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Das Meisterrennen zwischen Borussia Dortmund und Bayern München in der Bundesliga ist genullt. Unser Kommentar.

Das Meisterrennen der Fußball-Bundesliga hat spürbar Fahrt aufgenommen am vergangenen Wochenende, aber so ganz verstanden hat man die neue Dynamik noch nicht. Fakt ist: Der FC Bayern ist Tabellenführer, erstmals seit dem 25. September 2018 (5. Spieltag), weil Borussia Dortmund erfolgreich einen Neun-Punkte-Vorsprung verschlampt hat.

Das hört sich vordergründig nach einer klaren Sache an, denn wer würde sich dem Rekordmeister in den Weg stellen können, wenn er einmal so ins Rollen geraten ist. Der BVB etwa? Diese schüchterne Schülertruppe mit all den hühnerbrüstigen Teenies, mit Sancho, Pulisic, Hakimi und wie sie nicht alle heißen? Zerbrechliche Figuren, als hätte Marco Reus für einen Scherenschnitt Modell gestanden: Wenn’s hart auf hart kommt, reißt eine Muskelfaser oder gleich, noch schlimmer, alle Nerven. Wer den Rechtsverteidiger Achraf Hakimi neulich im Champions-League-Spiel bei den Tottenham Hotspur sah (0:3), wird es so schnell nicht vergessen; der junge Marokkaner, 20, machte falsch, was er falsch machen konnte und noch ein bisschen mehr.

Und so einer soll die Bayern aufhalten, das schmatzende, geifernde, walzende Titelmonster von der Säbener Straße? Ok.

Meisterkampf ist genullt

Ja, das Wochenende hat etwas verändert, aber wer einen zweiten Blick wagt, darf Hoffnung haben, für ein spannendes Meisterrennen und für den BVB. Fast erleichtert schien man in Dortmund den Verlauf des Samstagnachmittags wahrzunehmen. Das hart erkämpfte 3:1 gegen den sich komplett verweigernden VfB Stuttgart kann als Zeichen gewertet werden, dass man für alle Widerstände gewappnet ist. Dass die Bayern 6:0 gegen Wolfsburg gewonnen haben und dank der nun besseren Tordifferenz vorbeigezogen sind – ein bisschen egal. Ohnehin ist der BVB weiter Tabellenführer, zumindest dann, wenn man der Logik des Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß folgt, der seine Mannschaft auch dann auf Platz zwei situierte, als sie faktisch auf Platz drei lag, nach Toren schlechter als das punktgleiche Borussia Mönchengladbach. Wen interessiert schon dieser Kleinkram.

Das Wochenende hat den Meisterkampf genullt. Die unfertigen Dortmunder sahen über lange Saisonphasen besser aus, als sie in Wahrheit sind, immer in Relation zu den Bayern, die lange schlechter aussahen, als sie tatsächlich sind. Alles wieder im Lot, mit München als natürlichem Favoriten. Trainer Niko Kovac scheint ein taktisches Korsett gefunden zu haben, das passt, gut ausbalanciert zwischen Angriff und Abwehr. Doch der BVB muss als Herausforderer weiter ernstgenommen werden, zumindest dann, wenn die unersetzlichen Schlüsselspieler Marco Reus und Axel Witsel gesund bleiben. Womöglich hat der Rückfall auf Platz zwei befreiende Wirkung auf die Elf von Coach Lucien Favre, die vor der Saison nicht wirklich als Titelkandidat galt. Nun kann sie wieder für eine Überraschung sorgen.

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