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Experte Per Mertesacker (links) neben Dazn-Reporter Alex Schlüter.

Kommentar Dazn

Mit Per in der Zone

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Der Streamingdienst Dazn hat gezeigt, dass er starke journalistische Arbeit abliefern kann. Ein Kommentar.

Es gibt ein Problem, denn das Internet ist entgleist, mal wieder. Oder liegt es doch am Fernseher, nein, sorry: dem Medienendgerät, das nicht empfänglich ist für die Signale des Internets? In der Konsequenz jedenfalls sitzt man beim Spätdienst im Büro und versucht aus beruflichen Gründen einen Champions-League-Stream anzuwerfen, wofür man auf einer winzigen Fernbedienung herumdrückt. Mal drückt man lang und fest, mal kurz und sanft, einmal setzt man auf den Überraschungseffekt, guckt weg, dreht sich dann blitzschnell um und feuert wie ein Pistolero Richtung Medienapparat. Doch es tut sich: nichts. Kein Stream, kein Strom. Nur die vage Befürchtung, vom anderen Bürogebäude aus beobachtet worden zu sein beim Kampf mit der Technik.

Wir leben im Zeitalter der Wut, es war nie so einfach, sich aufzuregen, was insbesondere auf den modernen Sportkonsumenten zutrifft. Gezeigt wird alles und zwar überall. Wer mag, kann sich gar das im Bereich der Randsportarten in einer kleinen Nische angesiedelte Sportfischen ansehen, auf dem Taschentelefon, eine belastbare Internetverbindung immer vorausgesetzt.

Seit zwei Jahren gibt es nun den Streamingdienst Dazn, ein Wort wie auf dem Herd vergessen, seltsam zusammengeschmolzen. Es ist eine rudimentäre Darstellung der englischen Wendung „In the Zone“, und genau dort will einen dieser jungen Sender hinschicken, in die Zone, in der es kein Links mehr gibt und kein Rechts, kein Heute und kein Morgen, sondern einzig und allein Sport; Fußball und Basketball und Eishockey und Fischen und blutige Kämpfe in einem achteckigen Käfig.

Einsam wird es in der Zone, wenn das Internet wieder irgendwo ein Loch hat, wo die Streams versickern, aber wenn alles im Fluss ist (was übrigens durchaus häufig der Fall ist), hat Dazn gezeigt, dass es starke journalistische Arbeit abliefern kann. Kommentatoren wie Marco Hagemann bestechen durch Sachkenntnis, ohne zu langweilen, und statt auf große Namen setzt der Münchner Sender auf Qualität bei seinen Experten.

Wo RTL Nitro für seine Europa-League-Übertragungen einen wie Ex-Torwart Roman Weidenfeller beschäftigt, der schöne Mäntel trägt, aber nichts zu sagen hat, bietet Dazn ehemalige Kicker der Kategorie Moritz Volz und Jonas Hummels (Bruder von Mats) auf. Schlaue Jungs, denen man gerne zuhört, wie auch neuerdings dem berühmten, aber nicht weniger schlauen Per Mertesacker, den Dazn für die Königsklasse eingekauft hat. Dafür nimmt man auch den Kampf mit dem Internet auf.

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