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Machtlos: Lionel Messi.

FC Barcelona

„Zerquetscht wie eine Kakerlake“

Wieder ein Debakel: Auch Messi kann Barcelonas nächsten Zusammenbruch in der Königsklasse nicht verhindern.

Lionel Messi schaute immer wieder entgeistert auf den Boden, mit den Händen in den Taschen seiner roten Trainingsjacke schlich er sich wortlos davon. Auch der Blick von Marc-André ter Stegen und seinen Kollegen war einfach nur leer, die Schultern und Mundwinkel hingen herunter. Geknickt. Geschlagen. Gedemütigt. Am Boden zerstört verließen die Stars des FC Barcelona den Ort ihrer „historischen Blamage“, wie die „Marca“ schrieb.

„Eine katastrophale Nacht“, stammelte Barca-Präsident Josep Bartomeu nach diesem 0:4 beim FC Liverpool und dem bitteren Aus im Halbfinale der Champions League. „Es gibt keine Entschuldigung“, sagte Trainer Ernesto Valverde, der bei den Katalanen nun um seinen Job fürchten muss: „Wenn man einen solchen Zusammenbruch erlebt, hat man ein paar schreckliche Tage vor sich.“ 3:0 hatten Messi und Kollegen das Hinspiel gewonnen, das Ticket für das Finale in Madrid schien schon gebucht – doch dann hat Liverpool „ein zitterndes Barca zerquetscht wie eine Kakerlake“, wie „AS“ schrieb. Ängstlich. Überfordert. Fahrig. Von Minute zu Minute gab Barcelona die Partie mehr und mehr aus der Hand.

Unrühmlicher Höhepunkte war der alles entscheidende Treffer von Divock Origi, als sich ter Stegen und seine Abwehr übertölpeln ließen. Der deutsche Torhüter schaute gar nicht richtig hin, gab noch Anweisungen an seine Vordermänner, die sich auch nicht wirklich für die schnelle Hereingabe des 20-Jährigen interessierten. Origi, sträflich allein gelassen, musste nur noch an ter Stegen vorbei einschieben. Ein „Kirmestor“, meinte die Zeitung „Sport“: „So etwas sieht man nicht einmal in der E-Jugend.“

An Gegentoren „trifft immer jemand die Schuld. Wenn man sich ein Tor betrachtet, wird man feststellen, dass da ein Fehler vorliegt“, sagte Valverde hinterher – und auch ter Stegen durfte sich dabei durchaus angesprochen fühlen: „Sie haben uns mit dem vierten Tor überrascht. Liverpool hat Köpfchen bewiesen.“

Für Barca ist diese so unerwartete Niederlage „schwer zu verdauen. Sie waren einfach besser als wir“, sagte Sergio Busquets: „Von Anfang an waren sie da.“ Und Messi, der wegen einer Dopingprobe dann noch die Abfahrt des Mannschaftsbusses verpasste, war irgendwie nicht richtig da. Jedenfalls war der Superstar nicht der Messi, den die Spanier gebraucht hätten. Vor dem Tor blieb er bei seinen fünf Versuchen blass, zudem leistete sich der Argentinier 17 Ballverluste. Und auch ter Stegen zeigte nicht, warum sie ihn in Barcelona schon den „Messi mit Handschuhen“ genannt haben. Der 27-Jährige hatte schon Tage, an denen er das 2:0 durch Georginio Wijnaldum verhindert hätte.

„Wir müssen wirklich selbstkritisch sein“, sagte Luis Suarez, nachdem Barca nun zum zweiten Mal nacheinander nach einem deutlichen Sieg im Hinspiel noch gescheitert ist. Im Vorjahr war nach einem 0:3 beim AS Rom trotz des 4:1 zuvor bereits im Viertelfinale Endstation. „Wir können nicht die gleichen Fehler zwei Jahre in Folge begehen“, sagte Suarez: „Wir sind wirklich sauer und spüren den Schmerz.“ (sid)

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