Lyon) – Goeßling (VfL Wolfsburg, Leupolz (FC Bayern München) – Dallmann (SGS Essen), Magull (Bayern München), Knaak (SGS Essen) – Schüller (SGS Essen)

Schiedsrichterin: Braz (Portugal)

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