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Lena Oberdorf.  

DFB-Elf

Die Zukunft gehört Lena Oberdorf

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Lena Oberdorf wird mit 17 Jahren bereits zur Abwehrchef der DFB-Fußballerinnen aufgebaut - auch auf Kosten einer erfahrenen Spielerin.

Das Ausnahmetalent besitzt eine Ausnahmestellung in Form eines dezenten Sternchen: Damit erscheint in offiziellen Publikationen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bei Lena Sophie Oberdorf aus Datenschutzgründen der Hinweis, dass eine Hoffnungsträgerin der Frauen-Nationalmannschaft noch gar nicht volljährig ist. Gleichwohl gilt die 17-Jährige bereits als fußballerisch so reif, dass Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg sie in der laufenden EM-Qualifikation zur neuen Abwehrchefin aufbauen möchte. Nach dem Aufgalopp in Kassel gegen Montenegro (10:0) ist die Zwölftklässlerin vom Gymnasium Gevelsberg auch gegen die Ukraine in Lwiw (Dienstag 16 Uhr/ ZDF) in der deutschen Deckung gesetzt. „Wir glauben, dass das eine Zukunftsposition für sie sein kann. Das wird ein bisschen Mut brauchen“, sagt Voss-Tecklenburg. „Wir wollen was anschieben. Sie darf auch Fehler machen.“

Bis zur EM 2021 in England soll Oberdorf – vermutlich an der Seite der schnellen, aber spielerisch limitierten Sara Doorsoun – zum stabilen Verteidigungszentrum reifen. Die Abwehrspielerin vom VfL Wolfsburg glaubt, dass ihre Zimmerpartnerin („da können wir uns vorher schon abstimmen“) eher heute als morgen den Status der Führungsspielerin erlangen kann: „Wir wissen alle, was für eine Qualität in Lena steckt. Sie ist mit 17 schon richtig abgezockt.“ Tatsächlich bringt die aus einer sportlichen Familie stammende Oberdorf, deren fünf Jahre älterer Bruder Tim für die zweite Mannschaft von Fortuna Düsseldorf spielt, alle Voraussetzungen mit, um sich zur Innenverteidigerin auf internationalem Topniveau zu entwickeln. Sicheres Passspiel, enorme Physis, gute Grundschnelligkeit.

Die Bundestrainerin besprach sich in der Causa kürzlich mit ihrem Vereinstrainer Markus Högner bei der SGS Essen, der vorbehaltlos zustimmen kann: „Sie ist ein Wahnsinnstalent. Für ihr Alter ist sie fußballerisch unfassbar weit und eine Top-Zentrumsspielerin mit überragenden Diagonalbällen.“ Einsetzbar in Abwehr, Mittelfeld oder Sturm, denn: „Sie ist technisch stark, setzt sich durch und hat einen guten Abschluss. Aber wenn man Stabilität braucht, stellt man sie als Innenverteidigerin auf.“ Auch Högner hat das vertraglich noch bis 2021 an Essen gebundene Toptalent im Bundesligaspiel beim SC Sand auf dieser Position erprobt.

Der ehemalige Assistenztrainer aus der missglückten Episode unter Steffi Jones schwärmt von der Frühstarterin. die als Zwölfjährige bereits im U15-Nationalteam debütierte, mit 14 Jahren bei der U17-WM spielte, mit 16 bei der U20-WM und mit 17 Jahren, fünf Monaten und 20 Tagen beim WM-Auftakt gegen China (1:0) mal eben Birgit Prinz als jüngste deutsche WM-Spielerin aller Zeiten ablöste. Damals gab sich das Nesthäkchen bereits genauso abgeklärt, wie sie nun ihre Beförderung beschrieb: „Mir gefällt die Rolle gut. So groß ist der Unterschied gar nicht, als wenn ich auf der Sechs spiele.“

Hegering fällt hinten rüber

Längst machen sich ihre Trainer weniger Sorgen über ihre fußballerische Veranlagung, denn vor einer möglichen Überbeanspruchung. „Sie muss ein Jahr verletzungsfrei bleiben und die Schule fertig machen. Wir werden ‚Obi‘ so viel Support zukommen lassen, dass wir alle noch ganz viel Freude an ihr haben werden“, versichert Voss-Tecklenburg. Auch Högner nennt es seine Sorgfaltspflicht, die Belastung dosiert zu steuern. Zu oft schon hätten sich junge Spielerinnen an dem Spagat zwischen Ausbildung und Leistungssport verhoben und sind nach schweren Verletzungen mitunter gänzlich dem deutschen Frauenfußball verloren gegangen. Was bei Oberdorf jammerschade wäre.

Die Bundestrainerin war drauf und dran, die Teenie-Option bereits bei der WM in Frankreich als Innenverteidigerin einzusetzen. „Wir hatten mit diesem Gedanken gespielt“, gab die 51-Jährige nun zu. Dann kam jedoch durchgängig Marina Hegering zum Einsatz, die erst zu Jahresanfang in der DFB-Auswahl debütierte, nachdem sie eine Fersenverletzung für mehrere Jahre gänzlich aus der Bahn geworfen hatte. Die 29-Jährige leistete sich jedoch im Viertelfinale gegen Schweden (1:2) jenen Stellungsfehler, der zum Ausscheiden führte. Hegerings Absage wegen Muskelproblemen macht es jetzt leicht, den Wachwechsel ohne größere Störgeräusche zu vollziehen.

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