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Yussuf Poulsen hat die Bodenhaftung nicht verloren.

RB Leipzig

Leithammel unter Bullen

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Yussuf Poulsen hat sich bei RB Leipzig auf das nächste Level gehoben.

Sein Händedruck ist kräftig, sein Lächeln echt. Wer sich mit Yussuf Poulsen unterhält, merkt schnell: Das ist kein Berufsfußballer, der die Bodenhaftung verloren hat. Über viele Themen redet er auf Augenhöhe mit – und dabei vertritt er auch gerne eine klare Meinung. Ihm ist es beispielsweise ein Gräuel, wie sich viele seiner kickenden Kollegen in den sozialen Netzwerken präsentieren, wo sie sich von Beratern, Agenturen oder Sponsoren vorgeben lassen, was gerade gepostet wird. Und damit die künstliche Fassade noch höher ziehen als sie ohnehin ist.

Ihm ist an Authentizität gelegen, die nicht Gleichförmigkeit bedeutet. Sonst würde er sein privates Markenzeichen – die verkehrt herum aufgesetzte Baseballkappe – nicht auch bei Fernsehauftritten tragen. Der 24-Jährige hat vor und nach dem Jahreswechsel zwei Sendungen am Sonntagmorgen besucht – den „Doppelpass“ bei Sport1 und den „Wontorra-Talk“ bei Sky – und dabei gewiss keine schlechte Figur abgegeben. Weil er sich dafür nicht verbiegen musste. Kürzlich hat er klar gesagt, was RB Leipzig für den großen Wurf noch fehlt. „Dafür brauchen wir noch mehr Qualität. Wir sind einfach nicht in der Lage, wie Dortmund und Bayern an die Spitze heranzukommen. Noch nicht.“

Aber Tabellenvierter ist ja auch nicht schlecht. Mit dem souveränen 4:0 bei Fortuna Düsseldorf haben die Sachsen vor dem Auswärtsspiel am Freitag beim Abstiegskandidaten Hannover 96 ihre Anwartschaft auf die Champions-League-Plätze untermauert. Poulsen unterstrich mit einem Doppelpack (2. und 16.) seinen Wert. Hochveranlagte Offensivkünstler wie Jean-Kevin Augustin oder Bruma mögen am Ball mehr Talent mitbringen, aber der Däne hat mehr Wille. Zehn Saisontore zieren sein Konto, womit der persönliche Rekord im deutschen Profifußball winkt. Bislang sind elf Tore in seiner ersten Zweitligasaison der Bestwert, in der Bundesliga waren ihm zuvor bislang nur vier und fünf Treffer gelungen.

Die Nummer neun galt lange als Prototyp des Lückenläufers, der die Gegenspieler bindet: Für die Spielweise des Lehrmeisters Ralf Rangnick ist so ein Stürmer elementar. Einer, der das Gegenpressing mehr verinnerlicht hat als den Abschluss, wo ihn bisweilen technische Unsauberkeiten den Erfolg verwehrten. Aber auf einmal schießt der in Kopenhagen geborene Fleißarbeiter auch noch Tore und ist fast genauso effektiv wie Timo Werner. Die beiden sprintstarken Angreifer haben 21 der 35 Leipziger Treffer erzielt und verstehen sich fast blind. Weswegen Poulsen es begrüßen würde, wenn der deutsche Nationalstürmer seinen 2020 auslaufenden Vertrag verlängern würde. „Die letzten drei Jahre haben wir das gut gemacht, deshalb würde ich mir das für unsere Partnerschaft wünschen.“

Er ist beim Brauseklub längst eine energetische Identifikationsfigur – und mit seiner professionellen Einstellung so etwas wie ein Leithammel bei den Roten Bullen. Als einziger bereits seit 2013 für das Red-Bull-Projekt am Ball, als die Gegner noch Chemnitzer FC und SV Elversberg hießen. Von Lyngby BK, einen dänischen Zweitligisten, ließ er sich damals in die Dritte Liga locken. Anfangs bezog er mit dem heutigen Bayern-Star Joshua Kimmich eine WG – die beiden sind immer noch in engem Austausch. Beide zeichnet aus, sich stets auf das nächste Level hieven zu wollen.

Gleich in seiner ersten Saison feierte Poulsen mit den Rasenballsportlern seinen ersten Aufstieg. Auch für die zweite Liga war dieser flinke Draufgänger mit den prachtvollen Locken eigentlich viel zu gut, zumal er schon 2014 für die dänische A-Nationalmannschaft debütieren durfte. Dort trägt er übrigens ein Trikot, auf dessen Rückseite „Yurary“ aufgedruckt ist. Die Erinnerung an seinen 1999 nach einer Krebserkrankung verstorbenen Vater; einen Tansanier, der auf einem zwischen Afrika und Dänemark pendelnden Containerschiff arbeitete.

Aus seiner Vita leitet sich Neugier, ja fast ein Abenteuergeist ab, der ihn womöglich noch auf eine andere Auslandsstation führt. Sein Vertrag läuft bis 2021, aber ewige Treueschwüre mag er nicht abgeben. Ist Leipzig die Endstation? Poulsen: „Das weiß ich nicht. Ich habe im Fußball noch viele Jahre vor mir. Ich schaue nicht gerne weit in die Zukunft. Ich will mich jedes Jahr verbessern. Meine Entwicklung und die Entwicklung des Vereins passen im Moment gut zusammen.“

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