Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Hat sich wieder an seine alte Form rangearbeitet: Leroy Sané.
+
Hat sich wieder an seine alte Form rangearbeitet: Leroy Sané.

Bayern München

Leroy Sané: Zuckerbrot und Peitsche

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
    schließen

Offenbar hat der zu Saisonbeginn schwächelnde Leroy Sané seine Lehren gezogen: Beim 4:0-Sieg der Überbayern bei Benfica Lissabon war er der beste Mann auf dem Platz. Ein Kommentar

Es ist nicht ganz so einfach. Leroy Sané tief in die Seele zu blicken. Der hochbegabte Offensivspieler versteht es, auch negative Emotionen hinter handelsüblicher Rhetorik eines Fußballprofis zu verhüllen. Genau zwei Monate ist es her, als der passionierte Tempodribbler im Heimspiel gegen den 1. FC Köln derart teilnahmslos übers Spielfeld huschte, dass Trainer Julian Nagelsmann ihn zur Pause schon in der Kabine beließ. Sané wurde mit Buhrufen und Pfiffen verabschiedet. Als sein Name bei der Auswechslung genannt wurde, gab es höhnischen Beifall.

Schon während der Europameisterschaft war der 25-Jährige vom Publikum bald als Buhmann auserkoren worden. Es lief nicht gut bei ihm und im ganzen Team. Sané wurde zur Symbolfigur des Scheiterns. Beim Achtelfinalaus in England taugte er bloß noch zum spät eingewechselten, wirkungslosen Ersatzmann. Er verließ Wembley mit hängenden Schultern.

Es hätten sich also leicht ein paar Argumente finden lassen können, warum Leroy Sané den Herbstblues hätte. Hat er aber nicht, sondern ganz im Gegenteil. Er ist seit ein paar Wochen schon ein außergewöhnlich guter Spieler des an guten Spielern reich gesegneten FC Bayern. Und auch in der deutschen Nationalmannschaft: Beim WM-Qualifikationsspiel neulich in Hamburg gegen Rumänien fiel Sané mehrfach auf, als er sich schon verloren geglaubte Bälle unter größten Mühen zurückeroberte. Es gab einmal sogar Szenenapplaus dafür.

Schwer zu sagen, was die Trainer Hansi Flick und Julian Nagelsmann mit ihm angestellt haben, nachdem Joachim Löw schon an dem ungelehrigen Lausbuben aus der letzten Reihe verzweifelt war. Vermutlich ist es eine Mischung aus Zuckerbrot und Peitsche. Flick griff vergangenen Dezember gar zur Höchststrafe für einen Fußballer: Er wechselte Sané nach 32 Minuten ein und nach 68 Minuten wieder aus, weil er unzufrieden mit dessen Performance war,

Offenbar hat Sané seine Lehren gezogen. Beim 4:0-Sieg der Überbayern bei Benfica Lissabon in der Champions League war er auch in Abwesenheit des an Corona erkrankten Nagelsmann der beste Mann auf dem Platz. Dem gelernten Linksaußen war dabei eine zentrale Aufgabe zugeteilt worden. Er gab einen klassischen Spielmacher und machte das in dieser verantwortungsvollen Position ganz hervorragend. Von seinem berüchtigten Phlegma keine Spur, auch nicht, als es anfangs noch nicht so rund lief.

Zwei Tore erzielte Sané selbst, zwischendurch legte er Robert Lewandowski großzügig zum 3:0 gegen zunehmend demoralisiertere Portugiesen auf. Es waren bei weitem nicht die einzigen auffälligen Aktionen eines vielleicht Geläuterten.

Natürlich ist es nach ein paar Spielen der neuen Saison noch viel zu früh, ein auch nur annähernd abschließendes Urteil zu fällen. Leroy Sané muss verstehen, dass er viel von seinem Talent verschleudern würde, wenn er ein Stimmungsspieler bliebe, der nicht in der Lage wäre, zuverlässig auf Topniveau zu performen, Seine Trainer und Mitspieler müssen sich darauf verlassen können. Das wäre der nächste Schritt in einer Karriere, die manche Kritiker schon als gescheitert angesehen haben. Seine Widerstandskraft gegen Pfiffe, Buhrufe und mediale Fundamentalkritik hat er jedenfalls schon mal unter Beweis gestellt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare