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Wolfsburger Wellen

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Von: Frank Hellmann

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Hat genau die richtigen Knöpfe gedrückt in der Autostadt: Trainer Niko Kovac.
Hat genau die richtigen Knöpfe gedrückt in der Autostadt: Trainer Niko Kovac. © Soeren Stache/dpa

Der VfL weckt unter Trainer Kovac mit einer faszinierenden Erfolgsserie sogar Erinnerungen ans Meisterjahr 2009. Das ist übertrieben. Aber nur ein bisschen. Ein Kommentar.

Im Fußball ändern sich die Zeiten schnell. Und speziell der VfL Wolfsburg gibt ein gutes Beispiel, welche Wellenbewegung ein Standort erleben kann. Jahrelang geduldete graue Maus, plötzlich Meister 2009, dann Pokalsieger 2015 – 2017 und 2018 aber nur über die Relegation in der Liga gehalten: Trotz der über alle Jahre üppigen Zuwendungen des Eigners in der Autostadt ist der Werksverein gegen die Erschütterungen des Geschäfts nicht immun gewesen.

Nun scheint sich die Berg- und Talfahrt plötzlich in einer Saison zu verdichten. Was mit einem fürchterlichen Fehlstart begann – zwei Punkte aus den ersten fünf Spielen – mündete über die WM-Pause in einen formidablen Lauf, der nun torreiche Höhepunkte erlebte.

Mit zwei Kantersiegen binnen vier Tagen – 6:0 gegen den SC Freiburg, 5:0 bei Hertha BSC – sind die Niedersachsen nicht nur optimal gestartet, sie haben jetzt auch sechs Siege, zehn ungeschlagene Spiele in Folge hingelegt. Trainer Niko Kovac hat die richtigen Knöpfe gedrückt, und das Schlüsselerlebnis war dabei jener hart erkämpfte 1:0-Erfolg am 10. September bei Eintracht Frankfurt.

An der ihm gut bekannten Wirkungsstätte im Stadtwald hatte der Coach erstmals auf Max Kruse verzichtet, dessen Extrawürste der Disziplinfanatiker aus Berlin-Wedding nicht länger ertragen wollte. Sportchef Marcel Schäfer trug die schlagzeilenträchtige Entscheidung mit, und offenbar haben die beiden damals gemeinsam genau den richtigen faulen Apfel aussortiert. Seitdem kommt Kovac mit einem ähnlichen Stil durch, mit dem er schon die Eintracht zweimal ins Pokalfinale und letztlich auch in den Europapokal führte: körperbetont und konsequent, leidenschaftlich und intensiv.

Der Vergleich mit 2009

Manch einer am Mittellandkanal bemüht nun wieder die Parallelen: Hatte nicht Felix Magath in jener Spielzeit 2008/2009 nicht auch als Tabellenneunter zur Halbzeit das Feld mit einer sagenhaften Erfolgsserie von hinten aufgerollt? Gemach, gemach. Gerade Schäfer, damals stürmischer Linksverteidiger in der Meisterelf, tritt so kräftig auf die Bremse, als wolle er auf der Teststrecke am Werk einen Materialtest durchführen. Derlei Vergleiche sind tatsächlich nicht angebracht, weil Wolfsburg damals eine mit Regisseur Zvjezdan Misimovic und dem Sturmduo Edin Dzeko und Grafite außergewöhnlich besetzte Offensivabteilung beschäftigte, die im direkten Duell sogar den FC Bayern schwindlig spielte.

Grafites Hackentor beim 5:1-Kantersieg gegen staunende und torkelnde Münchner ist unvergessen. Dass letztlich die Schale ins östliche Niedersachsen mit dem feixenden Meistermacher Magath ging, war für die Liga die letzte große Sensation bei der Titelvergabe, die seitdem von einer ermüdenden Monotonie begleitet wird. Diese Geschichte zu wiederholen, scheint nahezu unmöglich. Aber ein Europapokalanwärter sind die „Wölfe“ allemal. Nichts spricht am Samstag bei Werder Bremen gegen den dritten Dreier. Außer gewisse Gesetzmäßigkeiten im Fußball.

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