1. Startseite
  2. Sport
  3. Fußball

WM-Bilanz von Gianni Infantino: „Unglaublicher Erfolg“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Günter Klein

Kommentare

Infantino verteidigte auch den Umgang mit der „One Love“-Binde.
Infantino verteidigte auch den Umgang mit der „One Love“-Binde. © dpa

Der Fifa-Boss Gianni Infantino zieht erwartungsgemäß ein positives WM-Fazit - und sagt, was da bald noch kommen wird.

Es ist die beste WM aller Zeiten.“ Das hat Gianni Infantino schon vor vier Wochen gesagt, als er in Doha erstmals vor die Medien trat. Und kein Wunder: Der Präsident des Fußball-Weltverbandes Fifa sieht sich bestätigt – auch durch seine persönliche Echokammer, den Fifa-Rat, der am Freitag tagte und in dem auch noch der Deutsche Peter Peters sitzt. „Es waren sich alle einig, der Rat hat die WM gelobt aufgrund ihrer einzigartigen Kraft und ihres Zusammenhalts.“

Den „unglaublichen Erfolg in allen Bereichen“ beschrieb der Schweizer mit Wohnsitz in Katar noch näher: „Die Spiele waren umkämpft, es gab tolle Tore, man hat gesehen, dass es für die Spieler der erste Titel der Saison war. Es war auch eine faire WM, alle haben die Ruhe bewahrt.“ Vor allem sei es eine Veranstaltung für die Menschen gewesen. „Viele sind nach Katar gekommen und haben die arabische Welt kennengelernt, die sie nur aus den Medien kannten. Sie werden zurückreisen und über ihre Erfahrungen sprechen. Und die Gastgeber, die sie aufgenommen haben, werden sich noch weiter öffnen.“

Aufgeblähte Klub-WM

In der Tat ist es dem Präsidenten der Fifa gelungen, alle Themen, die vor einem Monat den Erfolg noch zu blockieren drohten, wegzudrücken. Die angedachten Zeichen von dänischer und deutscher Mannschaft, die mit Trikots oder der „One Love“-Armbinde auf die mangelnde Umsetzung von Menschenrechten aufmerksam machen wollten, unterband Infantino mit kalten Drohungen. Im Rückblick will die Fifa sich aber nicht gegen protestierende Verbände positioniert haben, sondern für die Zufriedenheit der Mehrheit eingetreten sein.

„Es geht nicht darum, etwas zu verbieten“, sagt Infantino, „sondern Regeln einzuhalten. Auf dem Platz muss der Fußball respektiert werden. Wir müssen die Nationalmannschaften der 211 Verbände in der Fifa und ihre Fans schützen. Die bis zu 90 000 Menschen, die ins Stadion kommen, und die Milliarden, die ein Spiel daheim am Fernseher verfolgen, wollen Zeit verbringen, ohne über etwas anderes nachdenken zu müssen und ihre Probleme vergessen zu können.“

Die Fifa verteidige also das reine Spiel vor jedwedem Versuch der Instrumentalisierung. „Außerhalb der Spiele kann jeder seinen Standpunkt äußern.“

Es wird aber immer weniger Zeit außerhalb der Spiele geben – auch das ist ein Ansinnen der Fifa. Der Rat hat beschlossen, den Wettbewerbskalender zu erweitern. Ab 2025 soll im Vierjahresrhythmus eine Klub-Weltmeisterschaft mit 32 Teilnehmern ausgetragen werden, „sie soll sich wie eine tatsächliche WM anfühlen“.

„Fußball wird global“

Zudem will sich die Fifa in allen geraden Jahren den März-Slot krallen, um in einem offiziellen Wettbewerb Mannschaften interkontinental spielen zu lassen – weil das doch die interessantesten Begegnungen seien, wie die WM gezeigt habe. Und überhaupt, so predigte Oberboss Infantino: „Fußball wird global.“

Er sieht noch unerschlossene Reviere in Südostasien „mit 650 Millionen fußballbegeisterten Menschen, die die Stars nur aus dem Fernsehen kennen“. Die Fifa will sie beglücken, sie sei auch die „einzige internationale Organisation, die vollständig alle Erlöse ausschütte“.

Doch wird der Weltverband auch dort helfen und Nöte ausgleichen, die er und Katar mit dieser Weltmeisterschaft zu verantworten haben? Kommt der Entschädigungsfonds für die Hinterbliebenen verstorbener Arbeitsmigranten? Gianni Infantino spricht vage von einem „Nachhaltigkeitsfonds“, das klingt nicht so sehr nach einer Schuld. „Informationen werden nach der WM folgen.“ Na dann.

Auch interessant

Kommentare