Erzielte schon acht Saisontore als offensiver Linksverteidiger: Robin Gosens. afp
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Erzielte schon acht Saisontore als offensiver Linksverteidiger: Robin Gosens. 

CHAMPIONS LEAGUE

Wundersamer Aufstieg

Atalanta Bergamo steht völlig überraschend im Achtelfinale der Champions League – auch dank Robin Gosens.

Das „affengeile“ Gefühl auf dem Platz zu stehen und die Champions-League-Hymne zu hören – bald kann Robin Gosens es wieder erleben. Der Deutsche ist so etwas wie ein heimlicher Fußballstar geworden. Der linke Außenbahnspieler tritt diesen Mittwoch mit dem italienischen Erstligisten und Überraschungsklub Atalanta Bergamo im Achtelfinale gegen den FC Valencia an – ein schon jetzt historisches Ereignis für die Italiener und für Gosens selbst.

Bergamo kam bei seiner ersten Teilnahme in der Champions League gleich unter die besten 16 Mannschaften. Zugleich ist das Team erst das zweite in der Geschichte der Königsklasse, das nach drei Niederlagen zum Auftakt noch das Achtelfinale erreichte. „Als ich die Hymne gehört habe, dachte ich: ‚Alter, was ist das? Was machst du hier überhaupt?“, erzählte Gosens dem Podcast „Kicker meets Dazn“ über seine Auftritte in der Champions-League-Vorrunde. „Ich hatte eine wahnsinnige Gänsehaut, die ging gar nicht mehr weg. Die hatte ich noch beim Anpfiff.“ Es sei ein „Träumchen“ gegen hochkarätige Spieler wie zum Beispiel in der Vorrunde bei Manchester City von Trainer Pep Guardiola anzutreten.

Juventus Turin, Inter Mailand, SSC Neapel? Nein, Atalanta Bergamo macht in Italien von sich reden. In der Serie A steht das Team aus der hübschen Stadt bei Mailand derzeit auf dem vierten Tabellenplatz. Gosens hat in der Saison bereits acht Tore geschossen, wohlgemerkt als offensiv ausgerichteter Außenverteidiger. Eine Spitzenleistung.

Grund genug für den Mann vom Niederrhein, sich auch in seiner deutschen Heimat ins Gespräch zu bringen. „Mein größter Traum ist nach wie vor die Bundesliga und Schalke der Verein, von dem ich immer noch Fan bin“, sagte er in einem Interview von Spox. Vage Gerüchte kursierten zuletzt über ein Interesse von RB Leipzig und sogar vom FC Bayern.

Bisher kein Anruf von Löw

Gosens Karriere verlief nicht gerade geradlinig, eigentlich wollte er früher Polizist werden. Geboren in Emmerich an der holländischen Grenze spielte er dann in der Niederrheinliga beim VfL Rhede. Beim Probetraining bei Borussia Dortmund scheiterte er. Seine Profikarriere begann er stattdessen in den Niederlanden, wo er erst in der zweiten Liga und dann bei Heracles Almelo in der Ehrendivision spielte. Seit 2017 ist er in Italien in Bergamo, einer Stadt an den italienischen Alpen mit rund 120 000 Einwohnern und einer Stadtmauer, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehört.

Die Göttin, „La Dea“, nennen die Fans ihren Fußballklub. Gosens berichtet, wenn er durch die Stadt gehe, gehe „es nicht so ganz ohne Erkennen“. „Total abgefahren“, findet er das. Gosens will aber offensichtlich geerdet bleiben. „Wenn ich mir eine Bodylotion für 16 Euro kaufe, weil die so geil riecht, hinterfrage ich mich schon“, zitierte ihn die „Süddeutsche Zeitung“. „Dann denke ich, die hätte ich jetzt auch für 1,99 Euro kriegen können.“

Nun ist auch Deutschland auf ihn aufmerksam geworden. Rekordnationalspieler Lothar Matthäus sagte unlängst, er würde Gosens „gern mal im Kreis der deutschen Nationalmannschaft sehen“. „Er ist torgefährlich und einer, den ich fast in der internationalen Klasse sehe“, erklärte Matthäus. Er wisse nicht, warum Bundestrainer Joachim Löw ihn nicht mal testen solle. Auch Löw ist der schnelle Mann nicht unbekannt. „Gehen sie davon aus, dass wir ihn schon gesehen haben“, sagte Löw zuletzt Mitte Januar.

Allerdings: Gosens hat eine deutsche Mutter – und einen niederländischen Vater, er könnte also auch fürs Nachbarland auflaufen. „Wenn es wirklich dazu kommen sollte“, dass ihn Löw und Bondscoach Ronald Koeman anrufen, sagt Gosens, dann „musst du mit deinem Herzen wählen“. Er habe von beiden Seiten „noch nichts gehört und kein Telefonat geführt“, auch sei es nicht so, „ dass ich den Anruf von Jogi Löw erwarte, aber allzu weit weg bin ich von der Nationalmannschaft nicht. Ich habe schon die Ambitionen, mich dafür zu empfehlen.“ 

dpa/sid

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