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Der neue starke Mann in Wolfsburg: VfL-Trainer Oliver Glasner.

Bundesliga-Serie

Der VfL Wolfsburg und die große Herausforderung: Bitte bodenständiger

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Der Fußball Bundesligist VfL Wolfsburg will mehr wirtschaftliche Vernunft walten lassen, dabei soll ein österreichischer Trainer aus der Red-Bull-Schule helfen.

Der Abschied fiel überaus versöhnlich aus. Hinlänglich bekannt ist ja, welche Vorbehalte einst Bruno Labbadia beim VfL Wolfsburg entgegenschlugen, als der Werksklub im Februar 2018 mal wieder eine tiefe Schaffenskrise beklagte. „Wir steigen ab, wir kommen nie wieder, denn wir haben Bruno Labbadia“, trällerte der Anhang in einer verzweifelten Mischung aus Fatalismus und Sarkasmus. Die Geschichte ging insofern gut aus, als dass der VfL Wolfsburg erst die Relegation überstand und in der Saison drauf dann – obwohl die Trennung vom Trainer Labbadia bereits früh feststand – noch direkt in die Europa League durchstartete. Deshalb entschuldigten sich die Fans in der letzten Trainingswoche mit einem Plakat am Zaun: „Wir blieben drin, wir kamen wieder, wir danken Bruno Labbadia.“ So geht’s also auch. Trotzdem ist Labbadia am Mittellandkanal inzwischen Geschichte.

VfL Wolfsburg: Wie ist die Stimmung?

Weil der Geschäftsführer Jörg Schmadtke, auf seine Art durchaus ein Eigenbrötler, mit diesem Fußballlehrer nicht auf einen gemeinsamen Nenner kam, erfolgte die Trennung von Labbadia und seinem ewigen Assistenten Eddy Sözer. Eine gewisse Angespanntheit ist geblieben. In der werkseigenen Fußball GmbH muss Schmadtke neuen Parametern folgen. Vor dem Hintergrund des Dieselskandals und Einschnitten im VW-Konzern besteht der Zwang, das Kosten-Nutzen-Verhältnis besser auszubalancieren als unter seinen vielen Vorgängern. Speziell Olaf Rebbe hatte die wirtschaftliche Vernunft zwischenzeitlich völlig aus den Augen verloren. Und zwei Rettungen über die Relegation drückten dermaßen auf die Stimmung, dass die Zuschauer noch nicht wieder vollkommen versöhnt sind.

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Wie stark ist der Kader des VfL Wolfsburg?

Die vorzeitigen Vertragsverlängerungen mit Kapitän Josuha Guilavogui, Linksverteidiger Jerome Roussillon und Torjäger Wout Weghorst waren wichtige Signale, um Kontinuität bei der Kaderplanung zu haben. Weil auch Stützen wie Klassekeeper Koen Casteels oder Identifikationsfigur Maximilian Arnold im östlichen Niedersachsen geblieben sind, besteht ein stabiles Gerüst.

VfL Wolfsburg: Worauf steht Trainer Oliver Glasner?

Viele Augen richten sich auf Oliver Glasner. Der 44 Jahre alte Österreicher betritt mit der deutschen Bundesliga zwar Neuland, aber ihm eilt ein exzellenter Ruf voraus. Aus dem einst eisenharten Abwehrspieler der österreichischen Bundesliga mit mehr als 400 Einsätzen wurde einer der am meisten beachteten Fußballlehrer der Alpenrepublik. Binnen vier Jahren formte er aus dem Zweitligisten Linzer ASK einen Europapokalteilnehmer. Allein der übermächtige Red-Bull-Ableger aus Salzburg stand vor dem Emporkömmling. Glasner selbst stammt aus der RB-Schule, arbeitete in der Mozartstadt als Assistent von Roger Schmidt, dessen Anschauungen ihn nachhaltig beeindruckten. Das hohe Pressing, die kurzen Wege zum Tor, das zielgerichtete Anlaufen sind noch heute seine Leitsätze.

Wo hapert’s noch beim Vfl Wolfsburg?

Als Schmadtke, Schäfer und Glasner gemeinsam ihre Vorstellungen abglichen, stand schnell fest, dass dieses Trio zusammenfinden würde, „weil wir die gleichen Vorstellungen davon haben, wie wir mit dem VfL in den kommenden Jahren erfolgreichen und attraktiven Fußball spielen wollen und können“ (Glasner). Dafür braucht es aber das passende Personal. Er bekam seine absoluten Wunschspieler, den Schweizer Kevin Mbabu (Young Boys Bern), den Brasilianer Joa Victor (LASK Linz) und den Österreicher Xaver Schlager (Red Bull Salzburg), für insgesamt 21 Millionen Euro Ablöse. Aber packt das Trio auch in Deutschlands höchster Spielklasse den Durchbruch? Weitere kostspielige Einkäufe sind nur noch möglich, wenn bis Transferschluss noch Großverdiener von der Lohnliste verschwinden.

VfL Wolfsburg: Wer sticht heraus?

Als der Franzose Guilavogui im Sommer 2014 unter dem VfL-Geschäftsführer Klaus Allofs nach Wolfsburg gelotst wurde, dachten wohl beide Seiten nicht an solch eine lange Zusammenarbeit. Der defensive Mittelfeldspieler hatte ein Jahr zuvor bei Atletico Madrid einen fürstlich dotierten Fünf-Jahres-Vertrag unterzeichnet, doch schnell festgestellt, „dass man mich eigentlich nicht brauchte“. Eine leihweise Beschäftigung in der Bundesliga sollten helfen, um sich für andere Klubs in Spanien oder Frankreich ins Gespräch zu bringen. Es kam anders. Nach überzeugenden Leistungen an der Seite von Luiz Gustavo war er maßgeblich an Pokalsieg und Vizemeisterschaft 2015 beteiligt, bekam 2016 einen festen Vertrag, der später bis 2020 ausgedehnt wurde. In diesem Sommer hat sich der 28-Jährige mehrere Stunden mit Trainer Glasner ausgetauscht, um seine Rolle auszuloten. Kurz darauf verlängerte der Kapitän gleich mal bis 2023. Und weil er voller Überzeugung die von Nilla Fischer eingeführte Regenbogenbinde trägt, ist die Frohnatur sogar zur Symbolfigur aufgestiegen, die die verschiedenen Nationalitäten in der Mannschaft zusammenbringt.

Wie geht’s dem Schatzmeister des VfL Wolfsburg?

Der Werksverein hat viele Jahre das VW-Geld mit vollen Händen ausgegeben. 2017/2018 stemmten die Niedersachsen den dritthöchsten Personalaufwand der Liga (127 Millionen Euro insgesamt, davon rund 100 Millionen für den Lizenzspielerbereich), landete damit jedoch auf dem drittletzten Rang. Finanz-Geschäftsführer Tim Schumacher teilte daraufhin mit: „Uns ist bewusst, dass diese Zahl nicht gering ist und nicht einhergegangen ist mit dem sportlichen Erfolg. Wir hatten einen Kader, der für einen Relegationsplatz zu teuer war!“ Und eigentlich immer noch zu teuer ist. Der Zwang der wirtschaftlichen Vernunft wird auf absehbare Zeit die Vereinspolitik mitbestimmen.

VfL Wolfsburg: Was ist drin?

Fraglich, ob bei der Belastung mit der Europa League, die gewiss nicht mit überbordender Begeisterung begleitet wird, wieder ein Platz im ersten Drittel herausspringt. Eher nicht. Die Wölfe können dennoch immer mal die Großen ärgern.

VfL Wolfsburg: Zu- und Abgänge

Zugänge: Xaver Schlager (RB Salzburg), Paulo Otavio (FC Ingolstadt), Joao Victor (LASK), Kevin Mbabu (BSC Young Boys), Jeffrey Bruma (FC Schalke 04, Leihe beendet)

Abgänge: Riechedly Bazoer (Vitesse Arnheim), Victor Osimhen (RSC Charleroi, nach Leihe fest verpflichtet), Marvin Stefaniak (SpVgg Greuther Fürth, Leihe), Gian-Luca Itter (SC Freiburg), Paul Seguin (SpVgg Greuther Fürth, nach Leihe fest verpflichtet), Sebastian Jung (Hannover 96), Paul Verhaegh (FC Twente Enschede), Landry Dimata (RSC Anderlecht, nach Leihe fest verpflichtet)

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