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Nationalmannschaft

Jogi Löw zurück auf Los: Thomas Müller und Mats Hummels fahren mit dem DFB zur EM 2021

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Der Umbruch hat nicht so funktioniert wie erhofft, einige Kandidaten stagnierten - so ist Joachim Löws Rückgriff auf die einst aussortierten Routiniers nur nachvollziehbar. Ein Kommentar.

Frankfurt am Main - Damals, in einer längst vergangenen Zeit, schlichen zwei Männer wie Strauchdiebe die Säbener Straße in München entlang, die sich sichtbar unwohl fühlten - wenn sie denn da schon gesichtet worden wären. Heimlich gelangten Joachim Löw und Oliver Bierhoff Anfang März 2019 zum Eingangsportal des FC Bayern. Als sie wieder herauskamen, sollten Mats Hummels, Thomas Müller und Jerome Boateng für alle Zeiten Ex-Nationalspieler gewesen sein. Löw ging „all in“ - und verlor. Er hat mit einem Blatt ohne Könige lange durchgehalten, er spielte die Bauern aus, aber die stachen nicht.

Am Mittwoch beugte sich der geläuterte DFB-Bundestrainer der Macht des Faktischen, dem Postulat der Leistung und dem Druck des Fußballlandes und manövrierte zwei der drei Verstoßenen zurück in seine Obhut.

Kader für die EM: Joachim Löw rudert zurück ohne sein Gesicht zu verlieren

Das konnte er ohne großartigen Gesichtsverlust auch deshalb tun, weil der nach der EM 2021 scheidender Bundes-Jogi keine strategischen Aufgaben mehr zu erfüllen hat, sondern nur noch operativ zu denken braucht. Ursprünglich war der Plan gewesen, bei einer für den vergangenen Sommer geplanten Europameisterschaft möglichst viele Spieler zu entwickeln, die bei der Weltmeisterschaft im Herbst 2022 in Katar von den Erfahrungen der EM profitieren und Weltmeister werden sollten. Ganz oben in der Hierarchie angesiedelte Alphatiere wie Müller, 31, und Hummels, 32, wären dabei hinderlich gewesen, fürchtete Löw, sie hätten auch abseits des Fußballplatzes sehr viel Raum eingenommen. Löw und Bierhoff wollten Männern wie Süle, Rüdiger, Ginter, Tah, Koch, Brandt, Sané, Gnabry, Goretzka, Havertz, Werner genau diesen Raum schenken, um in Führungsaufgaben hineinzuwachsen.

Jogi Löw hat nominiert

Der DFB-Kader: Alle Spieler für die EM 2021 im Überblick.

Das hat nicht so funktioniert wie erhofft, einige Kandidaten stagnierten und erwiesen sich Drucksituationen nicht gewachsen, sie haben den Vertrauensvorschuss, der ihnen eingeräumt wurde, nicht zurückgeben können, andernfalls wären Spiele gegen Spanien nicht 0:6 und gegen Nordmazedonien - die noch größere Blamage - nicht 1:2 verloren gegangen.

Jogi Löw nimmt Müller und Hummels nun doch mit zur EM 2021

Hinzu kam, dass die vor zwei Jahren im Leistungsloch festhängenden Müller und Hummels sich auf ihre schon ziemlich alten Tage noch einmal erstaunlich stabil auf ihr vormaliges internationales Topniveau zurückentwickelt haben. Das war ihnen in dieser Eindrücklichkeit nicht unbedingt zugetraut worden, Jerome Boateng könnte man dabei durchaus miteinbeziehen. Seine Verletzungsanfälligkeit lässt jedoch geringere Aussichten zu, dass der 32-Jährige noch eine volle EM-Endrunde durchhalten kann.

Wieder zurück im Nationaltrikot: Mats Hummels.

Es wird bei der EM spannend zu beobachten, wie sich das alte, neue Zusammensein zurechtruckelt. Bei der debakulösen WM in Russland waren die erfolgshemmenden Risse in der Gemeinschaft auch deshalb zustandegekommen, weil Jung und Alt nicht harmonierten, nachdem die Platzhirsche Leistung schuldig blieben. Das sollten sie drei Jahre später tunlichst besser machen. Denn die, die sie verdrängen, werden das nicht gutgelaunt zur Kenntnis nehmen. (Jan-Christian Müller)

Rubriklistenbild: © dpa

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