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Martin Kind, Hörgeräte-Milliardär und Präsident von Hannover 96, kämpft gegen die 50+1 Regel.
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Martin Kind, Hörgeräte-Milliardär und Präsident von Hannover 96, kämpft gegen die 50+1 Regel.

Hannover 96

Zeit, dass sich was dreht

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Anfang Februar entscheidet die Deutsche Fußball-Liga, ob Hannover 96 mit Präsident Martin Kind eine Ausnahmegenehmigung bekommt - oder klagt.

Am kommenden Mittwoch, 10.50 Uhr morgens, wird Martin Kind bei Deutschlands größtem Sportbusiness-Treffen sprechen. Der Auftritt des Präsidenten von Hannover 96 bei der Spobis in Düsseldorf wird mit Spannung erwartet – und sie wird sich in der darauffolgenden Woche noch steigern. Denn dann wird die Entscheidung des Präsidiums der Deutschen Fußball-Liga (DFL) darüber verkündet, ob Kind Hannover 96 künftig als stimmberechtigter Mehrheitsgesellschafter übernehmen darf oder nicht. Sollte der im Oktober gestellte Antrag des Unternehmers auf eine Ausnahmegenehmigung von der 50+1-Regel abgelehnt werden, hat Kind angekündigt zu klagen.

Dass die DFL sein Begehren verwirft, scheint nicht unwahrscheinlich. Das Präsidium unter Vorsitz des Dortmunder Vereinschefs Reinhard Rauball wälzt seit Monaten die von Kind vorgelegten Zahlen. Knackpunkt: Hat der 73-Jährige, wie es die sogenannten Auslegungsleitlinien der Satzung vorgeben, Hannover 96 ununterbrochen und erheblich gefördert, so wie es Dietmar Hopp für die TSG Hoffenheim getan hat und den Klub deshalb Anfang 2015 unter legaler Umgehung der 50+1-Regel übernehmen durfte?

Die DFL hat bei Kind, anders als bei Hopp, Zweifel am persönlichen finanziellen Engagement. War das in den vergangenen 20 Jahren so erheblich, wie Kind behauptet? Dazu müsste der Niedersachse dem Vernehmen nach pro Saison mindestens so viel in den Mutterverein Hannover 96 gesteckt haben wie der jeweilige Hauptsponsor. Kind hält in dieser Frage wenig von absoluten Zahlen. Er habe „stets so viel Geld eingesetzt, dass Hannover 96 handlungsfähig“ geblieben sei. Dass die ursprünglich fürs Jahresende 2017 erwartete Entscheidung zur Hängepartie geworden ist, ärgert ihn. Ebenso wie „das Gelaber“ der Gegner. Rund 1500 der eigenen Fans marschierten vor dem letzten Heimspiel in einer Demo „Für den Erhalt von 50+1“ sowie „gegen Geld, Gier und noch mehr Korruption“ von der Innenstadt zum Stadion. Angeführt wurden sie von Sargträgern. Ein Symbol dafür, dass mit dem Wegfall von 50 plus eins der Fußball zu Grabe getragen würde.

Seifert will einen Kompromiss

Der erfolgreiche Hörgeräte-Firmenchef Kind war im November 2009 mit seinem Antrag in der Mitgliederversammlung aller Lizenzklubs gescheitert, die im Jahr 1998 beim DFB-Bundestag in Wiesbaden zum Schutz des Vereinswesens vor der Übernahme von Großinvestoren verabschiedete 50+1-Regel zu kippen. Er verweist zurecht darauf, dass es vier Ausnahmeregelungen gibt: Neben Hoffenheim zudem Leverkusen mit Hauptgesellschafter Bayer, Wolfsburg mit VW und indirekt auch RB Leipzig, der Brauseklub von Red Bull.

Sollte Kind scheitern, könnte er nach Vorbild des jordanischen Investors Hasan Ismaik von 1860 München eine Beschwerde beim Kartellamt anstrengen. Alternativ könnte er vor ein ordentliches Gericht ziehen. Möglich wäre auch eine neuerliche Eingabe bei der im Frühjahr stattfindenden Mitgliederversammlung aller 36 Bundesligisten zur Änderung des Paragrafen oder der Gang vor das DFB-Schiedsgericht. Entweder, um seine Ausnahmeregelung durchzusetzen oder aber, um die 50+1-Regel komplett zu kippen.

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert regt, ähnlich wie 50+1-Erfinder Wolfgang Holzhäuser (siehe Gastbeitrag) an, einen Weg zu finden, der die Radikalpositionen vereint: „Niemand will einen komplett freien Markt, in dem sich Investoren austoben und bedienen. Populistische Phrasen und die Ignorierung juristischer Risiken sind aber auch keine Lösung.“ Der Fußball dürfe „kein Spiel ohne Grenzen sein - und erst recht kein Monopoly“. Aber Seifert weiß auch, dass die Bundesliga als von 50 plus eins geschützter Closed Shop seine internationale Wettbewerbsfähigkeit aufs Spiel setzt.

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