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Serge Gnabry.

Profifußball

Zu viele falsche Corona-Tests

  • Jakob Böllhoff
    vonJakob Böllhoff
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Mehrere Klubs beklagen positive Fälle, die gar keine sind. Ein Hamburger Unternehmen bietet jetzt Hilfe an. Bayern-Star Serge Gnabry kann in der Champions League schon wieder spielen.

Es ist lange her, dass vom Hamburger SV positive Impulse für den deutschen Fußball ausgingen. Nur sehr gehässige Menschen würden anführen, mit seinem Abstieg 2018 habe der stolze Traditionsklub der Bundesliga einen Gefallen getan, nach qualvollem Niedergang, den sich am Ende niemand mehr mitansehen konnte. Auf dem Platz scheint der HSV sich inzwischen zu berappeln, strebt in Liga zwei dem Aufstieg entgegen – und könnte nebenbei – aber nicht nebensächlich – außerhalb des Rasens für einem Impuls gesorgt haben, welcher den deutschen Profiklubs im größer werdenden Wirrwarr um falsche Corona-Tests womöglich eine große Hilfe ist.

Wie das „Hamburger Abendblatt“ berichtete, beriet die Corona-Taskforce der Deutschen Fußball Liga (DFL) bei einer Tagung am Montag auch über die Möglichkeit einer vermehrten Anwendung von sogenannten Fasttrack-PCR-Tests einer Hamburger Biotech-Firma, mit welcher der HSV kooperiert. Diese Tests sind schnell, autark und mobil, die Geräte nicht viel größer als Bluetooth-Lautsprecher. Bis zu 21 Personen gleichzeitig können getestet werden, ohne dass Proben in die zurzeit arg belasteten und fehleranfälligen Labore geschickt werden müssten. Dadurch ist es möglich, kurzfristig ganze Mannschaften zu überprüfen.

Beispielhaft sind die Vorgänge rund um das Zweitligaspiel des HSV gegen Kickers Würzburg (3:1). In der Nacht auf Sonntag hatten die Würzburger aus einem Augsburger Labor drei positive Befunde erfahren, Abwehrchef Douglas und zwei Co-Trainer waren betroffen. Am Sonntagmorgen machte sich der Hamburger Mannschaftsarzt Götz Welsch mit einer Fasttrack-Unit ins Teamhotel der Würzburger. Ergebnis: Alle Würzburger negativ, auch die zuvor positiv getesteten, die sicherheitshalber dennoch in Quarantäne blieben. Das Spiel konnte stattfinden, anders als vor drei Wochen, als die Partie HSV gegen Aue ausfiel, da nach positiven Tests bei den Gästen, die sich später ebenfalls als falsch entpuppten, nicht rechtzeitig nachgetestet werden konnte. Die Würzburger nannten die unmittelbare Vorbereitung auf das Spiel zwar „alles andere als Bundesliga-like“, entschlossen sich aber, nicht zu klagen – „auch im Sinne des gesamten Profi-Fußballs“, sagte Vorstandschef Daniel Sauer am Montag.

Für einen reibungslosen Spielbetrieb könnten die Fasttrack-Tests ein Segen sein. Ein Durcheinander wie in den vergangen Tagen will die DFL jedenfalls dringend verhindern. Falsch? Positiv? Die Verwirrung um einige Corona-Tests war zuletzt durchschlagend. Bayern-Star Serge Gnabry, nur vermeintlich infiziert, verpasste die Spiele gegen Atletico Madrid (4:0) und Eintracht Frankfurt(5:0), ehe des Gesundheitsamt ihn am Sonntagabend nach mehreren negativen Tests mit sofortiger Wirkung aus der Quarantäne entließ. Fürs Champions-League-Spiel bei Lokomotive Moskau (Dienstag 18.55 Uhr) ist Gnabry einsatzbereit.

Die Bayern blieben gelassen. „Es ist kein Grund zum Jammern“, betonte Trainer Hansi Flick: „Es ist so, dass die Dinge so sind, wie sie sind, und das müssen wir so annehmen.“ Es könne sein, sagte Flick, dass Gnabry „einer der wenigen Fälle ist, die falsch positiv getestet wurden.“

Doch sind es wirklich wenige Fälle? Beim Zweitligisten 1. FC Heidenheim herrschte vor dem Spiel am Sonntag gegen den VfL Osnabrück (1:1) großes Durcheinander. Zunächst hatte der Verein immerhin sechs positive Fälle vermeldet. Zwei weitere am Freitag und Samstag durchgeführte Testreihen ergaben dann negative Befunde. In Abstimmung mit dem Gesundheitsamt trainierten die Heidenheimer am Samstag wieder. Zugleich gaben die Behörden grünes Licht. Die sechs positiven Fälle, teilte der Verein mit, seien wohl auf falsche Labor-Testergebnisse zurückzuführen. Am Montag kündigten die Heidenheimer an, rechtliche Schritte gegen das Labor zu prüfen.

Ähnlich erging es auch Drittligist Türkgücü München. Dessen Spiel am Freitag beim FSV Zwickau wurde nach drei positiven Tests abgesagt, am Sonntag durfte die Delegation des Aufsteigers aber schon wieder aus der angeordneten Quarantäne: Das Labor, berichtete Türkgücü, habe mitgeteilt, dass die Befunde falsch gewesen seien.

Ein derartiges Hickhack könnte sich in Zukunft womöglich mit den Hamburger Fasttrack-PCR-Tests verhindern lassen. Ob die zuständige DFL-Taskforce sich tatsächlich vorstellen kann, die Anwendungsmethode vermehrt bundesligaweit einzusetzen, ist offen. Auf FR-Anfragen wollte sich der Liga-Verband am Montag zunächst nicht äußern. (mit sid/dpa)

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