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Worte und Taten

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Von: Frank Hellmann

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Bis mindestens Sommer an der Spitze: Oliver Leki, DFL-Geschäftsführer.
Bis mindestens Sommer an der Spitze: Oliver Leki, DFL-Geschäftsführer. © dpa

Vor dem Re-Start beschwört die Bundesliga ihren eigenen Weg, bei dem der Erhalt der 50+1-Regel und internationale Konkurrenzfähigkeit sich nicht ausschließen sollen.

Es ist ziemlich schnell gegangen, da waren Bühne, Stehtische oder Tresen in der Eventhalle Fredenhagen am Stadtrand von Offenbach nach dem Neujahrsempfang der Deutschen Fußball-Liga wieder abgebaut. Auch die Würfel mit den Logos der 36 Profiklubs nahmen Arbeiter mit Hilfe einer Hebebühne wieder von der Decke des alten Industriegebäudes, aber vielleicht war es kein Zufall, dass die Wappen vom SC Freiburg und Borussia Dortmund bis zur Demontage am Dienstagabend als letztes leuchteten. Es könnte durchaus sein, dass künftig deren Steuermänner auch die Liga-Organisation führen: Der Freiburger Finanzvorstand Oliver Leki als einer von mehreren DFL-Geschäftsführern und der Dortmunder Boss Hans-Joachim Watzke als Aufsichtsratschef.

Axel Hellmann, Frankfurts Vorstandssprecher, ist genau wie Leki interimsweise bis zum 30. Juni an die Spitze aufgerückt, beide verbringen derzeit fast die halbe Arbeitswoche mit DFL-Themen. Der Jurist Hellmann hat aber nicht unbedingt Ambitionen auf eine Daueranstellung bei der DFL. Zum einen ist er tief im Verein verwurzelt, zum anderen würde ihm auch der Wettkampf fehlen. Gleichwohl will auch der 51-Jährige diesbezüglich nichts ausschließen. Einig ist sich die Troika mit Watzke, Leki und Hellmann, dass die sportliche und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit als Top-Liga Europas zwar gewahrt bleiben muss, aber eben auch nicht um jeden Preis. Der SC Freiburg ist mit seinem Verkauf von U21-Nationalspieler Kevin Schade weit über Marktpreis ebenso ein gutes Beispiel wie der BVB bei seiner öffentlichen Schmerzgrenze für Jungstar Youssoufa Moukoko: Wer wirklich nur aufs Geld schaut, soll auf die Insel ziehen.

Hans-Joachim Watzke wirbt für den deutschen Weg

Watzke brachte feine Spitzen gegen den englischen Fußball an („ich war sieben Jahre alt, als England den letzten Titel holte“), um der Bundesliga ein bisschen mehr Selbstbewusstsein einzuimpfen. Zudem schrieb der Frontmann allen ins Stammbuch: „Haltung zeigen ist das eine. Aber das andere ist die Leistung.“ Und darauf sollen sich bitte die Vereine besinnen, wenn die Nationalmannschaft den Spagat nicht schafft. Grundsätzlich hält der 63-Jährige „den deutschen, den demokratischen Weg“ für den besseren, als sich von ausländischen Investoren die Richtung vorgeben zu lassen. Dem Vernehmen nach ist die vorzeitig abgelöste Liga-Chefin Donata Hopfen auch über ihre (zu) große Offenheit gegenüber Geldgebern gestolpert, die vielleicht aus dem arabischen Raum gekommen wären. Darüber wollen die Lizenzvereine immer noch selbst bestimmen.

Ein Sponsorenvertrag mit Qatar Airways reicht bekanntlich, um Branchenprimus Bayern München in bis heute eigentlich nicht gelöste Gewissenskonflikte zu stürzen. Vor diesem Hintergrund passt, dass sich ein Kompromiss mit dem Kartellamt zum Erhalt der 50+1-Regel andeutet. Die Behörde monierte ja, dass für Bayer Leverkusen, VfL Wolfsburg und TSG Hoffenheim seinerzeit Ausnahmen erlassen worden sind. Leki hat dazu offenbar auf einer sachlichen Ebene hinter den Kulissen („wir sind ja nicht auf dem Schlachtfeld“) einiges mit der Behörde bewirkt. Tendenz: Die deutsche Bundesliga behält ihr Alleinstellungsmerkmal mit 50+1, doch die betroffenen Klubs werden Kröten schlucken, ihre Strukturen ändern und ihren Beitrag leisten müssen, heißt es. Im Übrigen gilt das auch für das Konstrukt RB Leipzig, für die von DFB wie DFL einst eine Sonderregel geschaffen wurde, die dann auch die letzte bleiben sollte.

Der Brauseklub eröffnet gegen den FC Bayern (Freitag 20.30 Uhr/Sat.1 und Dazn) das neue Jahr für die Liga. Münchens Vorstandschef Oliver Kahn freut sich auf ein „absolutes Topspiel“. Keiner wisse doch nach der langen Pause so genau, wo er stehe. Mit dem Re-Start nach dem WM-Cut ließ sich die Liga mehr Zeit als die Konkurrenz England, Italien oder Frankreich, nimmt aber durch einen weiteren Wochenspieltag und ein gestrecktes Pokal-Achtelfinale gleich eine hohe Taktung auf.

RB Leipzig eröffnet das Jahr gegen den FC Bayern

Die Sachsen könnten am Freitag bis auf drei Punkte an den Tabellenführer heranrücken. Der beim Neujahrsempfang überaus gut gelaunte Macher Max Eberl ist überzeugt, jetzt für einen Klub zu arbeiten, „der nochmal größere Chancen hat, die Bayern zu schlagen als Mönchengladbach“. Der Spannung würde es gut tun, zumal der Hauptrivale Borussia Dortmund mal wieder darum kämpft, überhaupt die Champions League zu erreichen. Apropos Königsklasse: Die Aufgaben für das Bundesliga-Quartett könnten im Achtelfinale anspruchsvoller kaum sein, um die internationale Konkurrenzfähigkeit zu belegen. Bayern (gegen Paris St. Germain), Dortmund (gegen FC Chelsea) und Leipzig (gegen Manchester City) treten gegen Kontrahenten an, die kaum ein finanzielles Limit kennen. Eintracht Frankfurt (gegen SSC Neapel) spielt zudem gegen eines der formstärksten Teams Europas.

Der Überraschungszweite SC Freiburg steht (durch den Gruppensieg) bereits im Achtelfinale der Europa League. Bayer Leverkusen (gegen AS Monaco) und Union Berlin (gegen Ajax Amsterdam) müssen erst noch die Zwischenrunde überstehen. Wenn Watzke behauptet, die Liga stehe mit seinen sieben Europapokalstartern („eine super Bilanz“) besser da als vor zwei, drei Jahren, sollten solche Worte mit Taten belegt werden. Denn entscheidend ist ja, wie weit das Septett nun wirklich in der K.o.-Runde kommt. Im Corona-Sommer 2020 holten die Bayern (gegen PSG) noch den Henkelpott. Mit einem Hansi Flick auf der Trainerbank, der damals noch instinktiv das Richtige tat. Dass den Bundestrainer dieses damals fast untrügliche Gespür nun zuletzt in Katar in so krasser Form bei Personal, Taktik, Führung und Ansprache verlassen hat, darüber rätseln selbst hochrangige DFB-Funktionäre bis heute ergebnislos. Und haben eigentlich nur die eine Erklärung: Mitunter ändern sich die Zeiten im Fußball so schnell wie das Antlitz einer Eventhalle.

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