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Debatte um „One Love“-Binde: Quo vadis, DFB?

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Von: Jan Christian Müller

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Jan Christian Müller, Sportreporter bei der Frankfurter Rundschau, berichtet live von der WM 2022 in Katar.
Jan Christian Müller, Sportreporter bei der Frankfurter Rundschau, berichtet live von der WM 2022 in Katar. © afp/dpa/Imago/N. Bruckmann/M. Litzka (Montage)

Jan Christian Müller berichtet live von der WM 2022. In seinem Tagebuch schreibt er über die Ereignisse vor Ort.

Doha – Der gestrige Montag war einer dieser unvorhersehbaren Tage im Journalistenleben. Die Pressekonferenz mit Niklas Süle und Jamal Musiala stand um zwölf Uhr mittags auf der DFB-Liste, die wir am Vorabend meist zwischen 22 und 23 Uhr per Twitter mitgeteilt bekommen. Kaum war das Gespräch mit den beiden Spielern vorüber und der Text über Musiala begonnen, sickerte im Medienzentrum durch, dass die Fifa die „One Love“-Binden verbieten würde – und die betroffenen Verbände das in Demut akzeptieren würden. So kam es dann auch. Bald darauf lud der Deutsche Fußball-Bund für den Nachmittag zu einem Pressegespräch an der Eckfahne des Trainingsplatzes ein. Ich habe mal ein Foto von meiner Position aus gemacht.

Präsident Bernd Neuendorf und Manager Oliver Bierhoff erklärten sich. Sie kritisierten die Fifa und verteidigten die Entscheidung, auf den nächsten Schritt auf der Eskalationsleiter zu verzichten. Der wäre nämlich gewesen, Kapitän Manuel Neuer trotz der Fifa-Drohung mit der „One Love“-Binde auflaufen zu lassen, die ja in Wahrheit auch schon ein Kompromiss gewesen ist. Denn auf das Tragen der Regenbogenbinde hatten der DFB und die anderen europäischen Verbände schon im Vorfeld freiwillig verzichtet. Immer brav bei Fuß.

WM 2022: DFB-Präsident Neuendorf sichtbar sauer auf Fifa

Neuendorf war sichtbar sauer auf die Fifa, ist aber auch ein gelernter Politiker und vermied es, das Tischtuch mit dem Weltverband zu zerschneiden. Stattdessen bot er weitere Kommunikation mit der Fifa an. Was immer das derzeit bringen soll, wird man sehen, jetzt, da Fifa-Boss da Gianni Infantino und seine Getreuen sich bisher wenig kompromissbereit zeigen, sondern mit Volldampf auf die europäischen Verbände zusteuern. Keine Ahnung, wie das enden soll.

DFB-Präsident Neuendorf erklärt sich den Journalist:innen in Katar.
DFB-Präsident Neuendorf erklärt sich den Journalist:innen in Katar. © Jan Christian Müller

Für uns Medien stellt das Ganze eine ganz schöne Herausforderung dar. Die meisten Kommentare, die ich aus Deutschland in den Sozialen Netzwerken lese, sind ziemlich deutlich. Der DFB solle sich trauen, die Konfrontation zu suchen und zur Not halt abreisen. Das wäre ein Statement des Weltmeisters von 2014, das weit ausstrahlen würde. Im Verband fühlt man sich aber den Nationalspielern verpflichtet, auf deren Rücken man sich nicht mit der Fifa anlegen will. Die meisten der Jungs, da bin ich mir ziemlich sicher, wollen Fußballspielen, nicht protestieren. 

Und außerdem hat der DFB auch Furcht, sich komplett zu isolieren. So stark, das zu tun, fühlt er sich nicht. Und so stark ist er auch nicht. Heute Abend um 18.15 Uhr Ortszeit (16.15 Uhr eurer Zeit) gibt Hansi Flick seine erste Pressekonferenz hier in Katar. Mal sehen, was er zu sagen hat. Man sollte nicht zu viel erwarten. (Jan Christian Müller)

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