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Bis die Fetzen fliegen: Kampf ist angesagt in der Bundesliga, hier bei Schalke gegen Köln.
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Bis die Fetzen fliegen: Kampf ist angesagt in der Bundesliga, hier bei Schalke gegen Köln.

Kommentar

Zerzaust und zerfurcht

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Die Profifußballer können froh sein, dass sie in Corona-Zeiten weiter ihren Beruf ausüben dürfen. Schön sieht das gerade allerdings nicht aus. Ein Kommentar.

Es mag ja Zufall sein, dass die Grasnarben in der Arena auf Schalke und jener am Mainzer Europakreisel gerade besonders ramponiert sind. Niemand wird die zuständigen Rasenpfleger verdächtigen, ihre Arbeit auch nur annähernd so schlecht zu erledigen wie die Berufsfußballer des FC Schalke 04 und FSV Mainz 05, aber der Zustand des Untergrunds sieht ebenso grässlich aus wie die Halbzeitbilanz der beiden Kellerkinder. Andererseits: Losgelöst von der Tabelle schaut das Spiel im mit sechs Spieltagen pickepacken vollen Januar 2021 fast nirgendwo flüssig aus.

Selbst der auf Gerd-Müller-Spuren wandelnde Weltfußballer Robert Lewandowski traf für den Hinrundenmeister FC Bayern nur vom Elfmeterpunkt. Was bei näherer Betrachtung aber niemanden überraschen kann. Im Verzicht auf eine Winterpause sind die wenigsten geübt, und die Taktung für Europapokalteilnehmer mit Nationalspielern aus diversen Ländern ist enorm. Jedes Jammern aber verbietet sich, denn im Gegenzug zu vielen anderen Branchen herrscht kein Stillstand von unbekannter Dauer. Im Gegenteil.

Bei Halbzeit stehen Bayern und Leipzig vorne, genau jene im Akkord kickenden Topmannschaften also, die so brillant den deutschen Fußball beim Champions-League-Endturnier 2020 vertraten. Dass sich dahinter Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund einordnen, ergibt sich aus vielen jungen Kräften mit hohem Entwicklungspotenzial, aber auch gewisser Anfälligkeit. Die große Überraschung ist bislang die Ausbeute von Union Berlin, die selbst ohne aufpeitschende Zuschauer in der Alten Försterei eisern gepunktet haben.

Der fast dauerhafte Geisterspielbetrieb hat den Heimvorteil endgültig gekillt. Die Gastgeber gewannen so selten wie nie, nur knapp 35 Prozent der 153 Hinrundenspiele. Nie zuvor lag der Wert in der Bundesliga-Geschichte bei weniger als 40 Prozent. Von den Teams ab Platz zehn haben alle außer Arminia Bielefeld und Schalke mehr Punkte auswärts geholt als zuhause. Rigoros ziehen die Trainer der eher limitierten Mannschaften ihre taktische Marschroute durch: mit einer Fünferkette gegen den Ball verteidigen, Räume versperren – und irgendwie einen Umschaltmoment kreieren. Sogar Offensivliebhaber wie Florian Kohfeldt mit Werder Bremen verkaufen diese defensive Spielweise gerade als klugen Einfall. Dabei mutet ein Großteil dem Fernsehpublikum, das die Live-Spiele ihrer Lieblingsvereine in voller Länge goutiert, schwer verdauliche Kost zu.

Die Liga braucht die Politik

Mehr denn je ist die Bundesliga ein reines Fernsehspiel. Die ganze Branche hängt am Tropf der Medieneinnahmen, was ja auch der Grund ist, dass wirklich alle Wettbewerbe in den Terminplan gepfercht worden sind. Auch die Klub-WM findet bald in Katar noch statt, obwohl sie niemand braucht.

Über die leeren Ränge als gespenstische Dauerkulisse regt sich kaum noch einer auf. Es sei denn, man schaut weiter als nur von Spiel zu Spiel, was Christian Seifert tun muss. Der Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL) wird sich die Haare raufen, wenn er den Fall Breel Embolo betrachtet. Gerade hatte die DFL alle 36 Profivereine an die Disziplin in „Zeiten eines ausgewiesenen Lockdowns“ erinnert, da leistete sich Gladbachs Stürmer einen „sinnfreien“ (Trainer Marco Rose) Wochenendausflug ins pralle Leben. Ganz unabhängig davon, was im Detail passiert ist, hat der Schweizer Nationalspieler die Vorbildfunktion mit Füßen getreten. Noch mehr solcher Fettnäpfchen sollten die Akteure nicht unternehmen, sonst könnten Politiker auf die Idee kommen, dem Profifußball das Privileg zur Berufsausübung zu entziehen.

Und allemal kontraproduktiv sind solche Verfehlungen bei dem Ansinnen, die dicken Bretter für eine Teilzulassung der Zuschauer erneut anzubohren. Seifert forderte ja gerade erst die Politik in einem FAZ-Interview auf, sich nicht weiter an einem pauschalen Inzidenzwert von 50 zu orientieren („könnte ein Weg ins Nirgendwo sein“), sondern den Hygienekonzepten zu vertrauen. Wobei der Bundesliga-CEO bereits ahnt, dass so schnell nichts mehr sein wird wie vor der Pandemie. Womöglich seien Zusammenkünfte vieler Menschen dauerhaft mit Angst belegt. Mit ausverkauften Stadien sollte so schnell keiner rechnen. Vorher liegt im Tiefparterre wieder frischer Rasen, auf dem der Ball hoffentlich ansehnlicher rollt als dieser Tage.

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