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Hat einen schweren Stand: Alexander Nübel.

Schalke

Zerschlagenes Porzellan

Die Torwartfrage wird den Rückrundenstart auf Schalke überlagern.

Es genügt ein Beitrag in den Kommentarspalten, um gefühlt von Freunden und Feinden aus dem königsblauen Umfeld umzingelt zu sein. Wer sich zum Thema Alexander Nübel äußert, kann sich einer riesigen Resonanz gewiss sein. Und es scheint in dieser Frage kaum noch einen Ausgleich zu geben; so kurz ist die Zündschnur, seit der talentierte, aber sicher auch noch nicht ausgereifte Torhüter des FC Schalke 04 seinen Wechsel zum FC Bayern verkündet hat. Berater Stefan Backs hat nun beklagt, dass sogar seine Eltern und sein Sohn den Unmut zu spüren bekommen - und er selbst überlegen muss, ob er noch ein Stadion besucht.

Backs und sein Geschäftspartner Andreas Siebert haben gerade den größten Deal ihrer beruflichen Tätigkeit abgewickelt, aber hinter den Kulissen ordentlich zu tun, das zerschlagene Porzellan halbwegs zusammenzukehren. Die Rückrunde könnte für ihren Mandanten nicht nur zum Spießrutenlauf werden. Die Kapitänsbinde hat der Keeper und U21-Vizeeuropameister schon verloren. Als nächstes droht der Verlust des Stammplatzes im Verein. Dann nämlich, wenn Nübels ebenfalls talentierter Vertreter Markus Schubert im Eröffnungsspiel der Bundesliga-Rückrunde gegen Borussia Mönchengladbach am Freitag (20.30 Uhr/ZDF) gut hält. „Ich mache mir darüber keinen Kopf“, sagte der 21-Jährige. „Ich mache mich nicht verrückt, das ist mein Naturell.“

Glück bei der Sperre

Seit Nübels arg rücksichtslosen Tritt gegen Mijat Gacinovic von Eintracht Frankfurt steht der Ex-Dresdner im Tor des Tabellenfünften. Dass der Sünder dafür vom DFB-Sportgericht nur vier Spiele aufgebrummt bekam, wirkte verwunderlich. Trotzdem könnte die Denkpause sich ausweiten, sollte Schubert fehlerfrei spielen. Trainer David Wagner hat einfach mal offen gelassen, wer in der Rückrunde Stammkeeper sein wird. Auch am 25. Januar bei Nübels künftigem Arbeitgeber FC Bayern ist Schubert gesetzt. Am 31. Januar gegen Hertha BSC könnte Nübel wieder spielen – oder den Rest seiner Schalker Zeit auf der Bank verbringen.

Soll den Durchblick behalten: Markus Schubert.

Wagner bescheinigt Schubert „zweieinhalb richtig gute Spiele“. Bis auf einen Patzer beim 1:1 in Wolfsburg spielte er in der Tat stark. Viele Fans wünschen sich sogar eine Entscheidung gegen Nübel. Die Volksseele in Gelsenkirchen hat dem 23-Jährigen die monatelange Hängepartie im Vertragspoker nicht verziehen. Und auch die Schalker Verantwortlichen sind sauer: Gab es für den Abgang von Manuel Neuer 2011 wenigstens 30 Millionen Euro Entschädigung, geht der Klub diesmal leer aus. Wie schon Leon Goretzka wechselt auch Nübel ablösefrei. Seinen Marktwert hat das Portal transfermarkt.de zwar bei 16 Millionen Euro verortet, aber eine Neuer-Größenordnung wäre allemal herausgekommen. Ex-Manager Christian Heidel hat die Bayern für dieses Vorgehen scharf kritisiert.

Berater gibt ein Interview

Hinzu kommt die fragwürdige Rolle als Vertreter hinter Manuel Neuer. Sogar Bundestrainer Joachim Löw äußerte sich jetzt kritisch: „Wenn ein Spieler mit 20, 21 Jahren zwei oder drei Jahre auf der Bank sitzt, weiß ich nicht, ob das nützlich ist.“ Dem gebürtigen Paderborner Nübel schlug zuletzt so viel Wut entgegen, dass sich der frühere Journalist Backs berufen sah, selbst mit einem Interview mit dem Sportinformationsdienst (sid) gegenzusteuern.

Niemand dürfe sich verraten fühlen, argumentierte der 54-Jährige. Schalke hätte genug Zeit gehabt, den Vertrag zu verlängern. „Das ist nicht geschehen. Dann wurde ihm zum Ende der Hinrunde ein Ultimatum gestellt. Da hat er Schalke mitgeteilt, dass er seinen Vertrag nicht verlängern wird.“ Sein Schützling habe sich eben für die „größtmögliche Herausforderung“ entschieden. Und was hat es mit einer Absprache über zugesagte Einsätze bei den Bayern auf sich? „Es dürfte jedem klar sein, dass Bayern München auch dazu ein schlüssiges Konzept vorgelegt hat, sonst hätte Alex nicht zugesagt“, erklärte der Berater. Finanzielle Gründe seien für den Wechsel nicht ausschlaggebend gewesen: „Wenn es ums Geld gegangen wäre, dann hätte Alex ins Ausland gehen müssen. Es gab mehrere Angebote, bei denen Geld keine Rolle gespielt hat. Das Angebot von Bayern München lag im unteren Bereich.“ Das kann man, muss man aber nicht glauben. hel/sid

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