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Neu bei Mainz 05: Kevin Stöger (links) neben 05-Sportchef Rouven Schröder.

Nach Streik und Streit ums Gehalt

Zuckerbrot und Peitsche

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Mainz 05 holt Mittelfeldspieler Kevin Stöger von Fortuna Düsseldorf und will sich enger zusammenrotten. Warum Moussa Nikathé nicht verkauft werden konnte.

Mainz 05 hat überraschend noch am Transfermarkt zugeschlagen. Der krisengeschüttelte Vorletzte der Fußball-Bundesliga erhofft sich durch die Verpflichtung von Mittelfeldspieler Kevin Stöger nicht nur mehr spielerisches Profil. „Es tut uns gut, einen unbelasteten Spieler dazuzubekommen, der anpacken will“, sagte Sportvorstand Rouven Schröder am Mittwochabend bei einem digitalen Pressegespräch.

Auch Stögers vormaliger Arbeitgeber Fortuna Düsseldorf, wo er bis Saisonende unter Vertrag stand, und Werder Bremen hatten sich um den 27-jährigen Österreicher bemüht. Mainz machte das Rennen. Schröder freut sich, einen technisch starken Linksfuß dazugewonnen zu haben.

Die tiefgreifenden Probleme ist der Verein dadurch natürlich nicht über Nacht losgeworden. Das weiß auch Schröder, dem es nicht gelang, abwanderungswillige Profis zu verkaufen. Vor allem auf einen Transfer von Innenverteidiger Moussa Niakathé hatten Sportchef und Spieler gleichermaßen gehofft. Letztlich wurde wohl auch deshalb nichts daraus, weil der Kapitän zuletzt wenig überzeugende Auftritte hingelegt hatte und gegen den VfB Stuttgart mit einer vollkommen überflüssigen Gelb-Roten Karte vom Platz gestellt worden war. Die meisten seiner Mitspieler präsentierten sich ähnlich unterirdisch. Schröder: „Das sehen natürlich auch die großen Vereine. Da fällst du dann durchs Raster.“ Am Ende, so Schröder, seien ursprünglich interessierte Klubs bei keinem aktuellen Mainzer Profi bereit gewesen, in der Größenordnung zu investieren, „dass wir bereit gewesen wären, ihn abzugeben“.

So kommt es, dass die Rheinhessen nun sechs Innenverteidiger unter Vertrag haben. Die Kaderplanung war fest darauf ausgelegt gewesen, dass Niakathé geht. Schröder deutete an, dass Jeremiah St. Juste auf die nach dem Abgang von Ridle Baku zum VfL Wolfsburg verwaiste rechte Außenverteidigerposition rutschen könnte.

Der Sportliche Leiter gibt sich nach dem missratenen Start und dem Ende der Transferperiode hoffnungsfroh: „Jetzt weiß jeder Spieler, dass es keine Möglichkeit mehr gibt, transferiert zu werden.“ Jeder sei nun gefordert, sich selbst zu hinterfragen, die Verantwortung für den Verein und die Region zu erspüren und sich zu fragen: „Was kann ich für die Gruppe tun?“

In den internen Gesprächen mit der Mannschaft haben Schröder und Vorstandschef Stefan Hofmann auch darauf hingewiesen, dass sie nach dem Streik der Profis vor zwei Wochen und der unsäglich heftigen Debatte um einen mickrigen Gehaltsverzicht von 15 Prozent über lediglich die drei Monate April, Mai und Juni hinweg nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. „Die Mannschaft ist am Zug. Wir erwarten, dass sie sich dazu äußert“, stellte Schröder klar und fügte hinzu: „Der Sturm ist wie wahnsinnig über diesen Standort hinweggezogen. Wir müssen uns jetzt noch enger zusammenrotten und Spiele gewinnen.“

Er selbst, so der 44-Jährige, werde dabei nicht noch mehr Druck aufbauen. „Es bringt nichts, mit dem Hammer durch die Kabine zu laufen.“ Angesagt sei das Prinzip „Zuckerbrot und Peitsche.“ Das gilt auch für Adam Szalai, der in Gnaden wieder ins Teamtraining aufgenommen wird, wenn er von der ungarischen Nationalmannschaft zurückkehrt. Und womöglich auch in den Spieltagskader schon gegen Bayer Leverkusen am Samstag in einer Woche? Die Trainingsleistung des Mittelstürmers werde von Trainer Jan-Moritz Lichte beleuchtet, so Schröder. „Jeder Leistungssportler, der bei Mainz 05 unter Vertrag steht, kann sich beweisen.“

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