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Erst wird trainiert, das Futtern kommt später.

Höhle des Löw

Zielobjekt Dönerladen

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Auch wo das Schöne nah ist, ist die Sehnsucht nach dem Schlichten nicht fern.

Langjährige Stammgäste berichten, das Essen im Hotel Weinegg sei besonders opulent, ähnlich wie die sich direkt an die Suiten anschließenden Privatsaunen. Derzeit ist die frisch renovierte Luxusbude in Südtirol exklusiv an den DFB vermietet. Das Buffet, an dem die deutschen Nationalspieler sich laben können, könnte glatt einen Mittelkreis füllen. Aber wo das Schöne ist so nah, ist die Sehnsucht nach dem Schlichten dennoch nicht fern. 

Donnerstagabend, kurz nach 20 Uhr, Fußgängerzone St. Michael, viereinhalb Kilometer von der Teamherberge entfernt: Die Gruppe Thomas Müller wirkt etwas orientierungslos. Gerade hat Chauffeur Hummels vor der kleinen Pension Aurora den Wagen gewendet und unter Anleitung von Beifahrer Rudy eingeparkt. Jetzt beginnt die Suche. Zielobjekt Dönerladen. Sie endet nach einigem Hin und Her unter Mithilfe Einheimischer erfolgreich. Auch Kimmich und Hector sehen hinterher nicht mehr hungrig aus. 

Der Verteidiger Niklas Süle kann glaubhaft versichern, der Gruppe Müller nicht angehört zu haben. Süle ist der Legende nach einer, der sich hauptsächlich von Döner, Pommes und Burgern ernährt. Dabei hat der junge Mann schon über Jahre hinweg beteuert, er habe dem ständigen Fast Food längst abgeschworen. Ohnehin ist offenkundig: Süles Speck ist weg. So einer darf schon mal genervt sein, wenn er auch im Sommer 2018 noch öffentlich und live im DFB-TV nach seinem Essverhalten gefragt wird: „Zum letzten Mal, weil ihr alle da seid: Ich habe bei den Bayern kein einziges Training verpasst.“ Topfit, der Kerl.

Auch Leon Goretzka ist die Lust vergangen, sich zu wiederholen. Bei ihm: Seit mehr als einem Jahr kein Schweinefleisch, keine Nüsse, kein Gluten, keine Kuhmilch. Er hat es oft genug erzählt. Ilkay Gündogan: Nutzte die Tuchel-Diät konsequent, kein Bauchspeck drückt das Trikot mehr vorne raus. Mats Hummels: Frustfressen im Abstiegskampf mit dem BVB unter Jürgen Klopp, Übergewicht, „ein Teufelskreis“, wie der Stopper seinerzeit berichtete. Dann kam Tuchel, dünn wie ein Zahnstocher, der selbst im Toskana-Urlaub nicht ein Stückchen Pizza und keinen Happen Pasta anrührt. Muss man nicht verstehen. Unter Tuchel war dann auch Hummels bald wieder schlanker und schneller. Aber er war nicht glücklicher. Das Glück hing diese Woche an einem Dönerspieß in einer Seitengasse irgendwo in Südtirol.

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