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Wie steht Karl-Heinz Rummenigge zu Niko Kovac?

Niko Kovac

 Rummenigges vieldeutiger Fingerzeig 

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Der Vorstandsvorsitzende des FCB, Karl-Heinz Rummenigge, gefällt sich in seinen Machtposen und lässt seinen Trainer Niko Kovac zappeln.  

In den fünf Minuten und 36 Sekunden, die der FC Bayern in seinem Medienkanal vom Siegerbankett veröffentlichte, sieht man Niko Kovac mit hinter dem Rücken verschränkten Armen auf der Showbühne den Worten seines Vorgesetzten Karl-Heinz Rummenigge lauschen. Rummenigge spricht von drei Weltklassetoren und bedankt sich namentlich bei den beiden Teamärzten – und „wer auch immer seinen Beitrag dazu geleistet hat“. Unter die Rubrik „Wer auch immer“ fällt somit auch der Trainer Niko Kovac. Der dürfte das zu deuten wissen, gehört aber nicht zu jenen Menschen, die im Angesicht von Widerständen zum Aufgeben neigen. So leicht wird Rummenigge ihn also nicht loswerden.

Am Vorabend des Pokalsiegs hatte der Bayern-Boss als Talkgast der „Bild“-Zeitung auf die Frage, ob Kovac in der nächsten Saison noch Bayern-Trainer sei, in ziemlicher Zeitlupe und dabei erhaben lächelnd den Daumen gehoben. Eine nonverbale Geste, die in ihrer Gefühlskälte an Gladiatorenkämpfe im alten Rom erinnert, wiewohl Historiker nicht ganz einig sind, ob der gereckte Daumen tatsächlich das Überleben eines Kämpfers oder in Wahrheit gar das Gegenteil bedeutete. Kovac sollte sich also nicht zu sicher fühlen, und vermutlich ist er das auch nicht. Rummenigge hat mit seinem Fingerzeig die unanständige Kakophonie der vergangenen Wochen lediglich aufs Neue nach unten abgerundet.

Es gehört sich nicht, mit maßgeblichen Mitarbeitern in der Öffentlichkeit so umzugehen, auch nicht vor dem Hintergrund, dass ein Fußballlehrer von Rummenigges Gnaden einen Teil seines üppigen Gehalts von vorneherein als Schmerzensgeld für eine verletzte Seele ansehen sollte. Die Wunden wachsen so schnell nicht zu, wiewohl laut Umfragen 90 Prozent der Fans in dem Trainer den Sieger der Saison sehen. Denn Kovac kann nicht verborgen geblieben sein, dass die Binnensicht auf seine Arbeit viel kritischer auszufallen scheint als seine durch eine angenehm zurückgenommene und dennoch die eigene Gefühlswelt ehrlich offenbarende Professionalität geprägte Außenwirkung. Das Lob kommt von allen Seiten, nur nicht von den eigenen Profis und den maßgeblichen Bayern-Leuten. Eine auch nur annähernd vergleichbare Würdigung, wie sie etwa Pep Guardiola oder Jupp Heynckes von Spielerseite (egal, ob Führungskräfte oder Ersatzleute) regelmäßig öffentlich erfuhren, ist Kovac bislang nicht zuteilgeworden.

Die grundlegende Frage, die sie sich bei den Bayern jetzt gemeinsam stellen sollten, harrt einer dringlichen Antwort: Trauen sie es Niko Kovac zu, sich diese für mittelfristigen Erfolg in einer erträglichen Arbeitsatmosphäre unbedingt notwendige Anerkennung zu erarbeiten? Oder finden sie, dass der Trainer schlicht nicht das Format für den FC Bayern hat und auch niemals erlangen wird? Wenn das so wäre, wäre es wenig angeraten, den Vertrag nur deshalb ohne eigene Überzeugung zu erfüllen, weil andernfalls ein Aufstand der Straße drohte.

Nüchtern betrachtet, hat der noch recht unerfahrene Kovac ein kompliziertes Umbruchjahr mit frühem Aus in der Königsklasse, anhaltender Debatte um seine Person, ohne echte Rückendeckung durch den schwachen Sportdirektor Salihamidzic und den starken Chef Rummenigge, begleitet von einer unterirdischen Pressekonferenz der Bosse und einer tiefen sportlichen Krise im Herbst tapfer zum ersten Double einer Zweckgemeinschaft seit drei Jahren moderiert. Woanders als in München wäre das ruhmreich.

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