1. Startseite
  2. Sport
  3. Fußball

WM-Spiel zwischen USA und Iran: Proteste auf der Tribüne und in Teheran

Erstellt:

Von: Stefan Krieger

Kommentare

Während US-Präsident Joe Biden den Sieg des US-Teams gegen den Iran feiert, kommt es im Iran zu Protesten und Schadenfreude über die Niederlage.

Doha – Bei der WM 2022 in Katar sicherte sich die USA durch einen 1:0-Erfolg über den Iran Rang zwei in der Gruppe und die Qualifikation fürs Achtelfinale. Dort geht es am Samstag gegen die Niederlande. Die USA sind in vier Jahren gemeinsam mit Mexiko und Kanada Gastgeber der nächsten Fußball-Weltmeisterschaft.

In seiner Heimat hat Präsident Joe Biden geradezu euphorisch auf den Sieg reagiert. Nach einem doppelten „USA, USA“-Ruf und mit zur Faust geballter Hand berichtete Biden am Rande einer Rede zu seiner Wirtschaftspolitik in Michigan am Dienstag (29. November) von einem Gespräch mit dem Team im Vorfeld und schloss: „Sie haben es geschafft! Gott liebt sie.“ Zuvor war er erneut ans Rednerpult getreten und hatte gesagt: „US eins, Iran null. Das Spiel ist aus!“

WM 2022 in Katar: Pussy Riot protestieren auf der Tribüne

Zuvor hatten Aktivistinnen der russischen Punk-Gruppe Pussy Riot auf der Tribüne für Frauenrechte im Iran protestiert. Sie trugen im Al-Thumama Stadion in Doha T-Shirts mit der Aufschrift „Woman Life Freedom“ („Frau Leben Freiheit“) und dem Logo des iranischen Fußballverbands. Einige von ihnen hatten zudem bunte Sturmhauben auf dem Kopf.

WM 2022 - Iran - USA
Stiller Protest auf der Tribüne: „Woman Life Freedom“ © Christian Charisius/dpa

Ein Sprecher von Cinema for Peace bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass es sich um Mitglieder von Pussy Riot handelte. Einem Bericht der Nachrichtenagentur AP zufolge skandierten die Frauen auch den Slogan der Protestbewegung im Iran.

WM 2022 in Katar: Schadenfreude in Teheran

In der iranischen Hauptstadt Teheran haben Autofahrer nach der WM-Niederlage gegen die USA vereinzelt ihre Schadenfreude ausgedrückt. An belebten Plätzen riefen Menschen in der Nacht zu Mittwoch etwa: „War wohl nichts mit Eurem Nationalteam“. Sie spielten damit auf die hohen politischen und sportlichen Erwartungen an das Team Melli an.

Die Spieler standen angesichts der landesweiten Proteste durch den heimischen Fußballverband stark unter Druck. Politiker hatten sich einen Sieg gegen den Erzfeind USA und dadurch Rückendeckung in der Innenpolitik erhofft. Irans Führung habe viel politischen Druck vor dem Spiel ausgeübt, erklärte ein Sportjournalist in Teheran.

Auch Frust war auf den Straßen zu vernehmen, wie Augenzeugen berichteten. In sozialen Medien wurden Videos verbreitet, in denen Protestslogans von Balkonen der Wohnviertel zu hören waren. Menschen riefen darin „Tod dem Diktator“ – als Anspielung auf das geistliche Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei. Bereits nach Anpfiff hatten viele Iraner im Netz die Aufmerksamkeit genutzt, die jüngsten Todesopfer im Rahmen der Proteste beim Namen zu nennen. „Nun freuen sich die Revolutionäre über eine Niederlage des Teams der Islamischen Republik“, schrieb die bekannte iranische Sozialaktivistin Atena Daemi auf Twitter.

Auslöser der Proteste im Iran war der Tod der iranischen Kurdin Jina Mahsa Amini Mitte September. Sie starb in Polizeigewahrsam, nachdem sie wegen Verstoßes gegen die islamischen Kleidungsvorschriften verhaftet worden war. Nach Einschätzungen von Menschenrechtler:innen wurden seitdem mindestens 450 Demonstrierende getötet und rund 18.000 Protestteilnehmende verhaftet. (skr/dpa/sid)

Auch interessant

Kommentare