Ab Samstag darf dann mit Erlaubnis gezündelt werden.
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Ab Samstag darf dann mit Erlaubnis gezündelt werden.

Kommentar

Zündeln unter Aufsicht

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Dass den Ultras beim Hamburger SV erlaubt wird, kontrolliert Pyrotechnik abzubrennen, ist ein positives Zeichen, vom Verein, vom DFB, von den Behörden. Einen großen Kulturwandel in den Kurven sollte aber niemand davon erwarten. Ein Kommentar.

Im Hamburger Volksparkstadion darf am Samstag ganz offiziell mit Erlaubnis der Berufsfeuerwehr und des Deutschen Fußball-Bundes Pyrotechnik gezündet werden. Zwar nur in einem abgeschirmten Bereich und unter Aufsicht, aber immerhin. Besonders oft wird der Hamburger SV aufgrund seiner ruhmlosen jüngeren sportlichen Vergangenheit ja nicht gelobt. Aber in diesem Fall sei an dieser Stelle gesagt: Dem emsigen Vorstandschef Bernd Hoffmann gebührt ausdrücklich ein Lob dafür, das Pilotprojekt so hartnäckig durchgesetzt zu haben. Lob auch an die Hamburger Behörden, die die Angelegenheit mutig unterstützen, und ja, auch ein Lob an den DFB, der sich der Aktion nicht entgegenstellt.

Das wäre indes auch keine gute Idee gewesen für einen Verband, der in der gemeinen Fanszene ungefähr so sehr gemocht wird wie ein Hacksteak unter Veganern. Die Kurven finden es spätestens seit der Ära des Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder sexy, sich am Dachverband abzuarbeiten und dies verbal durch ein vieltausendfaches „Fußballmafia DFB“ zu unterlegen. Immerhin trifft es dabei nicht mehr einen (den 2015 verstorbenen Mayer-Vorfelder), sondern gleich den ganzen Apparat.

Der DFB hat sich keineswegs Freunde gemacht, als er im Jahr 2011 erst den Anschein erweckte, ein bisschen zündeln eventuell zu erlauben, ehe er die tolerante Linie kassierte. Seitdem greifen Ultras genussvoll vor allem bei Auswärtsspielen zu den geliebten Bengalos und lachen sich schlapp über die immergleichen Aufforderungen der Stadionsprecher, das doch bitte, bitte zu unterlassen. Das Entgegenkommen des ehemaligen DFB-Präsidenten Reinhard Grindel, der vor zweieinhalb Jahren verfügte, Kollektivstrafen für das Abbrennen von Pyrotechnik auszusetzen, wurde in der Fanszene zwar wohlwollend registriert, allein: Die Kurven brennen weiter regelmäßig ein paar Minuten lang, meist gleich nach Anpfiff der Partien. Und um ehrlich zu sein: Die seltenen Verbrennungen ziehen sich dabei in erster Linie die Ultras selbst zu und nicht etwa brave Familienväter und deren Kinder.

Es wäre naiv anzunehmen, die Hamburger Initiative würde der erste Schritt hin zu einem kontrollierten Abbrennen von Stadionfeuerwerken unter Aufsicht der Feuerwehr und des Ordnungspersonals werden. Es geht den Ultras ja gerade darum, ganz unabhängig von Autoritäten bunten Rauch aufsteigen zu lassen. Aber eine psychologische Wirkung könnte der HSV-Vorstoß dennoch haben. Ein bisschen Frieden. Mehr sollte niemand erwarten.

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