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Der Umwälzungsprozess hätte, was die Personalie Kahn angeht, wohl kaum klüger orchestriert werden können.

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Die Zukunft des FC Bayern

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Oliver Kahn tritt am 1. Januar seine Vorstandsstelle beim Münchener Rekordmeister an. Der Vertrauensvorschuss für den Ex-Titan ist zurecht riesig. Ein Kommentar.

Für den FC Bayern München beginnt die Zukunft am 1. Januar. Dann wird Oliver Kahn als neues Mitglied des Vorstands und designierter Nachfolger von Oberboss Karl-Heinz Rummenigge ins Büro neben dem aktuellen Klubchef einziehen. Zwei Jahre bekommt der Ex-Titan zur Einarbeitung zugestanden, dann soll er den nationalen Branchenführer, der mit mehr als tausend Mitarbeitern stramm auf einen alljährlichen Milliardenumsatz zumarschiert, als oberste Führungskraft übernehmen. Nach Uli Hoeneß (67), dem Ex-Adidas-Vorstand Herbert Hainer bereits als Präsident folgte, wird dann auch Karl-Heinz Rummenigge (64) ins zweite Glied zurücktreten.

Der Umwälzungsprozess hätte, was die Personalie Kahn angeht, wohl kaum klüger orchestriert werden können. Der einstige Weltklassetorwart, dessen Sozialkompetenz zu aktiven Zeiten in einer Attacke auf dem Spielfeld gegen den eigenen Mitspieler Andreas Herzog seinen Tiefpunkt erlebte, hat eine erstaunliche Entwicklung genommen. Aus einer Ich-AG, flankiert von mitunter schwer erträglichem Alphatier-Gehabe, ist binnen zehn Jahren nach dem Karriereende ein eloquenter, oft gar sympathisch anmutender Geschäftsmann und Medienexperte geworden. Als Fachkraft für das ZDF artikuliert sich der 50-Jährige in einer klugen Mischung aus Gelassenheit und Meinungsfreude.

Menschen, die Oliver Kahn länger kennen, bestätigen den Eindruck. Da hat einer nach zwei Jahrzehnten in der Blase Profifußball mittlerweile einen empathischen Umgang mit Menschen gelernt, der ihm den Einstieg als Personalverantwortlicher eines so großen Klubs erleichtern dürfte. Kahns Intelligenz, seine internationale Bekanntheit, sein Netzwerk im Fußball und seine Akzeptanz bei Verbänden, Vereinen, Sponsoren, Medien, Spielern und Beratern kommt hinzu. Und: Niemand anders als Kahn selbst könnte das unerschütterliche Selbstbewusstsein, das der FC Bayern traditionell vor sich herträgt, glaubwürdiger vermitteln als jener Mann, der als Bayern-Keeper zum Weltstar wurde, dem Verein 15 Jahre lang den Kasten weitgehend sauber hielt und als Kapitän 2001 die Champions League gewann.

Der Vertrauensvorschuss ist riesig. Der FC Bayern hat Kahn mit einem Fünfjahresvertrag ausgestattet, bei der Jahreshauptversammlung wurde er neulich geradezu frenetisch gefeiert. Der Neue tritt den Job in der gebotenen Demut an und gibt sich zunächst vor allem als Lernender in der zweiten Reihe. Eine kluge Strategie, erst recht vor der politisch nicht ganz unkomplizierten ersten Dienstreise ins Scheichtum Katar.

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