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Katars Plan geht auf – leider

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Von: Günter Klein

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Katars Juwel in Paris: Kylian Mbappé.
Katars Juwel in Paris: Kylian Mbappé. © dpa

Fifa und Katar werden sich noch lange für all das feiern, was auf Basis beispielloser Korruption zustande gekommen ist - schaurig und traurig. Ein Kommentar.

Das WM-Finale am Sonntag fällt auf Katars Nationalfeiertag. Die Woche wurde daher mit massiver Beflaggung öffentlicher Gebäude eingeläutet, es geht nun in die finale Phase des Weltturniers und vor allem einer großen staatlichen PR-Kampagne. Und man kann jetzt schon bilanzierend sagen: Katar hat bekommen, was es wollte.

Bis vor wenigen Tagen schwebte über dem Turnier noch die für den Gastgeber unerquickliche Vision eines Halbfinales mit vier europäischen Ländern. Dann hätte Katar wohl tricksen müssen, um die beiden größten Stadien mit bis zu fast 89 000 Plätzen zu füllen, denn dass Fans aus und von Frankreich oder den Niederlanden den arabischen Raum überfluten würden, kann man wahrlich nicht behaupten. Es war schon auffällig, dass die Paarung England gegen Frankreich, ein Traumspiel der „alten Welt“, vor einigen tausend leeren Sitzschalen begann und die Arena erst in der zweiten Halbzeit den Ausverkauft-Ruf rechtfertigte.

Bilder, die das Emirat will

Marokko und Argentinien unter den besten Vier sind dagegen Katars großes Glück. Marokko, weil es die Geschichte vom (überfälligen) Aufstieg Afrikas schreibt und zugleich die arabische Welt repräsentiert. Der historische Punkt der erstmaligen Halbfinalpräsenz dieser Kultur wird mit Katar verbunden bleiben.

Argentinien schließlich liefert die Kulisse, die das Turnier braucht, um als Maßstab für künftige Weltmeisterschaften wahrgenommen zu werden. Zehntausende sind in der Stadt, sie interessieren sich für Fußball und Spaß, sie hinterfragen fast nichts, sind Gäste, wie dieser ehrgeizige, auf sein Hochglanz-Image bedachte Staat sie sich wünscht. Anders etwa als die als lästig empfundenen Deutschen. Argentinien hat außerdem Lionel Messi, der beim katarischen Investment Paris Saint-Germain spielt. Ein Finale der Gauchos gegen Frankreich mit Kylian Mbappé, Katars anderem PSG-Juwel, würde die Katarer bestätigen in ihrer Politik.

Es läuft für Katar - leider. Letztlich kommt dem WM-Land auch der Zeitpunkt der Turnieraustragung entgegen. Das Rahmenprogramm, das die Bilder beschwingter Feiern am Meer oder aus dem verwinkelten Souk liefert, wäre im Juni und Juli bei lähmenden 50 Grad kaum möglich gewesen.

Die Fifa wird sich noch lange für all das feiern, was auf Basis beispielloser Korruption zustande gekommen ist. Und das ist auch inmitten der aufrichtigen Freude, die hier viele Fans vor Ort leben und an der man Anteil nehmen will, schaurig und traurig.

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