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Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg.

WM-Kader Frauenfußball

Architektin am Werk

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Martina Voss-Tecklenburg benennt in Frankfurt ihren WM-Kader.

Martina Voss-Tecklenburg macht keinen Hehl daraus, mit einem Bauunternehmer verheiratet zu sein. Hermann Tecklenburg ist schließlich weit über ihre Heimat im niederrheinischen Straelen bekannt, und insofern war es nicht verwunderlich, dass die Bundestrainerin sich kürzlich beim Spatenstich zur neuen DFB-Akademie am Rande der Baugrube sichtlich wohl gefühlt hat. Umstehenden empfahl die Powerfrau, schnell noch einen Schnappschuss mit der Frankfurter Silhouette zu machen. Ein verbauter Anblick auf die Skyline ist nur noch halb so imposant.

Aus dem höchsten Bankentower der Mainmetropole wird am heutigen Dienstag (13 Uhr) der deutsche Kader für die Frauen-WM in Frankreich (7. Juni bis 7. Juli) verkündet. Zu den 23 Auserwählten kommen fünf Nachrücker. Angesetzt sind ein Trainingslager Ende Mai in Grassau, die Generalprobe gegen Chile am 30. Mai in Regensburg, ehe es am 3. Juni nach Rennes geht, wo das erste WM-Gruppenspiel gegen China am 8. Juni stattfindet.

Die Bundestrainerin erläutert ihr Personalpuzzle heute aus dem 49. Stock mit Panorama-Rundblick. Und doch steht sie für eine gewisse Bodenhaftung im deutschen Frauenfußball. Titelträume werden nicht hinausposaunt. „Wir sind in einem Prozess, befinden uns in einer Umbruchsituation und haben viele junge, talentierte Spielerinnen.“ Die 51-Jährige ist deshalb froh, „dass ich nicht ständig höre, dass wir Weltmeister werden müssen.“

Wenn Voss-Tecklenburg vorab arrivierte Akteure aussortiert, geht das bei ihr deutlich geräuschloser vonstatten, als wenn Joachim Löw seine Weltmeister Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng ausmustert.

Babett Peter zurückgetreten

Dass die unter Steffi Jones noch als unverzichtbare Führungskraft geltende Babett Peter (31 Jahre/ 118 Länderspiele) nicht mehr gebraucht wird, weil die Bundestrainerin ihr Aufbauspiel als zu limitiert betrachtet, fiel erst richtig auf, als die Abwehrspielerin des VfL Wolfsburg kürzlich aus dem Nationalteam zurücktrat. Ihre Klubkolleginnen Almuth Schult (28/ 58), Lena Goeßling (32/ 104) und Alexandra Popp (28/ 95) vom Doublegewinner zählen hingegen zum festen Gerüst.

16 bis 18 Kandidatinnen habe sie sicher im Kopf, sagte Voss-Tecklenburg kürzlich nach dem Länderspiel gegen Japan (2:2). Es könnten jene 17 Spielerinnen sein, die in den Sammeltüten fürs Panini-Album stecken, das bald auf dem Markt erscheint. In Produktion gingen die Klebebildchen bereits Mitte Februar. Am Panini-Hauptsitz in Modena könnten sie eine optimale Trefferquote haben, denn aus der jungen Garde sind mit Verteidigerin Giulia Gwinn (19/ SC Freiburg) und Stürmerin Lea Schüller (21/ SGS Essen) zwei Talente dabei, die auch bei der Trainerin für ihre „Tour de France“ fest eingeplant sind. Klara Bühl (18/ SC Freiburg) und Lena Oberdorf (17/SGS Essen) könnten die noch jüngeren Überraschungen heißen.

Zusammen mit ihrer Co-Trainerin Britta Carlson hatte sich die Chefin zuletzt vor Ort in der Frauen-Bundesliga, beim Pokalfinale oder Champions-League-Halbfinale des FC Bayern von der Form der Nationalspielerinnen überzeugt. Auf der Kippe steht die oft verletzte Leonie Maier (26), die genau wie Sara Däbritz (24) den Vizemeister aus München wohl in Richtung Ausland verlässt. Neben der Flexibilität sind die Charaktereigenschaften – Stichwort Teamfähigkeit – ein wichtiges Kriterium. Krasse Härtefälle wie vor der WM 2011, als die langjährige Bundestrainerin Silvia Neid einfach mal auf die damalige Bundesliga-Torschützenkönigin Conny Pohlers verzichtete, sind diesmal nicht zu erwarten. Ein öffentlicher Aufschrei blieb selbst vor dem Heimturnier jedoch aus. Der ertönte erst, als der Traum vom dritten WM-Titel jäh im Viertelfinale platzte.

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