BVB-Juwel Moukoko

Fußball-Wunderkind Youssoufa Moukoko wird 16 - startet er jetzt sofort durch?

  • Jakob Böllhoff
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Der hochtalentierte Stürmer Youssoufa Moukoko hat schon mit zwölf für Aufsehen gesorgt im deutschen Fußball. Vier Jahre später steht er vor seinem Debüt in der Bundesliga für den BVB.

  • Youssoufa Moukoko gilt als der talentierteste Stürmer Deutschlands.
  • In den Jugendligen gelangen ihm für Borussia Dortmund 137 Tore in 81 Spielen - stets wurde er in höheren Altersklassen eingesetzt.
  • Seit dem 20.11.2020 ist Moukoko 16 und damit für die Bundesliga spielberechtigt. Immer wieder gab es rassistische Debatten über sein Alter.

Dortmund - Er darf jetzt Bier kaufen und Sekt und Mischgetränke. Er darf den Führerschein für kleine Motorräder machen und damit bis Mitternacht durch die Gegend fahren. Er darf bei Kommunalwahlen seine Stimme abgeben, er darf selbstständig bei der Bank ein Konto eröffnen. Youssoufa Moukoko darf das jetzt alles, und er darf noch einiges mehr, weil er am Freitag 16 Jahre alt geworden ist, aber seine neu erlangten Rechte als Jugendlicher werden ihn zunächst nicht sonderlich interessieren. Sie verblassen hinter seinem neu erlangten Recht als Fußballer: Er darf in der Bundesliga spielen, bei den Erwachsenen.

Rohdiamant Youssoufa Moukoko, 16 Jahre jung.

Youssoufa Moukoko könnte bereits am Samstag zum jüngsten Bundesligaspieler aller Zeiten werden

Moukokos Klub, Borussia Dortmund, trifft am Samstagabend (20.30 Uhr) in Berlin auf Hertha BSC, und es ist nicht vermessen, zu vermuten, dass der Mittelstürmer die Reise in die Hauptstadt mitmachen wird, im Kader steht, womöglich sogar erste Einsatzminuten erhält von Trainer Lucien Favre, dann als jüngster Spieler der Bundesliga-Geschichte. Moukoko, in Kamerun geboren, 2014 zum Vater nach Hamburg gezogen, gilt als fantastische Begabung. Das Bundesligadebüt käme mit 16 zwar „sehr, sehr früh“, sagte Bruno Labbadia, Coach von BVB-Gegner Hertha, am Donnerstag: „Aber es gibt außergewöhnliche Talente, da scheint er dazuzugehören.“

Die Statistiken stützen Labbadias Vermutung. Für Borussia Dortmund hat Moukoko in der B-Junioren-Bundesliga unfassbare 90 Tore in 56 Spiele geschafft, bei den A-Junioren 44 Tore in 23 Spielen, davon alleine zehn in den ersten drei Spielen der aktuellen Saison – und das, obwohl seine Gegen- und Mitspieler stets drei, vier Jahre älter waren. Er ist schnell, trickreich und beidfüßig, für sein Alter zudem bemerkenswert athletisch mit seinen 1,79 Metern. Seit Juli trainiert er regelmäßig bei den Profs mit, schon mit 15 ohne größere Anpassungsschwierigkeiten, davon profitierend, dass der BVB ohnehin verstärkt auf junge Spieler wie Jadon Sancho (20), Jude Bellingham (17), Giovanni Reyna (18) oder Stürmerstar Erling Haaland (20) setzt. „Ich habe in meinem Leben keinen so guten 15-Jährigen gesehen“, sagte Haaland, selber einer der begehrtesten Torjäger Europas.

Der Hype um Youssoufa Moukoko vom BVB ist riesig - sein Talent auch

Der Hype ist groß, die Lobeshymnen sind laut. „Er hat ein Talent, dem man nicht so oft begegnet“, sagt Bundestrainer Joachim Löw über den für Deutschland spielberechtigten Nachwuchsstürmer. Und Samuel Eto’o, ehemaliger kamerunischer Weltklassestürmer, glaubt gar, Youssoufa Moukoko werde der „nächste große Spieler nach Messi“. Passend dazu kursieren seit längerem Gerüchte, wonach Messis Klub, der FC Barcelona, sehr an einer Verpflichtung Moukokos interessiert sei. Es ist viel Rummel um den jungen Kerl. „Ich lese, was die Medien schreiben, aber ich mache mir keinen Druck“, sagte Moukoko selbst im Interview mit dem Dortmunder Vereins-TV. Wegbegleiter und Jugendtrainer bezeichnen ihn durchweg als bodenständig und zielstrebig, ohne Flausen im Kopf. Er schiebt Extraschichten, um die körperlichen Defizite zu den gestandenen Bundesliga-Profis schnellstmöglich aufzuholen. Eine Art Tor-Gen scheint er sowieso zu besitzen.

Und doch gibt es Zweifler, die gibt es immer, wenn etwas schwer Begreifbares geschieht. Dass es nicht mit rechten Dingen zugehe, hieß es schon, als Youssoufa Moukoko mit 12 in der U17 Tor um Tor schoss. Da stimme etwas nicht, alterstechnisch, viel zu athletisch sei der, viel zu groß, viel zu gut. Eine Nachbeurkundung auf dem Standesamt Hamburg-Harburg bestätigte dann allerdings Moukokos Alter: geboren am 20.11.2004, in Yaoundé, der Hauptstadt Kameruns. Dort lebte er bis zu seinem zehnten Lebensjahr bei seinen Großeltern, dann holte ihn Vater Joseph, seit den 1990er-Jahren als deutscher Staatsbürger in Hamburg ansässig, nach Deutschland. Zwei Jahre spielte Moukoko in der Jugend des FC St. Pauli, bevor er ins Jugendinternat von Borussia Dortmund wechselte.

Immer wieder gab es rassistische Debatten über das Alter von Youssoufa Moukoko

Er ist nicht der erste in Kamerun geborene Fußballspieler, um dessen Alter es Debatten gibt. Anfang 2014 behaupteten afrikanische Medien, Joseph Minala, damals 17-jähriger Jugendspieler von Lazio Rom, sei in Wahrheit bereits 41 Jahre alt, das habe er ihnen selbst heimlich mitgeteilt, und weil Minala tatsächlich sehr viel älter aussah, verselbstständigte sich das Gerücht in den Medien und vor allem unter den notorischen Querköpfen in den Sozialen Netzwerken. Lazio ließ dann seine Geburtsurkunde überprüfen und für zuverlässig befinden und drohte juristische Maßnahmen an für anderweitige Behauptung. Heute spielt Minala, 24, in der ersten chinesischen Liga.

Das Internet aber vergisst nicht. Auch völlig unfundierte Betrugsvorwürfe, wie bei Youssoufa Moukoko, bilden so den Nährboden für Hass und Häme und allgemeines Misstrauen. Als er neulich beim U19-Derby gegen den FC Schalke 04 beim 3:2-Sieg des BVB mal wieder alle Tore für sein Team erzielte, wurde er von Schalkern Fans auf der Tribüne aufs Übelste beleidigt. Er solle sich „verpissen“ oder auch „ins Grab legen“, einer drohte: „Ich brech‘ dir die Knochen.“ Auch rassistische Äußerungen soll es gegeben haben. Und Moukoko? Blieb ruhig. „Ich bin stolz, mit dieser Hautfarbe geboren zu sein und werde es immer sein. Es gibt keinen Platz für Rassismus im Fußball und auf menschlicher Ebene“, kommentierte er bei Instagram. Tage später beim 6:0 gegen Rot-Weiß Essen feierte er ein Tor mit der Geste der „Black Lives Matter“-Bewegung: ein Knie auf dem Boden, die rechte Faust in den Himmel gereckt.

BVB-Trainer Lucien Favre: „Es macht Spaß, Youssoufa Moukoko zu trainieren“

Gegen Essen hat Youssoufa Moukoko übrigens vier Tore geschossen, und darum geht’s ja dann letztlich, im Kern dieser Geschichte: Dass hier ein sehr talentierter Fußballer am Anfang einer sehr vielversprechenden Karriere steht. Dem nüchternen BVB-Trainer Lucien Favre ist in diesem Zusammenhang der vermutlich euphorischste Satz seines Lebens unterlaufen: „Es macht Spaß, ihn zu trainieren.“ Sportartikelausrüster Nike hat ihn sicherheitshalber schon mit einem Vertrag ausgestattet, millionenschwer angeblich, und während Moukoko als Profisportler und praktizierender Muslim auch mit 16 die Finger lassen wird von Bier und Sekt und Mischgetränken, so kommt die Sache mit dem Bankkonto zu einem sehr spannenden Zeitpunkt. (Jakob Böllhoff)

Rubriklistenbild: © Revierfoto/dpa

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