Hat gut Lachen: Niclas Füllkrug zusammen mit Werder-Trainer Florian Kohfeldt.
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Hat gut Lachen: Niclas Füllkrug zusammen mit Werder-Trainer Florian Kohfeldt.

Volltreffer

Der zahnlose Hoffnungsträger

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Werder Bremen hat wieder einen Mittelstürmer in der Hinterhand. Niclas Füllkrug ist nach seinem Comeback überglücklich.

Auch eine ziemlich dicke Krankenakte hindert Niclas Füllkrug nicht daran, sich instinktiv dahin zu bewegen, wo es weh tut. Das zuweilen recht rüde Kellerduell beim SC Paderborn war für den SV Werder beim Stande von 4:1 längst entschieden, ein heftiges Gewitter mit Starkregen hatte die erhitzten Gemüter eigentlich abgekühlt, als der neun Monate fehlende Bremer Torjäger in der ostwestfälischen Provinz den Platz betrat. Der Angreifer mit dem Alexander-Meier-Gedächtniszopf löste schnell ein Rudelbildung aus, holte sich die Gelbe Karte ab, um dann in der Nachspielzeit den 5:1-Endstand zu besorgen.

Mit dem wundersamen Comeback besteht bei den Grün-Weißen endgültig Gewissheit, dass die Corona-Krise ihnen einen Joker im Abstiegskampf gegeben hat, der bei regulärem Saisonverlauf den Wettlauf gegen die Zeit nicht mehr gewonnen hätte. Der von drei Knorpelschäden geplagte 27-Jährige, im vergangenen Sommer für 6,5 Millionen Euro vom Absteiger Hannover 96 an seine erste Profistation zurückgekehrt, hatte sich am 20. September bei einem Trainingsunfall das Kreuzband und den Außenmeniskus gerissen. Es folgte noch eine zweite Operation, die normalerweise das vorzeitige Saison-Aus bedeutet hätte. Doch die Pandemie eröffnete für den gebürtigen Hannoveraner neue Perspektiven.

Klar, dass Füllkrug bei seiner Einwechslung an 273 Tage Zwangspause dachte, „weil man da realisiert, wo man in den neun Monaten überall gestanden hat. Es war für mich auch nicht das erste Mal, deswegen ist es schon ein sehr besonderer Moment.“ Werder-Chefcoach Florian Kohfeldt kennt die Frohnatur seit Jugendzeiten; und so rannte der Mann des Tages nach seinem Volltreffer in Paderborn – wodurch die Bremer nur noch aufgrund der um einen Treffer schlechteren Tordifferenz hinter Fortuna Düsseldorf liegen – direkt in die Trainerarme. Abstandsregel hin oder her.

„Wenn Niclas körperlich fit bleibt, kann er in den nächsten Spielen eine wichtige Rolle für uns spielen“, befand ein glücklicher Kohfeldt. Vermutlich wird er den Mittelstürmer weniger am Dienstag im ungleichen Duell gegen den FC Bayern brauchen als vielmehr in den Entscheidungsspielen beim FSV Mainz 05 (20. Juni) und gegen den 1. FC Köln (27. Juni).

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